Das Wuhr soll nach Plänen der Stadt dauerhaft vom Wiese-Wasser abgeschnitten bleiben und auf Abschnitten begrünt werden. Hier ein Abschnitt im Bereich der Himmelreichstraße. Foto: Gerald Nill

Hohe Wellen schlägt die Ankündigung der Stadt, das städtische Wuhr stillzulegen. Bürgermeister Dirk Harscher bekundet, dass ihm keine andere Wahl bleibe.

Nachdem aus der Bevölkerung verschiedene Rückmeldungen zur Zukunft des städtischen Wuhrs eingegangen sind, erläuterte die Stadt in einem Pressegespräch den aktuellen Sachstand.

 

Am Hammerwehr findet die Wasserverteilung statt. 900 Liter pro Sekunde bleiben dem Flusslauf der Wiese als Minimum. Überschüssige Mengen wurden bislang an den Gewerbekanal und an das städtische Wuhr abgegeben. Seit sechs Jahren, mit Einsetzen der trockenen und heißen Sommer, ist das Wuhr trocken gelegt. Eine künstliche Wasserader versorgt den Gewerbekanal, an den drei Wasserkraftwerke angeschlossen sind.

Fische mussten gerettet werden

„Wenn es noch mehr Wasser gäbe, könnte man aus dem städtischen Wuhr ein kleines ökologisches Paradies machen“, räumt Harscher ein. Von Mai bis Oktober gebe es aber zu wenig davon. Der Bürgermeister erinnert daran, dass Fische gerettet werden mussten und kleine Lebewesen verendeten, als das Wuhr trockenfiel. Um dies zu verhindern, wurde in Abstimmung mit der unteren Wasserbehörde beschlossen, das Wuhr vorläufig stillzulegen.

Wasser reicht nicht für drei Wasserläufe

Daraufhin beauftragte die Stadt die Erarbeitung eines Konzepts zur künftigen Nutzung des Wuhrs. Die beauftragten Büros beschäftigten sich unter anderem mit hydrologischen Fragestellungen und stellten fest, dass an durchschnittlich etwa 90 Tagen im Jahr nicht genügend Wasser in der Wiese vorhanden ist, um alle drei Wasserläufe – Wiese, Gewerbekanal und Wuhr – ausreichend zu versorgen. Durch den Klimawandel, insbesondere die veränderte Niederschlagsverteilung und die erhöhte Verdunstung, wird sich diese Situation voraussichtlich weiter verschärfen. Als noch gravierender ordnet Harscher das Ausmaß der Verdunstung ein.

Bevölkerung hängt am Wuhr

Harscher nimmt auch Stellung zu Vorschlägen aus der Bevölkerung, die sehr an einem funktionierenden Wuhr hängt, wie Reaktionen auf die aktuellen Pläne zeigen.

Ein Vorschlag von Anwohnern der Himmelreichstraße zielt darauf ab, die halbe Wassermenge aus dem Fahrnauer Kanal, der bei der Grillstelle in die Wiese mündet, durch einen Graben parallel zum Radweg ins Wuhr zu leiten. Harscher hält die im Raum stehende Wassermenge von 100 Litern pro Sekunde angesichts der 1,8 Kilometer langen Strecke und der hohen Verdunstung im Sommer aber für zu gering.

Stadt befürchtet Fischsterben

„Ein Trockenfallen des Wuhrs in Hitzeperioden ist nicht akzeptabel, da dadurch regelmäßig Fischsterben verursacht würde, was gegen das Artenschutzrecht verstoßen würde“, heißt es bei der Stadt. Und Remko Brouwer vom Tiefbauamt wertet ein Fischsterben als Straftatbestand, für das der Bürgermeister verantwortlich gemacht würde. „Ein flächendeckendes Abfischen vor dem Trockenfallen ist weder organisatorisch noch technisch umsetzbar“, heißt es eindeutig.

Keine vollständige Verfüllung geplant

Andererseits muss das weiterhin als Vorfluter für die Regenwasserkanalisation dienen. Deshalb kommt eine vollständige Verfüllung nicht infrage. Die von den Fachbüros vorgeschlagene Variante sieht nun vor, das Wuhr gezielt zu bepflanzen – mit Vegetation, die den wechselnden Bedingungen von Feuchtigkeit und Trockenheit standhält. Brouwer erläutert, dass es Pflanzenarten gibt, die mit wechselnden Bedingungen zurecht kommen. Dies seien Gräser, die sowohl im Wasser stehen als auch Trockenphasen überstehen können.

Wuhr könnte weiterhin reaktiviert werden

Gleichzeitig will die Stadt so eine Verbuschung verhindern, die mit Pflegeaufwand verbunden ist. Das Wuhr bliebe in seiner Struktur erhalten und könnte auch reaktiviert werden, falls sich es in Zukunft wieder nassere Sommer geben sollte, wie es auf Nachfrage hieß. Mittlerweile fand ein Ortstermin mit der Denkmalschutzbehörde statt. Diese begrüßt die gezielte Begrünung grundsätzlich, da sie einerseits zur Sichtbarkeit des Wuhrs im Stadtbild beiträgt und andererseits unkontrolliertes Grünwachstum hemmt.

Bauausschuss befürwortet Stilllegung

Im Bauausschuss wurde das Thema vorberaten. Die Umsetzung einer Pilotstrecke wurde aus Kostengründen nicht befürwortet. Die Stilllegung des Wuhrs hingegen wurde aufgrund fehlender Alternativen begrüßt. Die Stadt hält an ihrer Empfehlung fest, eine 200 Meter lange Teststrecke auf Höhe des Schulcampus zum Preis von 75 000 Euro ökologisch wie optisch herzurichten. Insgesamt will sie rund 500 Meter des Wuhrs in der Innenstadt durch Begrünung gestalten.