Im Jahre 2035 werden ein Viertel der Einwohner des Zollernalbkreises über 65 Jahre alt sein. Vor welche planerischen Herausforderungen stellt das die Stadt Burladingen?
Der Burladinger Gemeinderat hatte zu dieser Frage in seiner jüngsten Sitzung zwei Gäste aus dem Landratsamt. Janessa Roos, in der Kreisbehörde für die Kreispflege- und Altenhilfeplanung zuständig und Birgit Schuster, die Leiterin des Kreissozialamtes.
Beide befassen sich seit rund zwei Jahren mit der Erstellung der Kreissenioren- und Pflegekonzeption für die Jahre 2025 bis 2035 und blickten also mit Hilfe von Statistiken, Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Bevölkerungszahlen für alle Städte und Kommunen eine Dekade in die Zukunft.
Dabei standen ihnen aus Burladingen Friedemann Mutschler und Karl-Moritz Kraus zur Seite. Mutschler gründete 1990 den Förderverein Seniorenhilfe. Zunächst, um ein weiteres Seniorenpflegeheim – das spätere Haus St. Georg – zu initiieren.
Danach blieb der Verein nicht untätig. Er unterstütze auf vielfältige Weise die Seniorenarbeit in der Stadt und benannte sich vor drei Jahren um in den Verein „Bürger helfen Bürgern“, um das Bürgermobil betreiben zu können. Zeitgleich übergab Mutschler den Staffelstab an seinen Nachfolger Karl-Moritz Kraus.
Burladingen hat seine Hausaufgaben schon gemacht
Und was die Fehlastadt und ihre Alten- und Pflegearbeit angeht, so sparte Janessa Roos nicht mit Lob. „Bis 2035 ist Burladingen sehr gut aufgestellt“, konstatierte sie der Fehlastadt, nachdem sie die Zahlen zu Pflegeheimplätzen, Tagespflegeeinrichtungen und Kurzzeitpflegeplätzen analysiert und zum Besten gegeben hatte.
So lebten in Burladingen 2023 noch 2763 Menschen, die über 65 Jahre alt waren, 2025 werden es vermutlich 3520 sein, was einen Anstieg von anteilig 22,8 auf fast 29 Prozent bedeuten würde. Die Zahl der über 80-Jährigen werde dahingegen von 824 auf 874, also nur geringfügig von 6,8 auf 7,1 Prozent steigen.
Im Jahr 2035 würden in Burladingen 104 Plätze für ambulante Leistungen benötigt, 87 für Dauer- und Kurzzeitpflege, 520 Personen würden Pflegegeld beziehen und 110 hätten mindestens Pflegegrad 1 mit Entlastungsbeitrag.
Derzeit gebe es in Burladingen zwei ambulante Pflegedienste, zwei Einrichtungen, die 90 Dauerpflegeplätze anbieten, und in der Kurzzeitpflege zwei Einrichtungen mit fünf eingestreuten Plätzen, referierte Roos.
„Mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl“ weiterentwickeln
Die Burladinger Tagespflege wird von zwei Einrichtungen mit 20 solitären und vier integrierten Plätzen angeboten. Zudem gebe es die Lebensräume für Jung und Alt der Stiftung Liebenau mit generationenübergreifenden Wohnformen und zwölf barrierefreien Wohnungen sowie das Bürgermobil, das Senioren helfe, so lange wie möglich selbstständig zu bleiben und in den eigenen vier Wänden leben zu können. Auch das Forum Älterwerden biete regelmäßig Veranstaltungen für alte Menschen an.
Mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl weiterentwickeln
Im Tagespflegebereich, so erinnerte Bürgermeister Davide Licht, sei die Stadtverwaltung ja bereits aktiv dabei, in der Planung des großen Geländes in der Josengasse weitere Möglichkeiten vorzusehen.
Es gelte, so Licht weiter, die Seniorenpflegeplätze „mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl“ weiterzuentwickeln und eventuell bei steigendem Bedarf an Heimpflegeplätzen auch kommunales Bauland für Investoren zur Verfügung zu stellen.
Roos betonte, dass die wahren Herausforderungen erst nach dem Jahr 2035 auf die Kommunen zukämen – denn dann seien mehr und mehr aus der Generation der Babyboomer in Rente und in einem Alter, in dem sie unter Umständen Pflege benötigen.
Für die Referentinnen vom Landratsamt hatte der Stadtchef einen Blumenstrauß parat und bei Mutschler und Kraus bedankte er sich ebenfalls mit Geschenk und großem Lob.