Zur künstlerischen Gestaltung des Gartenschaugeländes im „Tal X“ hat eine Initiativgruppe alte Schuhe mit roter Farbe bemalt und sie auf dem Areal aufgehängt. Die Installation, ein Bürgerprojekt, sorgt bereits für Aufsehen.
Wie ein roter Faden sollen die farbenfrohen Schuhe durch das lange Tal der Gartenschau führen. Einige der mühsam gestalteten Ausstellungsobjekte wurden in den vergangenen Wochen bereits auf dem Gelände angebracht – und haben die Talbewohner neugierig gemacht. Sie spekulieren bereits über die Bedeutung hinter den roten Schuhen.
Am 23. Mai eröffnet die Gartenschau „Tal X“ in Freudenstadt Baiersbronn. Vor diesem Hintergrund werden in Bürgerprojekten kreative Ideen von Anwohnern auf dem Gelände der Gartenschau umgesetzt. Genau so eine Idee hatten auch Regina Niemeyer, Heidi Ziegler, Sonja Dezember und Bettina Kober.
„Ich liebe es, künstlerisch kreativ zu sein, aber ich wollte jetzt auch nicht unbedingt Steine bemalen. Nachdem eine der Damen berichtete, sie habe schon mal gesehen, dass Schuhe im Freien ausgestellt wurden, und eine andere sich erinnerte, mal auf einer Ausstellung mit vielen roten Teilen gewesen zu sein, kam die Idee zustande“, erinnert sich die Künstlerin Regina Niemeyer aus Schopfloch.
Doch das Bürgerprojekt hatte bereits mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Einige standen der Aktion kritisch gegenüber, da sie annahmen, es handle sich um eine politische Aktion. „Andere rissen mühsam angebrachte Sandalen von den Bäumen“, bedauert Niemeyer.
Dabei stünden hinter dem Projekt ausschließlich positive Absichten: „Jeder Schuh hat seine eigene Geschichte, und durch die Recycling-Maßnahme bekommen sie auf der Gartenschau noch einmal einen Auftritt“, erklärt Niemeyer. „Eine Frau brachte sogar ihre Hochzeitsschuhe zu uns“, berichtet sie.
Die Farbe sei dabei reiner Zufall gewesen. Außerdem passe Rot – als Komplementärfarbe zu Grün – sehr gut zum Gartenschaugelände, so die Künstlerin.
Von Ende Juni bis Oktober des vergangenen Jahrs traf sich eine Gruppe fast jeden Dienstag im Garten von Niemeyer in Schopfloch, um munter Schuhe zu bemalen. Über den Sommer legten immer wieder Bewohner ihre Schuhspenden in Tüten und Kisten vor Niemeyers Haustür, diese wurden dann nach und nach bemalt und zum Trocknen auf Stöcke im Garten gespießt.
„Einmal haben wir 50 Schuhe bemalt, bei mir daheim sah es aus wie auf der Gartenschau“, sagt Niemeyer und lacht. Rund 600 Schuhe aus der Region haben die vier Frauen gemeinsam mit Unterstützern im vergangenen Jahr bemalt. Vom High Heel bis zum Kinderschuh. „Wir hatten sogar auch ein paarmal männliche Unterstützung“, erzählt die Mitorganisatorin. Jeder Schuh wurde doppelt angemalt, um sicherzustellen, dass die Farbe auch tatsächlich deckt.
Neugierige sollten die Augen offen halten
Wichtig war ihnen auch der Nachhaltigkeitsgedanke: „Wir haben fast die gesamte Farbe gesponsert bekommen und dabei vor allem auch um Farbreste gebeten, damit nicht so viele Farbeimer geöffnet werden müssen.“ Einige Farbeimer hatte Niemeyer selbst auch noch in ihrer Malschule, die bei dem Projekt Verwendung gefunden haben. „Ich finde das wirklich schön zu sehen, was dabei entsteht, wenn jeder ein bisschen mithilft und Spaß bei der Sache hat“, freut sie sich.
In den vergangenen Wochen traf sich die Gruppe nun, um die Schuhe an verschiedenen Orten – Brücken, Wege oder der Forbach – als rote Farbtupfer auf dem Gartenschaugelände zu verteilen.
„Es kam auch schon vor, dass jemand einen pink angemalten Schuh dazugehängt hat“, erzählt Niemeyer und schmunzelt. Schade sei nur, dass die Installation auf Bildern nicht so wirken würde wie in echt, erklärt sie. Neugierige sollten also die Augen offen halten, um das Projekt in natura zu begutachten.