Auch auf dieser Fläche soll der „Solarpark Sickingen“ entstehen. Im Hintergrund ist die Gemeinde Bodelshausen, links die Firma Zahnrad Ott zu sehen. Foto: Roth

Die erste Hürde zum „Solarpark Sickingen“ ist genommen. Der Ortschaftsrat Sickingen hat den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan einstimmig durchgewunken. Unsere Redaktion kennt die Hintergründe.

Wer mit dem Fahrrad zwischen Hechingen und Mössingen verkehrt, kennt den Standort für den geplanten „Solarpark Sickingen“ wohl bestens. Denn: Die Stadtwerke Tübingen beabsichtigen an der Gemeindegrenze zu Bodelshausen, auf Höhe der Fahrradbrücke über die B27 im Bereich Butzenwasen, eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage zu bauen. Am Montagabend hat sich der Ortschaftsrat Sickingen mit dem Thema befasst:

 

In welchem Stadium befindet sich das Vorhaben?

Noch steht das Projekt am Anfang. Der Ortschaftsrat Sickingen hat in seiner jüngsten Sitzung über den Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplans beraten. Dieser sei eine Voraussetzung für den Bebauungsplan, erklärte Marcus Kempka, Bereichsleiter im städtischen Bauamt, den Ortschaftsräten. Dem Aufstellungsbeschluss hat der Ortschaftsrat Sickingen einstimmig zugestimmt. An diesem Mittwoch, 9. April, berät zudem der Bauausschuss der Stadt Hechingen über den Aufstellungsbeschluss, ehe der Gemeinderat am Dienstag, 28. April, final darüber abstimmt. In einem weiteren Schritt müsse der Bebauungsplan fertiggestellt werden, ehe über die Baugenehmigung entschieden werden muss. Die Umsetzung des Solarparks sei „frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2026 möglich“, kalkuliert Kempka.

Was planen die Stadtwerke Tübingen genau?

Auf insgesamt 9,3 Hektar soll eine Freiflächen-PV-Anlage entstehen, die potenziell einen jährlichen Ertrag von 8,2 Megawatt Strom liefert. Die vorgesehene Fläche befindet sich sowohl auf Gemarkung Hechingen als auch auf Gemarkung Bodelshausen, wobei mit 7,8 Hektar der Großteil auf die Gemarkung der Zollernstadt fällt. Daher muss die Gemeinde Bodelshausen für ihren Teil ebenfalls einen Bebauungsplan aufstellen. Das Areal wird westlich von der Bahnlinie sowie Büschen und Gehölzen und östlich von der B 27 begrenzt. Der überwiegende Teil der Flächen befindet sich im Eigentum der Gemeinde Bodelshausen, der Rest in privater Hand. Der Stadt Hechingen gehören keine eigenen Flächen in besagtem Gebiet. Eingespeist werden soll der Strom in Bodelshausen. Pro Hektar Fläche könnten etwa 250 Vier-Personen-Haushalte mit Strom versorgt werden.

Warum bauen dort die Stadtwerke Tübingen?

Diese Frage stellte ein Bürger bei der Ortschaftsratssitzung an Marcus Kempka. Das liege hauptsächlich an den Grundstückseigentümern, so der Bereichsleiter im Bauamt. Die Maßnahme sei von der Gemeinde Bodelshausen initiiert worden, mit den privaten Grundstückseigentümern müssen sich die Stadtwerke Tübingen einigen. Da habe die Stadt Hechingen nichts mitzureden. „Wir müssen auch nichts bezahlen“, informierte Kempka weiter.

Die Karte zeigt den Standort des geplanten Solarparks (rote Fläche: Gemarkung Sickingen, violette Fläche: Gemarkung Bodelshausen).

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden?

Eine zentrale Anforderung stellt der Regionalverband Neckaralb. Dieser hat in seinem Teilregionalplan „Solarenergie“ die diskutierte Fläche in der Nähe des Bodelshäuser Bahnhofs als Vorranggebiet für Freiflächen-Photovoltaik ausgewiesen. Dazu erfüllt das Vorhaben auch den Solar-Kriterienkatalog der Stadt Hechingen, den der Gemeinderat verabschiedet hat. Darin wird unter anderem gefordert, dass der erzeugte Strom in der Region bleibe und das Landschaftsbild durch die Freiflächen-PV kaum bis gar nicht beeinträchtigt wird. Zu letzterem Punkt sagen die Stadtwerke Tübingen: „Aus unserer Sicht keine Beeinträchtigung. Abschirmung durch die B 27 und Hecken.“

Ist auch eine Bürgerbeteiligung denkbar?

Auch dieses Kriterium ist Teil des Prüfkatalogs der Stadt Hechingen. Und auch diese Frage bejahen die Stadtwerke Tübingen. Eine direkte Beteiligung an der Betreibergesellschaft über eine Energiegenossenschaft wird in Aussicht gestellt. So könnten auch die Stadtwerke Hechingen eingebunden werden. Bürgerinfoveranstaltungen sollen folgen.

Haben die Stadtwerke Tübingen Erfahrung?

Ja. Die Solarparks „Lustnauer Ohren“ und „Tübinger Traufwiesen“ haben die Stadtwerke Tübingen fertiggestellt, weitere sind in Planung. Auch in Windkraft investieren die Stadtwerke Tübingen.