Dreieinhalb Stunden Fahrt trennen Hausach im Schwarzwald und Arbois im französischen Jura. Beide Seiten berichten, was ihnen die Städtepartnerschaft bedeutet.
Knapp 300 Kilometer Fahrt liegen zwischen Hausach und der Partnerstadt Arbois. Die Kommune im französischen Jura und die Schwarzwaldgemeinde verbindet seit 1974 offiziell eine Partnerschaft, der persönliche Austausch zwischen den Hausachern und Einwohnern von Arbois reicht jedoch noch weiter zurück.
Die Historie: Die Partnerschaft der beiden Orte geht auf Schüleraustausche zurück. Anfang der 60er-Jahre beschloss der Direktor des Robert-Gerwig-Gymnasiums, den Austausch mit Frankreich voranzutreiben. Und so wurden über die Jahre immer wieder Schüler ins Nachbarland geschickt. Einige wurden dabei in Arbois untergebracht, so die Hausacher Verwaltung auf ihrer Internetseite.
So entstand eine immer enger und persönlicher werdende Verbindung, die später durch Hausachs Bürgermeister Manfred Kienzle und seinem Amtskollegen Constant Chauvin offiziell gemacht wurde. Schon länger hatte Arbois den Wunsch nach einer Städtepartnerschaft gehabt, heißt es vom dortigen Partnerschaftskomitee (Comité de Jumelage). Vorbild sei die Juragemeinde Lons-le-Saunier gewesen, die Partnerstadt von Offenburg.
Pionier der Wissenschaft lebte in Arbois
Was Arbois ausmacht: Auch wenn die Gemeinde nur etwas mehr als 3000 Einwohner zählt, hat sie einige Bekanntheit erreicht. Die Jura-Kommune im Franche-Comté ist besonders für ihren Weinbau berühmt. Zudem steht das kleine Arbois mit einem der bedeutendsten Wissenschaftlern der Welt in Verbindung. Der Chemiker Louis Pasteur wuchs hier auf. In seinem Elternhaus, das heute ein Museum beherbergt, richtete der Pionier der medizinischen Mikrobiologie zwischenzeitlich ein Labor ein. Zahlreiche historische Bauten prägen das Stadtbild und das Jura bietet beeindruckende Landschaften.
Was die Hausacher an Arbois schätzen – und umgekehrt: „Die Gastfreundschaft, die wunderschöne Gegend im französischen Jura und die kulinarischen Genüsse“, bringt es die Hausacher Verwaltung auf den Punkt. Die Besucher aus Arbois zeigen sich besonders von der Landschaft in und um Hausach begeistert. „Die Aussicht von der Burg ist wunderschön“, berichtet Bernard Lambert vom Comité de Jumelage. Auch ein Spaziergang am Ufer der Kinzig sei sehr angenehm, egal ob zu Fuß oder mit dem Fahrrad. „Auch die Dörfer rund um Hausach sind sehr sympathisch und sehenswert“, fügt er hinzu.
Wie die Partnerschaft gelebt wird: Auf beiden Seiten wird viel Zeit und Energie in die Partnerschaft gesteckt. „Wir alle haben dort viele Freunde, die wir mehrmals im Jahr besuchen. Wir kommen zu Gedenkfeiern und offiziellen Anlässen nach Hausach. Und die Hausacher kommen ebenfalls regelmäßig nach Arbois“, erzählt Lambert. Melanie Axmann von der Hausacher Verwaltung hebt die jährliche Sternfahrt hervor: „Im jährlichen Wechsel organisierten die Partner aus Arbois oder wir Hausacher eine eintägige Sternfahrt. Dabei treffen wir uns irgendwo auf halber Strecke und verbringen den Tag mit einem interessanten Programm und geselligem Beisammensein.“ Auch kulturelle Höhepunkte der beiden Gemeinden stünden fest im Austausch-Terminkalender. So reiste eine Gruppe aus Arbois zur Fasent.
Für beide Seiten ist der Austausch ein Glücksfall, findet Lambert vom Partnerschaftskomitee Arbois. „Selbstverständlich lernen alle Beteiligten – die Geschäfte, die Verwaltungen, die Vereine unserer beiden Städte – bei praktisch jedem Treffen von ihren Partnern.“
Axmann findet: „Weder Grenzen noch Sprachbarrieren sind es, was diese Freundschaft mit Arbois seit nunmehr 52 Jahren ausmacht. Vielmehr ist es das Zwischenmenschliche, die andere Lebensweise und das immer wieder neue Kennenlernen und miteinander Erlebte, was zusammenschweißt.“ Und der Schüleraustausch, mit dem alles angefangen hat, wird natürlich weiter gepflegt.
In diesem Jahr ist wieder viel geplant: Schon in wenigen Tagen steht wieder ein Hausacher Besuch in Arbois an. „Es werden etwa dreißig von ihnen am 25. und 26. April zu einer Besichtigung von Sehenswürdigkeiten in der Umgebung von Arbois anreisen“, berichtet Lambert. „Etwas ganz Besonderes“, freut sich Axmann.
„Unsere Freunde werden sicherlich auch zu unserer „Fête Africaine“ (Afrikafest) am 27. Juni sowie zum Stadtfest von Arbois am ersten Septemberwochenende kommen“, ist sich Lambert sicher. Und Arbois plant unter anderem, dem Muttertagsmarkt am 10. Mai einen Besuch abzustatten.
„Der Besuch in Arbois zum Biou-Fest am ersten Septembersonntag ist ein weiterer Höhepunkt“, weiß Axmann. Bei der „Fête du Biou“ wird eine rund 100 Kilogramm schwere Kalbestraube aus roten und weißen Trauben durch die Stadt getragen.
Die Serie
Unsere Redaktion stellt die Städtepartnerschaften der Kinzigtalgemeinden in einer Artikelserie vor. Im Fokus stehen neben der Historie und den Besonderheiten der jeweiligen Region auch immer die Eindrücke der Menschen, die die Partnerschaft mit Leben füllen.