Der Skiclub Fahrnau muss sich in Zeiten des Klimawandels neu erfinden. Mit weiteren sportlichen Angeboten im Sommer wandelt sich der SC zum „Ganzjahres-Skiclub“.
Auch wenn die Witterung aktuell das Gefühl vermittelt, als ob der Winter länger als ein halbes Jahr dauert, ist unbestritten: die Saison für Skiläufer wird definitiv immer kürzer. Im unvorhersehbaren Wechsel können Warm-Fronten auch Mitte Januar das weiße Brettl-Vergnügen zerstören. Das ist ein Problem für einen Skiclub, der auch in den kommenden Jahrzehnten überleben möchte. Der SC Fahrnau setzt dabei verstärkt auf ein attraktives Ganzjahres-Programm.
Aus dem Turnverein hervorgegangen
Vor 65 Jahren ist der Club aus dem Turnverein herausgewachsen, blickt der zweite Vorsitzende Arnd Schwietale zurück. Jeder sportliche Schwarzwälder stieg damals noch auf die Bretter und hatte vier Monate lang ein garantiertes Vergnügen- und zwar direkt vor der Haustür. Und bezahlbar war der Spaß allemal. Zehn D-Mark kostete die Halbtageskarte in Gersbach oder Fröhnd. „Jetzt stecken wir in der Bredouille“, resümiert Schwietale. Der Vereinsvorsitzende Klaus Störk führt gleich mehrere Gründe an, warum ein Skiclub im Gegenwind fährt. „Skifahren ist teuer geworden“, sagt er. Das fängt bei der Ausrüstung an und setzt sich bei den Liftpreisen und Übernachtungskosten fort. Die Feldbergbahnen stehen den Ticketpreisen eines Schweizer Skigebietes inzwischen in nichts mehr nach. „Und die aktuelle Konjunktur spielt uns auch nicht gerade in die Karten“, sagt Störk.
Da meldet sich Skischulleiterin Lina Schwietale zu Wort und verweist auf die Anstrengungen, die der Skiclub im Winter leistet, um den Verein weiterhin attraktiv zu halten. Ein rundes Dutzend Kursangebote für Wintersportler hat der SC aufgeboten, um dem Nachwuchs auf die Bretter zu verhelfen: Abfahrt, Langlauf oder Snowboard. Kassierer Ralf Kummle springt bei: „Wir wollen das familienfreundlich gestalten und nicht nur gut Betuchten etwas bieten. Unsere Schwarzwald-Skikurse sind extrem günstig“, sagt er und vergleicht, dass ein viertägiger Kurs im Verein weniger koste als ein Tag in einer kommerziellen Skischule. Über 70 Teilnehmer zählte der Anfängerkurs, wobei der jüngste Teilnehmer gerade mal drei Jahre alt gewesen sei. Durch Skibörsen und Jugendfreizeiten zum Beispiel nach Adelboden, wo Kinder bis 15 Jahre gratis auf den Berg befördert werden, schaffe der SC weitere preiswerte Einstiegsangebote in den weißen Sport. Die Mitgliederbeiträge sind seit Jahren nicht angepasst worden und extrem geldbörsenfreundlich: 18 Euro zahlen Jugendliche, 30 Euro die Erwachsenen - im Jahr. Die ganze Familie ist mit 60 Euro am Start. Dennoch sitze der Club auf einem „absteigenden Ast“. Ralf Kummle: „Die Saison im Schwarzwald wird immer kürzer und volatiler.“
Breit aufstellen und ganzährig etwas bieten
Der Vorstand hat erkannt: „Wir müssen uns breiter aufstellen und ganzjährig etwas bieten.“ Und so werden seit einiger Zeit auch Tanzkurse und Seniorenwanderungen ermöglicht. Im Sommer bietet der SC am Hochrhein Stand-Up-Paddeling an und trifft sich zum Nordic Walking.
Vor zwei Jahren hat sich außerdem eine Rennrad-Abteilung im Skiclub gebildet. Solche Angebote hängen immer direkt mit Initiativen einzelner Mitglieder zusammen, die etwas anpacken wollen. „Dann wird’s zum Selbstläufer“, sagt der Verein.
Die Mountainbik-Truppe ist der Renner
Ein Renner im Club ist die Mountainbike-Truppe mit einer eigenen Frauen-Riege, drei Seniorengruppen und - ganz neu - einem „wilden“ MTB-Angebot für Jugendliche. Dann stellt Arnd Schwietale fest: „Wenn man Skiclub heißt, vermutet man nicht die breiten Angebote. Deshalb nennen wir uns jetzt ’Ganzjahres-Skiclub’“. Schwietale weiter: „Der Begriff macht doch neugierig, oder.“ Die Mitglieder sollen weiterhin vorrangig Spaß im Verein haben, so ist es auch in der Satzung festgelegt, erinnert Kummle. „Wenn die Mitglieder schwinden, müssten wir uns Sorgen machen.“ Nach einer 20prozentigen Delle beim Mitgliederbestand läuft der ganzjährige Skiclub seit einigen Jahren dank der Neuausrichtung konstant.
Der Club trommelt dabei auf allen Kanälen: neben einer guten Pressearbeit, monatlichen Newslettern sowie Instagram und eigener Homepage setzen die Fahrnauer auch auf die bewährte Mund-zu-Mund-Propaganda. „Die Zukunft sind die Jungen“, betont Kassierer Kummle. Er blickt wie der gesamte Vorstand nach vorne. Das Skifahren soll dabei weiterhin eine tragende Rolle spielen. Paradoxerweise zeigen sich die besten Wintersport-Bedingungen derzeit ganz kurz und ganz kurz nach der eigentlichen Skisaison im Hochschwarzwald. SC-Skischulleiterin Lina Schwietale kündigt deshalb schon mal für die kommende Saison an, dass die Skikurse - witterungsbedingt - noch kurzfristiger angesetzt werden sollen. So launisch wie Frau Holle ist, so flexibel will der SC reagieren.