Wolfgang Ehni und Dietrich Schöller-Manno spielten zum Abschluss der diesjährigen Reihe „Orgel plus“ in der Stadtkirche gemeinsam.
Sie sind zwei prägende Persönlichkeiten im Musikleben von Balingen: Kirchenmusikdirektor Wolfgang Ehni auf dem Gebiet der Kirchenmusik und Dietrich Schöller-Manno samt Familie mit Sinfoniekonzerten, Kammermusik und sogar mit der Eigenproduktion anspruchsvoller Opern. Und sie können es miteinander. Sie haben Spaß daran, auch gemeinsam zu musizieren. Zu konzertieren statt zu konkurrieren.
Eindrücklich bewiesen wurde dies am Sonntag zum Abschluss der diesjährigen Reihe „Orgel plus“ in der Stadtkirche, wo zu den insgesamt fünf Konzerten zusammen etwa 1500 Besucher gekommen sind. Dietrich Schöller-Manno auf der Violine, seiner Frau Iris Manno mit der Querflöte und Wolfgang Ehni auf der Orgel gelang ein beglückendes, erfrischendes Zusammenspiel voller Lebensfreude.
Werke zweier Zeitgenossen gespielt
Dazu wählten sie Werke zweier Barockkomponisten, die auch Zeitgenossen waren: Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach. Auch diese beiden kannten sich und trafen sich mehrmals. Sie waren befreundet und respektierten einander als Musiker. Telemann war sogar der Pate von Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel.
Bei der Triosonate A-Moll für Violine und Flöte von Telemann übernahm die Orgel den Part des Basso continuo. Alle drei Sätze waren gekennzeichnet durch einen Dialog von Flöte und Violine, ein melodisches Frage- und Antwortspiel. Nach einem gemächlich schreitenden Largo folgte ein hell sprudelndes Vivace und danach ein klagendes Affettuoso. Den Abschluss bildete ein quicklebendiges Allegro.
Eindruck von Mehrstimmigkeit
In der Mitte des Konzerts spielte Wolfgang Ehni Bachs Fantasie G-Dur BWV 572, ein Paradestück, das man in gekürzter Form auch auf Hochzeiten hören kann. Der schnelle einstimmige Eingangsteil mit gebrochenen Akkorden vermittelte den Eindruck von Mehrstimmigkeit und mündete in einen kräftigen, tiefen Posaunenton, welcher ein langes, fünfstimmiges Grave eröffnete. Über den melodiegebenden Bass türmten sich kühne Harmonien auf mit vollem Orgelklang, in dem am lange baden konnte.
Ein schneller filigraner Schlussteil war das Spiegelbild zum Anfang.
Höhepunkt bildete das Konzert D-Moll
Den Höhepunkt bildete das Konzert D-Moll von Bach BWV 1060 für Oboe, Violine und Streicher, bei welchem die Flöte den Part der Oboe und die Orgel den Part der Streicher übernommen hat. Das tänzerische Allegro erinnerte an manch Brandenburgisches Konzert. Das Adagio atmete Ruhe. Den Orgelbass, welcher den Rhythmus vorgab, umspielten warme Töne der Flöte und der Geige. Ein virtuoses und festliches Allegro rundete das Barockprogramm der drei Musizierenden prächtig ab.
Für das fröhliche und entspannte Zusammenspiel bedankte sich das begeisterte Publikum mit stehendem Beifall. Bei der Zugabe wurde die Welt des Barock verlassen: ein sehnsuchtsvoller Walzer von Dmitri Sostakowitsch holte die Zuhörerinnen und Zuhörer auf beschwingte Weise zurück in die Gegenwart.