Bei Bauarbeiten wurde ein Skelett gefunden. Foto: Siegmeier

Bei Umbauarbeiten eines Hauses in Rottweil ist ein Landschaftsbauer auf ein Grab gestoßen.

Millimeter um Millimeter arbeitet sich die Archäologin im Boden voran. Konzentration, ein geschultes Auge und Fingerspitzengefühl sind hier gefordert, denn von dem Skelett, das sie hier freilegt, darf möglichst nichts verloren gehen.

 

Keine leichte Arbeit in dem vom Regen der vergangenen Tage aufgeweichten Lehmboden, doch wenige Stunden später kann es bereits aus dem Boden geborgen werden. „Für weitere Untersuchungen“, informiert Christoph Wulfmeier von der Außenstelle Rottweil des Landesamtes für Denkmalpflege, in Freude über diesen aktuellen und ungeplanten Fund in Rottweil-Altstadt.

Gräber findet man eher selten

Zwar gilt Rottweil-Altstadt, sozusagen als Wiege der Stadtgeschichte, und wer im Erdreich gräbt, der kann nahezu sicher davon ausgehen, dass er auf Zeugnisse der Vergangenheit trifft. „Doch Gräber findet man hier heutzutage eher selten“, informiert Wulfmeier. Die Letzten wohl in den 1960er-Jahren, als in der Altstadt zahlreiche Eigenheime errichtet wurden.

Bauherr und Gartenbauer sind überraschend auf Knochen gestoßen. Foto: Siegmeier

Bei Erdarbeiten waren Bauherr David Merkle und Gartenbauer Andreas Ulmschneider dieser Tage plötzlich auf Knochen gestoßen und alarmierten daraufhin die Archäologen, die auch sogleich zur Stelle waren.

Frühmittelalterliche Gräber

Dass auf der „Lehr“, wie das Gebiet heißt, bestattet wurde, ist seit gut 200 Jahren bekannt. Mehr als 50 frühmittelalterliche Gräber wurden hier seitdem bei Bauarbeiten entdeckt. Die ersten ganz in der Nachbarschaft der aktuellen Bestattung im Jahr 1824.

Bei den Bestattungen auf „Lehr“ handelt es sich wohl um kleinere frühmittelalterliche Grabgruppen, beziehungsweise Familienfriedhöfe, die wahrscheinlich zu verschiedenen Bauernhöfen gehören.

„Eine Siedlung hat man auf der ‚Lehr‘ bislang allerdings noch nicht entdeckt“, so Wulfmeier. Grabbeigaben, beziehungsweise Trachtbestandteile in Form von Gefäßen, Schmuck, Waffen und weiteres fanden sich in den vergangenen zwei Jahrhunderten kaum. „Oft wurden die Gräber auch bereits wenige Tage nach der Bestattung von Grabräubern heimgesucht und die Beigaben geraubt“, weiß Wulfmeier.

Eine junge Frau mit Creolenohrringen

Und datiert habe man diese Funde nur ungefähr. Deswegen sei der aktuelle Fund eine kleine Sensation, denn jetzt könne man anhand der C14-Methode, auch Radiokarbonmethode genannt, das Alter der Knochen ermitteln. Die Methode basiert auf der Messung des radioaktiven Zerfalls des Kohlenstoffisotops C-14.

Die junge Frau trug bei der Bestattung offenbar Creolenohrringe. Foto: Siegmeier

Doch was hat es mit dem aktuellen Skelettfund auf sich? „Es handelt sich hier um eine junge Frau oder ein Mädchen“, informiert Christoph Wulfmeier. Die junge Frau war etwa 1,60 Meter groß und hat bei ihrer Bestattung Creolenohrringe mit jeweils einer Perle getragen.

Gespannt auf das Ergebnis

Auch wurden im Grab noch wenige weitere Perlen einer Halskette gefunden. „Das Skelett war geostet, das heißt nach Osten ausgerichtet, was für eine frühmittelalterliche Bestattung spricht“, so der Archäologe weiter.

Bestattet wurde die junge Frau wohl um 650 nach Christus, schätzt Wulfmeier, ist aber schon auf das tatsächliche Ergebnis der naturwissenschaftlichen Untersuchung gespannt. Ebenso die beiden Finder.

Auch Creolenohrringe haben die Archäologen gefunden, die die Frau wohl bei der Bestattung getragen hat.