Tankstellen dürfen ab jetzt Preise nur noch einmal täglich erhöhen – und zwar um 12 Uhr. So lief die erste Erhöhung in Albstadt, Balingen und Haigerloch ab.
Der Krieg im Iran und die Sperrung der Straße von Hormus halten die Weltwirtschaft weiter auf Trab. Spürbar ist das auch an den Zapfsäulen der Bundesrepublik – und in der politischen Debatte. Von Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne bis hin zum Wiederaufleben des Tankrabatts zu Zeiten des Ukraine-Krieges 2022 wird vieles diskutiert.
Auf den 1. April im Eiltempo durchgesetzt: Tankstellen dürfen nur noch einmal am Tag – und zwar um 12 Uhr – ihre Preise erhöhen. Das Vorbild aus nächster Nachbarschaft: Österreich. Hier gilt diese Regel bereits seit Januar 2011.
Jetzt gilt diese auch in Deutschland, also auch im Zollernalbkreis. Wie wirkt sich die neue Vorschrift also hier auf die Spritpreise aus? Ein Blick auf vier Tankstellen der Region.
Keine Schlangen in Albstadt
Um kurz vor 12 Uhr ist es an der Aral-Tankstelle in Albstadt-Ebingen recht ruhig. Keine langen Schlangen, keine Rudelbildung mit Kanistern oder Ähnliches ist zu beobachten.
Der Spritpreis liegt um kurz vor Mittag bei 2,32 je Liter Diesel und bei 2,16 für E5-Benzin. Drinnen werkeln Handwerker an der Eingangstüre, die Frau hinter der Theke will nicht sagen, ob am Vormittag mehr Kundenverkehr zu verzeichnen war als vor Inkrafttreten der Regel – eine Auskunft sei „nicht erlaubt“, heißt es knapp.
Was will man machen ohne Sprit?
Dann wieder raus. Ein Autofahrer tankt kurz vor knapp um 11.57 Uhr. Bewusst sei das nicht wirklich, gibt er an: „Ich tanke, weil ich eben muss“, sagt er. Täglich fahre er gut 120 Kilometer zur Arbeit hin und zurück, erzählt er, während die Zahlen auf der Zapfsäule immer weiter klettern. Am Ende muss er für 43 Liter Sprit mehr als 90 Euro berappen. Happig! Er komme aus Rumänien, sagt er – dort würde der Liter 2,15 Euro kosten. Allerdings auf der Autobahn wohlgemerkt.
In Ungarn sei das Benzin vor ein paar Tagen noch günstiger gewesen, 1,58 Euro habe er dort bezahlt. Dort, findet er, würde der Staat immerhin wirksame Maßnahmen beschließen. Es ist herauszuhören, wirklich an eine Preissenkung glaubt der Mann durch die neue Regel nicht.
Der Blick nach Balingen
Wirklich signifikant teurer wird es dann um Punkt 12 Uhr aber auch nicht: Sechs Cent gehen die Preise nach oben auf 2,22 Euro beim Benzin und 2,38 Euro beim Diesel. Ab jetzt darf der Preis über den Tag verteilt nur noch sinken, sonst drohen Bußgelder bis zu 100.000 Euro für die Tankstellen.
In Balingen ist an zwei Tankstellen um die Mittagszeit nichts los. Ein Autofahrer wendet sogar, als er kurz nach 12 Uhr an die Zapfsäule fährt. Kein Wunder, kostet Super E5 hier doch knapp 2,22 Euro und Diesel rund 2,37 Euro.
Wenige Kilometer weiter klettert der Preis Punkt 12 Uhr nicht, dafür aber schon am Morgen. Diesel gibt es auch hier für rund 2,37 Euro, E5 für 2,20 Euro.
Auf und Ab der Preise in Stetten
An der Esso-Tankstelle an der B 463 zwischen Owingen und Stetten bei Haigerloch wurde die große Säule mit den digital angezeigten Spritpreisen etwa fünf Minuten vor zwölf Uhr mittags umgestellt. Die Preise gingen dabei deutlich nach oben. Ein Lastwagenfahrer, der in Stetten eine Kaffeepause einlegte, berichtete unserer Zeitung, dass er hier noch am Morgen Diesel für 2,29 Euro den Liter getankt hatte, nun waren es 2,39 Euro, also zehn Cent mehr. Eine ähnliche Entwicklung gab es beim Superkraftstoff. Hier lag der Literpreis morgens noch bei 2,15 Euro und zur Mittagszeit dann bei 2,26 Euro - eine Steigerung von elf Cent.
Knapp eine halbe Stunde nach diesem kräftigen Anstieg sah die Welt an der Zapfsäule allerdings schon wieder etwas anders aus. Nun kostet der Liter Diesel an der Esso-Tankstelle drei Cent weniger, nämlich 2,36 Euro. Der Liter Superkraftstoff sank wieder auf 2,15 Euro. Also den Morgenpreis.
Die zentrale Frage: Was bringt die neue Regel?
Doch bei allem Preiswirrwarr bleibt eine Frage: Was bringt diese neue Regel wirklich? Nicht viel, wenn man einer Untersuchung der Universität Lichtenstein aus dem Jahr 2020 glaubt. Finanzprofessor Martin Angerer untersuchte in seiner Studie „Regulation of Retail Gasoline Prices“ verschiedene regulatorische Eingriffe von fixiertem Tagespreis bis zum jetzt auch in Deutschland eingeführten Modell, dass nur um 12 Uhr erhöht werden darf.
„Dürfen Tankstellen ihre Preise nur einmal täglich erhöhen, aber beliebig oft senken, starten die Betreiber morgens mit extrem hohen Preisen“, heißt es von der Universität in Vaduz dieser Tage in einer aktuellen Pressemeldung zur Debatte, in der nochmals auf die Studie verwiesen wird. Der Preis würde so sogar noch schwanken als in einem freien Markt. Das Ergebnis aus der 2020er-Studie lautet: Insgesamt steigen die Preise, und die Gewinne der Tankstellen wachsen – auf Kosten der Autofahrer.
Info
Laut ADAC
sind viele verschiedene Komponenten ein Teil des Spritpreises an der Zapfsäule. Neben den eigentlichen Herstellungskosten auch verschiedene Steuern und Abgaben. Neben Mehrwert- und Energiesteuer (ehemals als Mineralölsteuer bekannt) kommt auch noch die C02-Abgabe dazu.
Bei einem Preis
von 1,94 Euro pro Liter E10 entfallen 81,9 Cent auf Herstellungskosten und Gewinne, 65,4 Cent beträgt die Energiesteuer, 31 Cent die Mehrwertsteuer und nochmals 15,7 Cent auf die CO2-Abgabe. Macht unterm Strich einen Steueranteil von gut 1,12 Euro.
„Ende März 2026
betrug der Steuer- und Abgabenanteil bei den Spritpreisen im Schnitt rund 51 Prozent bei E 10-Benzin und rund 44 Prozent bei Diesel“, schreibt der Automobilclub.