In Rottweil bewahren Archäologen historische Schätze, bevor sie verloren gehen – auch auf privaten Baustellen. Wir fragen nach, ob das für Bauherren zu Problemen führen kann.
Sie haben die Anmutung von Abenteuer und Goldgräberstimmung, die Holzhütten und Container der Außenstelle des Landesamtes für Denkmalpflege in Rottweil. In den braunen Häusern mit den roten Fensterläden in der Alemannenstraße 28 in Rottweil-Altstadt, in denen heute ein Zwischenlager von Funden und die Büros von Christoph Wulfmeier und seinem Team, Ana Hafner und Ingrid Stern, untergebracht sind, haben früher auch Archäologiestudenten gewohnt, die an Grabungen beteiligt waren.
„Doch das ist lange her“, sagt Christoph Wulfmeier, Leiter der Außenstelle, der durch die Räume führt. Große Forschungsgrabungen des Landesamtes gebe es heute in Rottweil nicht mehr, lediglich Rettungsgrabungen, und die würden überwiegend mit externen Grabungsfirmen durchgeführt.
Fundergebnisse festhalten und markieren
Die Außenstelle liegt genau im „Epizentrum der Archäologie in Rottweil“, wie Wulfmeier betont. Denn in der Altstadt habe es bislang die meisten und umfänglichsten Grabungsmaßnahmen gegeben. Dazu zählen auch die Untersuchungen der 1970er-Jahre auf Hochmauren durch den im Sommer im Alter von 80 Jahren verstorbenen Dieter Planck, Professor und langjähriger Präsident des Denkmalamtes, der einige noch auch als Ausgräber des Legionsbades kennen.
Neben dem laufenden Tagesgeschäft geht es heute auch darum, die Ergebnisse der Altgrabungen zusammenzufassen und für die weitere Forschung, aber auch für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. So wird im digitalen archäologischen Stadtplan markiert, was ergraben wurde, es werden Aufsätze geschrieben und Fundschauberichte verfasst.
Steht eine größere Baumaßnahme an, dann werde geschaut, ob ein Bodendenkmal betroffen sein könnte. Wenn ja, rücken zunächst die Archäologen zu einer sogenannten „Rettungsgrabung“ an, wie an der Baustelle der Hängebrücke im Bockshof. Auch bei so einer Grabung wird das Denkmal letztlich zerstört, aber eben unter Beobachtung von Fachleuten, die versuchen durch verschiedene Dokumentationstechniken den Denkmalwert für kommende Generationen in Form einer digitalen Akte zu erhalten, also zu retten.
Daneben gilt es im Zuge der Arbeiten alle Fundstücke zu bergen, die sonst für immer verloren wären. Diese werden untersucht, dokumentiert und inventarisiert. Im Anschluss an die Grabung lässt sich dann auf archäologiefreiem Grund ohne Unterbrechung bauen.
Grabung vor der Haustür?
Gerade private Häuslebauer haben oft Angst vor Grabungen, befürchten ewige Baustopps oder hohe Kosten. Wie sieht es damit aus? Christoph Wulfmeier winkt ab. „Nein. Wenn bei nicht gewinnorientierten Baumaßnahmen etwas gefunden wird und man uns gleich anruft, dann sind wir meist nach einem oder zwei Tagen fertig, und die Arbeiten können weitergehen. Meistens arbeiten wir sogar baubegleitend“, sagt er. Derlei Rettungsgrabungen seien für den Bauherrn kostenneutral. Und zudem ist es ja durchaus spannend, wenn im eigenen Garten Archäologie gefunden wird.
Aber auch bei größeren Bauvorhaben mit Bauträgern könnten in den Gesprächen mit den Archäologen gute Lösungen gefunden werden, beispielsweise die Versetzung einer Tiefgarage, oder anderes. „Das ist uns in Rottweil schon vielfach gelungen“, und so bittet Wulfmeier, sich bei geplanten Projekten möglichst früh bei der Außenstelle zu melden.
„Es geht nämlich gar nicht darum alles auszugraben, sondern die Zeugnisse der Geschichte zu schützen“, sagt der Archäologe. Und auch wenn ein Haus draufstehe, sei dies eine konservatorische Überdeckung und damit ein Schutz.
„Wenn uns jemand anruft, weil er etwas gefunden hat, dann sind wir zehn Minuten später da“, verspricht Wulfmeier. So „ganz nebenbei“ begleiten er und sein Team auch die Ausgrabung im Freilichtmuseum Hechingen-Stein, und „unser diesjähriges Leuchtturmprojekt“, die Lehrgrabung der Universität Freiburg in Waldmössingen, die in Kooperation mit der Außenstelle durchgeführt wird, wurde am 11. September abgeschlossen.