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St. Georgen Corona-Krise: Grässlin stellt Insolvenzantrag

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Für das Traditionsunternehmen sind mit der aktuellen Weltwirtschaftskrise harte Zeiten angebrochen. Foto: Stiegler

St. Georgen - Die Hiobsbotschaften in der St. Georgener Wirtschaft reißen nicht ab: Mit der Firma Grässlin ist ein weiteres Unternehmen deutlich in die Schieflage geraten. Die Corona-Krise wurde zur Firmenkrise, in einer 64-jährigen Unternehmensgeschichte.

Erst "Grund zu Feiern", dann Insolvenzantrag

Unterschiedlicher könnten die Verlautbarungen über das Unternehmen nicht sein. Auf seiner Facebook-Seite im Internet veröffentlichte die Grässlin GmbH noch am Mittwoch um die Mittagszeit ein Posting unter dem Motto "Grund zu Feiern" - es informierte damit über die Auszeichnung mit dem Siegel "Innovativ durch Forschung", das Grässlin als "Unternehmen mit besonderem Innovationspotenzial und Fokus auf die Zukunft" vom Stifterverband verliehen werde. Etwa sechs Stunden später erreicht dann eine weitere Mitteilung über Grässlin die Öffentlichkeit: "Die Grässlin GmbH stellt Insolvenzantrag." Die zweite Grässlin-Nachricht des Tages erschüttert - wenngleich die nun zuständige Kanzlei Schultze & Braun in Achern betont, dass der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt aufrechterhalten werde.

Schritt ans Amtsgericht sei "unausweichlich"

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter des Unternehmens wurde dort der Rechtsanwalt Stefano Buck bestellt. Seine Aufgabe wird es nun sein, alle Hebel in Bewegung zu setzen und Möglichkeiten zu prüfen, um das Unternehmen zu retten. Das Auskommen der 50 Mitarbeiter, teilt Pressesprecher Ingo Schorlemmer mit, sei durch Insolvenzgeld gesichert.

Für das Traditionsunternehmen, das sich auf die mechanische Zeitschalttechnik spezialisiert hat und das im Jahre 1956 von Dieter Grässlin gegründet worden ist, sind mit der aktuellen Weltwirtschaftskrise harte Zeiten angebrochen. "Die weltweite Corona-Pandemie hat zu erheblichen Umsatzrückgängen geführt", erläutert Schorlemmer.

Der Gang zum Amtsgericht in Villingen-Schwenningen, um dort einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen, war die Folge. Der geschrumpfte Umsatz mache "diesen Schritt für die Geschäftsführung unausweichlich", heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

2019 sah man sich trotz der 20 Entlassungen gut aufgestellt

Der vorläufige Insolvenzverwalter Stefano Buck betont gleichzeitig, dass der Geschäftsbetrieb der Grässlin GmbH uneingeschränkt fortgeführt werde. Auch um ihr Einkommen müssten sich die 50 Mitarbeiter zunächst keine Sorgen machen - die Löhne und Gehälter seien für die kommenden drei Monate durch die Bundesagentur für Arbeit gesichert.

Diese drei Monate werden gleichzeitig richtungsweisend für das Unternehmen aus St. Georgen sein. Währenddessen nämlich ist es Bucks Auftrag zu prüfen, wie die Fortführung des Geschäftsbetriebs am Standort in St. Georgen gewährleistet und die Arbeitsplätze erhalten werden können.

Auch Intermatic GmbH stellt Insolvenzantrag

Wie schnell sich Firmen entwickeln und wachsen können, dafür ist Grässlin selbst eigentlich das beste Beispiel. Die Firma entwickelte sich schon kurz nach ihrer Gründung 1956 rasant. Stetig mussten zusätzlich neue Fertigungsstätten in Betrieb genommen werden, um der Nachfrage gerecht werden zu können. Nur zehn Jahre nach der Gründung wurden in St. Georgen bereits zwölf Grässlin-Standorte gezählt. Erst 1971 erfolgte in dem Fabrikgebäude an der Bundesstraße die Zentralisierung der Standorte in St. Georgen. Endmontage, Packerei und Versand fanden ab 1988 in Peterzell Platz - man hatte dort ein Fabrikgebäude gekauft.

Auch international wuchs Grässlin. Ein Einschnitt war der Verkauf des Unternehmens an den Konzern General Electric im Jahr 2000, ein weiterer erfolgte 2007 mit dem Übergang an den US-Konzern Intermatic Inc. 2017 musste man den Verlust von vielen Arbeitsplätzen vor Ort verkraften. Eine Verlagerung nach Mexiko stand an. Von den 147 Beschäftigten verloren etwa 60 in St. Georgen und Peterzell ihre Stellen, das Werk Peterzell musste verkauft werden.

Seit 2007 ist Grässlin Teil von Intermatic, einem Hersteller von Energie-Steuerungssystemen mit Hauptsitz in den USA, der an sechs Standorten weltweit rund 750 Mitarbeiter beschäftigt. Auch für die Intermatic GmbH in St. Georgen wurde laut Insolvenzbekanntmachung des Amtsgerichts Insolvenzantrag gestellt - zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde hier Dirk Pehl von derselben Kanzlei bestellt.

Die Geschäftsführung der Grässlin GmbH betonte zwar noch Ende Januar 2019, man sehe sich für die Zukunft gut aufgestellt - jedoch sprach man damals auch von weiteren Umstrukturierungen, die die Entlassung von 20 Mitarbeitern mit sich brachten. Und dann kam die Corona-Krise.

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