Mitarbeiter von BBS konfrontieren den Betriebsratschef Martin Brohammer (links) und zeigen symbolisch eine BBS-Jacke. Foto: Niklas Ortmann

Rund 40 Mitarbeiter von BBS versammelten sich am Dienstagmorgen vor dem Werk in Schiltach. Weil sie nach wie vor auf zwei Lohnauszahlungen warten, wollten sie endlich Antworten haben. Die bekamen sie auch bei der Kundgebung nicht. Nun hängt alles von einer Frist ab.

Es steht in gewisser Weise sinnbildlich für den Zustand von BBS, dass es ausgerechnet der Betriebsratsvorsitzende Martin Brohammer war, der vor den Beschäftigten Rechenschaft ablegte. Eigentlich wollten sie Antworten darauf haben, warum keine Löhne gezahlt wurden, warum Fristen nicht eingehalten und Versprechen gebrochen wurden, ja, im Prinzip wollten sie alle Versäumnisse der vergangenen Jahre aufarbeiten. Aber in erster Linie ging es den Mitarbeitern aus den Werken in Schiltach und Herbolzheim, die sich am Dienstag vor dem Hauptsitz der BBS Autotechnik versammelt hatten, um die fehlenden Lohnauszahlungen für die Monate Mai und Juni, die Existenzen bedrohen, so der Tenor.

 

Doch schnell wurde klar, dass es auch an diesem Morgen keine Antworten auf die drängenden Fragen der Belegschaft geben würde. Einmal mehr zeigte sich, dass es in diesen Tagen kaum noch jemanden gibt, der sich für die Firma verantwortlich fühlt – außer den Mitarbeitern selbst. Betriebsratschef Brohammer sei der Einzige, der heute Rede und Antwort stehen könne, ließ ein Mitarbeiter schon zu Beginn der Kundgebung verlauten. Etwa 15 Minuten dauerte es, bis dann auch der ehemalige Geschäftsführer Jürgen Klingelmeyer dazugeholt wurde, der mittlerweile als General Manager bei BBS agiert. Er zeigte sich überrascht von der Versammlung, die ein Mitarbeiter kurzfristig beim Landratsamt angemeldet hatte. Drei Beamte der Polizei waren vor Ort, mussten jedoch zu keiner Zeit eingreifen.

Auch Klingelmeyer ist ratlos

Was mit dem Versprechen vom 27. Juni sei, wollten die Beschäftigten von Klingelmeyer wissen. Informationen unserer Redaktion zufolge hatte es eine Zusage an die Mitarbeiter gegeben, dass die Auszahlung der Löhne und Gehälter für den Monat Mai bis spätestens 27. Juni erfolgen soll – was nicht passierte. „Genau wie Ihr kriege ich auch kein Gehalt“, antwortete Klingelmeyer. Auch sein viertägiger Aufenthalt in der Türkei habe keine neuen Informationen hervorgebracht. „Ich weiß genauso viel wie Ihr. Jeder von uns hat das gleiche Problem. Wenn ich etwas wüsste, würde ich es euch sagen.“

Der ehemalige Geschäftsführer Jürgen Klingelmeyer versuchte sich zunächst vor den Mitarbeitern zu rechtfertigen, brach die Diskussion dann aber ab. Foto: Niklas Ortmann

Doch einige Beschäftigte wollten sich damit nicht zufrieden geben. Es sei ein Unterschied, wenn ein Ex-Geschäftsführer kein Geld mehr erhalte, hieß es. Klingelmeyer unterstrich noch einmal, dass er alles dafür tue, um etwas für die Belegschaft zu erreichen. „Wenn Sie es selber machen wollen, trete ich gerne zurück“, sagte Klingelmeyer, der die Diskussion schließlich nach wenigen Minuten abbrach, nachdem er erneut mit Vorwürfen konfrontiert worden war.

Und so war es Martin Brohammer, der mit den Mitarbeitern zurückblieb und sich mehr als eine Stunde lang der emotional aufgeladenen Diskussion stellte, die vor allem von Rechtfertigungen und Ratlosigkeit geprägt war. „Welchen Plan verfolgt diese Geschäftsleitung?“, wollte ein Mitarbeiter wissen. „Wir wissen es auch nicht“, antwortete Brohammer. Auch er habe keinen Zugang zu den Investoren aus der Türkei von der ISH Management Services GmbH, die den Felgenhersteller im Dezember vergangenen Jahres übernommen hat.

Insolvenz wäre der Worst Case

Klar ist: Eine erneute Insolvenz – es wäre die fünfte in der Firmengeschichte – soll verhindert werden: Im Raum stand, dass die Belegschaft selbst einen Insolvenzantrag stellen könnte, sollte die finale Frist an die Geschäftsführung, die Lohnzahlungen für Mai und Juni bis Donnerstag, 4. Juli, 16 Uhr, anzuweisen, nicht eingehalten werden. Dieses Szenario sei der Worst Case, so der Tenor der Anwesenden. „Wollen Sie das verantworten?“, fragte ein Mitarbeiter den Betriebsratschef. „Das will niemand verantworten.“

In der Zwischenzeit waren etwa zehn weitere Mitarbeiter aus dem Schiltacher Werk zu der Kundgebung dazugestoßen. Sie verteidigten ihren ehemaligen Chef Klingelmeyer. Er habe sich für die Belegschaft in den vergangenen Monaten eingesetzt, nun sei das „einzige Bindeglied“ zur Geschäftsführung vergrault worden, hieß es in Richtung einiger Herbolzheimer Mitarbeiter, mit denen Klingelmeyer nicht länger diskutieren wollte. „Wir haben nur Fragen gestellt“, lautete die Antwort.

Mahnverfahren sind Option

Nach etwa eineinhalb Stunden herrschte bei den Anwesenden zumindest dahingehend Einigkeit, das Ende der Frist am Donnerstag abzuwarten, um dann neu zu diskutieren. Es deutete sich jedenfalls an, wie ein nächster Schritt jenseits eines Insolvenzantrags aussehen könnte: Eine Mitarbeiterin wies auf die Möglichkeit hin, wegen des ausbleibenden Lohns Mahnverfahren beim Arbeitsgericht einzuleiten. Darum müsse sich allerdings jeder selbst kümmern.

Die Beschäftigten wollen jedenfalls alles tun, um die Geschichte ihres Unternehmens, dem sie teils seit Jahrzehnten treu sind, fortzuschreiben: „Wir stehen alle hier, weil wir BBS lieben und leben.“