Manch Gemeinderat – vor allem der Freien Wähler Fraktion und auch manch Bürger sahen den Städtebaulichen Wettbewerb kritisch und stellten die Frage nach dessen Notwendigkeit. Jetzt entschied sich eine Jury für einen der Entwürfe.
Wie soll es mit Bad Dürrheims Mitte auf dem ehemaligen Salinenareal und wie mit einem Thermenhotel weitergehen? Elf Entwürfe präsentierten die verschiedenen Architektur- und Stadtplanungsbüros. Einer davon bekam den einstimmigen Zuspruch.
In der Jury des Wettbewerbs saßen unter anderem Bürgermeister Jonathan Berggötz und Stadtbaumeisterin Petra Schmidtmann, Jörg Aldinger, ein Vertreter der Best-Immobiliengruppe, die Fraktionsvorsitzenden und auch deren Stellvertreter. Es waren acht Fachpreis- und sieben Sachpreisrichter.
14 Büros waren im Rennen, elf gaben einen Entwurf ab, inklusive Pläne und Modellbau. Gerd Grohe, vom gleichnamigen Büro, das den Wettbewerb begleitete, erklärte, dass man eine große Bandbreite an Vorschlägen hatte. Juryvorsitzender Jörg Aldinger erklärt: Die Entwürfe wurden alle anonym vorgestellt, der beziehungsweise die Namen der Einreicher wurden erst nach dem Entscheid der Jury genannt. So vermied man irgendwelche Bevorzugungen.
Auf Stärken und Schwächen geprüft
Die einzelnen Entwürfe wurden auf ihre Stärken und Schwächen geprüft, und da gab es verschiedene Punkte. Der Siegerentwurf bekam laut Aldinger das einstimmige Votum der Jury. Und somit könne auch niemand spekulieren über die anderen Entwürfe.
„Wir haben keine Schwächen gesehen. Es ist ein starker Entwurf, der alle überzeugt hat“, erklärte Bürgermeister Jonathan Berggötz im Pressegespräch.
Was sieht der Entwurf vor? Der Anbau an das Rathaus I ist ersatzlos gestrichen. Büros würden in das jetzige Haus des Gastes kommen. Die Fläche hinter dem Rathaus wird zur Parkfläche. Die Luisenpassage, die nun auch in die Jahre gekommen sei, würde demnach abgerissen, die Fläche ebenfalls begrünt.
Ersatz für die Geschäfte würde auf der anderen Seite im Salinenpark errichtet in einem leicht gebogenen Gebäude, in etwa dort, wo sich der jetzige Fußweg zwischen Heimatmuseum und Huberstraße befindet. Mit diesem Bogen griffen die Planer wohl eher unbewusst den Bogen des Karlsruher Fächers auf, nach dem die ehemaligen drei Siedepfannen, das Magazin sowie die heutigen Rathäuser gebaut wurden. Der Architekt in den 1820er Jahren war Friedrich Arnold.
Thermenhotel soll entlang des Fächers liegen
Das Thermenhotel liegt mit der Nordfassade ebenfalls entlang von diesem Bogen, zwischen Haupteingang Kurpark und Huberstraße. Es ist als rechteckiges Gebäude mit drei und vier Stockwerken sowie einem Innenhof angedacht.
Großraumparkplatz soll umfunktioniert werden
Das Thermenhotel wird mit einem sogenannten Bademantelgang mit dem Gebäude Solemar verbunden, wobei man hier zwischen Hotel und dem Bereich Medizinische Trainingstherapie noch einen Bau in Ost-West-Richtung angedacht hat.
Der Großraumparkplatz wird in seiner jetzigen Form ebenfalls verschwinden. Parkfläche soll hier unterirdisch entstehen, auf der jetzigen Parkplatzfläche ein Platz, der entlang vom Haus des Gastes und Haus des Bürgers von Bäumen flankiert wird und als Veranstaltungsfläche genutzt werden könne.
Der jetzige Busbahnhof soll zusätzlich eine Gesamtüberdachung erhalten. Somit ist auch – wohl eher unbewusst von den Planern – eine ehemalige Idee Friedrich Arnolds aufgegriffen, die in einer Beschreibung von Arnold Tschira als „eine lockere, doch klar gestaltete Anlage“ beschrieben wurde, auch mit den Worten: „Allseitig umspielt Licht und Luft die Bauten.“ In diesem Entwurf ist die Architektur der ehemaligen Salinenanlage weiterhin deutlich zu erkennen. Andere Entwürfe sahen auf der westlichen Seite Gebäude vor, die diesen Blick versperrt hätten.
Eine Herausforderung
Die Nutzung des Hauses des Gastes und der Parkfläche waren somit auch eine der großen Herausforderungen für die Planer, erklärt Aldinger. Die Grünfläche würde sich somit nach diesem Entwurf vom Kapf her kommend durch den Hindenburgpark, hinter dem Rathaus I und dem Salinenpark ziehen und findet eine Fortsetzung im Kurpark. Die Luisenstraße soll in diesem Bereich auch verkehrsberuhigt bleiben.
Vier Planer erhalten Preisgeld
Die Gewinner erhalten 33 000 Euro Preisgeld, die Zweitplatzierten 22 000, gefolgt von 13 000 und einem Anerkennungspreis von 10 000. Juryvorsitzender Aldinger schätzt, dass in jedem der Entwürfe gut und gerne 200 Arbeitsstunden stecken dürften.
Realisierung wird einige Jahre dauern
Wie geht es weiter? Der Entwurf wird im Gemeinderat vorgestellt, mit den drei Platzierten werden Verhandlungen aufgenommen für eine eventuelle Umsetzung. Eine mögliche Realisierung werde sich über Jahre hinziehen, darüber zeigten sich Stadtbauamt, Juryvorsitzender und Bürgermeister einig. Berggötz betonte, dass man noch anderes „vor der Brust habe“ und nannte unter anderem den Schulverbund und die Solemar-Sanierung.
Die elf Modelle sind ab Montag, 23. September, für knapp zwei Wochen im ehemaligen Hotel Solegarten für die Bad Dürrheimer ausgestellt. Die Öffnungszeiten werden Montag bis Donnerstag von 8.30 bis 12 und 13 bis 16 Uhr sein, am Freitag von 8.30 bis 12 Uhr.