Bürgermeister Matthias Winter (links) und die Vertreter der Bürgerinitiative, Cordula Glatthaar und Ulrich Schneider, haben sich auf einen Termin für das Bürgerbegehren zur Windkraft im Wisoch verständigt. Foto: Elena Baur

Gegen den geplanten Windpark im Wisoch regt sich schon seit langem Widerstand unter den Bürgern. Jetzt steht fest: Das von den Gegnern angestrebte Bürgerbegehren kommt.

Landauf, landab erhitzt das Thema Windkraft die Gemüter. In einigen Städten und Gemeinden teils so stark, dass es die Bürger spaltet. Genau das soll in Oberndorf nicht passieren: Bürgermeister Matthias Winter und die Bürgerinitiative wollen trotz unterschiedlicher Ansichten alles für ein gutes Miteinander tun. Das und wie es nun weitergeht, erklären sie in einem Pressegespräch.

 

Grund für die Debatte sind zwei Windräder, die im Zuge eines geplanten Windparks mit insgesamt fünf Windkraftanlagen, zwischen Beffendorf und Fluorn-Winzeln im Stadtwald „Wisoch“ errichtet werden sollen. Dies hatte der Oberndorfer Gemeinderat in mehreren Sitzungen thematisiert und im April auch beschlossen.

In der Folge gab es nicht nur eine eine Bürgerversammlung in Beffendorf, es gründete sich auch eine Bürgerinitiative. Die setzt sich für ein Bürgerbegehren ein, um das Windkraftvorhaben bei Beffendorf zu kippen. Damit dieses durchgeführt werden kann, musste die Initiative Unterschriften sammeln.

Deutlich mehr Stimmen als nötig

Von 10 999 Wahlberechtigten haben 1492 Menschen unterschrieben – davon sind 1329 Stimmen gültig. Das seien deutlich mehr als benötigt gewesen wären, zeigt Bürgermeister Matthias Winter in einem Gespräch mit unserer Redaktion auf. 770 Stimmen – das entspricht sieben Prozent der Oberndorfer Bevölkerung – hätte die Initiative mindestens gebraucht.

Das zeige, dass sich die Bürgerschaft interessiere und einbringe, so Winter. Gesetzlich müsste der Bürgerentscheid bis Ende Januar erfolgt sein, doch beide Parteien hätten sich auf den 8. März 2026, den Tag der Landtagswahlen, verständigt.

Zahlreiche interessante Diskussionen

Cordula Glatthaar und Ulrich Schneider von der Bürgerinitiative äußern sich im Pressegespräch erfreut darüber, dass die Unterschriftenanzahl in kürzester Zeit erreicht wurde. Sie hätten die Aktion deshalb sogar vorzeitig abbrechen können.

Es habe auch zahlreiche interessante Diskussionen mit den Bürgern, auch mit Befürwortern des Windkraftprojekts, gegeben. Wobei die beiden Beffendorfer davon überzeugt sind, dass sie die besseren Argumente haben.

Info-Flyer listet Argumente auf

Vom Termin für den Entscheid, dem 8. März, versprechen sich beide Parteien nicht nur einen geringeren Verwaltungsaufwand, sondern auch eine höhere Beteiligung der Bevölkerung.

Mindestens 20 Tage vor dem Gang zur Wahlurne werde ein Informationsflyer veröffentlicht. Dieser werde die Situation noch einmal zusammenfassen und das Für und Wider aufzeigen, erklärt der Bürgermeister.

Andere Meinungen müssen akzeptiert werden

Wichtig ist beiden Seiten aber, dass andere Meinungen akzeptiert werden und die Bürger respektvoll miteinander umgehen, wie sie im Pressegespräch deutlich machen. „Es gibt noch einen Tag danach, und dann sollten sich alle noch in die Augen schauen können“, gibt Winter zu bedenken. „Gutes Miteinander ist ein hohes Gut heutzutage.“ Und in Oberndorf sei dieses bisher sehr gut.

Nun sei es ein „Wettstreit der Argumente“, und am Ende entscheiden die Bürger, so Winter. „Wer bessere Argumente hat, soll gewinnen.“

Gemeinderat beschließt

Bürgerbegehren
In der Gemeinderatssitzung am Dienstag wurde formell über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens entschieden. Drei Stadträte durften nicht abstimmen. Sie hatten selbst auf einer der Listen unterschrieben und waren somit befangen. Bürgermeister Winter klärte kurz über die rechtliche Lage auf. Auch Cordula Glatthaar richtete einige Worte an den Gemeinderat. Zum Schluss stimmte der Gemeinderat einstimmig für das Bürgerbegehren, da die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.