Seit Jahresbeginn ist er Stadtmusikdirektor bei der Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen. Thomas Scheiflinger sieht sich als „Vermittler der Musik“.
Der gebürtige Österreicher ist ein Macher. Thomas Scheiflinger ist nicht nur Chefdirigent mit allen musikalischen und verwaltungstechnischen Aufgaben sowie Leiter der Bläserschule in Villingen. Er tourt zusätzlich als Gastdirigent und Ausbilder durch die Lande und beendet in den nächsten Monaten in Oldenburg seinen zweiten Masterstudiengang in Bildungs- und Wissenschaftsmanagement mit dem Schwerpunkt Führung und Leitung von Kulturinstitutionen und Organisationspsychologie, den er in den vergangenen Jahren nebenberuflich absolvierte.
Wichtig ist Scheiflinger, dass neben all seinen beruflichen Engagements auch Zeit bleibt für seine Frau und die beiden Kinder. Schon seit 2019 leben die Scheiflingers in Weiler. Seiner Frau sei er sehr dankbar, dass sie „mir in den letzten Jahren immer den Rücken freigehalten hat. Ohne sie wäre ich heute nicht da, wo ich bin“.
Er entpuppt sich sogar als Villingen-Kenner: „Vor zwölf Jahren war ich hier schon auf dem Wochenmarkt“. Aus einer Interimsaufgabe bei der Stadt- und Bürgerwehrmusik vor zwei Jahren wurde mit der Nachfolge von Markus Färber eine Festanstellung. Thomas Scheiflinger setzte sich unter 15 Mitbewerbern durch.
Der 38-Jährige leitet zudem nach wie vor die Feuerwehrmusikkapelle Dagersheim und das Kreisjugendorchester Böblingen und gibt im Kreis Böblingen Klarinettenunterricht. Damit nicht genug, engagiert er sich seit neun Jahren ehrenamtlich bei der psychosozialen Notfallversorgung des Roten Kreuzes Rottweil.
Mitglied im Militärorchester
Eigentlich wollte Thomas Scheiflinger Arzt werden. Da er schon von Kindesbeinen an aber der Musik zugetan war, im Alter von elf Jahren erstmals an der Orgel einen Gottesdienst begleitete und mit 13 schon dirigierte, gewann die Musik die Oberhand, nicht zuletzt aufgrund seiner Bundeswehrzeit im Militärorchester.
In Villingen angekommen, habe er erst einmal all seinen früheren Lehrern für deren Ausbildung gedankt, erzählt Thomas Scheiflinger. Musik, das sei gemeinschaftlich erlebte Emotion, und die Arbeit mit einem Orchester funktioniere wie eine Beziehung – „mit Höhen und Tiefen“. Gerne würde er dabei stets das Positive hervorgehoben sehen und bedauert, dass heutzutage eher das Gegenteil der Fall sei.
Gleichwohl wurde sein erstes Jahr bei der Stadt- und Bürgerwehrmusik mit „vielen Eindrücken und schönen Begegnungen“ gefüllt. Die für ihn bisher unbekannte Villinger Fasnet habe er sehr genossen, sah er sich von seinen Musikern doch „wie ein Kind an die Hand genommen“, sagt er und lacht. „Ich mag Traditionen, Brauchtum und Rituale“, gibt er zu. Sein Motto laute daher: „Traditionen – Altes bewahren, aber auch Neues schaffen“.
Traditionelles in neuem Gewand
Traditionelles wie die Fasnet, ein Zapfenstreich – der militärische Ursprung der Blasmusik – im November, das erst kürzlich gehörte Jahreskonzert im Franziskaner und die musikalische Begleitung von Allerheiligen fanden statt, teilweise aber im neuen Gewand. So moderierte das Jahreskonzert ein Fastnachter mit Headset, und man zauberte mit viel Licht. Jetzt steht noch der Kuhreihen an Heiligabend an.
Thomas Scheiflinger ist dankbar für eine „dynamisch-junge Vorstandschaft“, die seine Ideen mitträgt und lobt ausdrücklich auch die Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt. Angetroffen habe er zudem rund 70 motivierte Musiker und Musikerinnen, die ihn, den „ungeduldigen Perfektionisten“, zu neuen Ideen animieren.
Ausbau von Bläserklassen
Auf seinem Fünf-Jahres-Plan stehen neben den Heimattagen 2027 ein Picknickkonzert auf dem Hubenloch, ein Kirchenkonzert, ein Konzert mit Blasorchester und Chor sowie der Ausbau von Bläserklassen an Grundschulen. Was im September an der Südstadtschule begann, soll Kreise ziehen, denn frühzeitiges Musizieren ist für Scheiflinger ein Muss.
Wer das für ihn passende Blasinstrument gefunden habe, könne sehr schnell in ein Orchester eingebunden werden. Blasmusik sei daher sehr sozial, findet er, und zudem das einzige Hobby, das ein Kind zusammen mit einem hochbetagten Senior betreiben könne.