Zwei Stunden „Komede“ boten Wulf Wager, Friedel Kehrer und Markus Zipperle in der Szene 64 in Schramberg. Foto: Baumgartner

Niemand aus dem Publikum wurde aus der Szene 64 wegen Humorlosigkeit ins Badische verbannt, wie zu Beginn des Auftritts der „Schwoba Komede“ angedroht wurde.

Sogar die Gäste aus Schapbach durften bis zum Schluss bleiben, wie die schwäbischen Kabarettisten der kleinen Besetzung des Stuttgarter Ensembles mit „Super-Schwob“ Wulf Wager, Friedel Kehrer als „Bronnweiler Weible“ und „Saugosch“ Markus Zipperle immer wieder mundartakrobatische und humorvolle Spitzen in Richtung Süden „from the Länd“ abfeuerten.

 

Wager im roten Showanzug forderte gleich zu Beginn vom Publikum den Beweis eines geübten schwäbischem Zungenschlags mit Wortspielen wie „Der Papst hot‘s Spätzlesbrett z’spät b’stellt.“

Dass er „transfinanziell“ sei, also „ein Millionär im Körper einer armen Sau“ und zudem “eman(n)zipationsirritiert“, gab ihm die Vorlage zur spaßigen Betrachtung der Verhältnisse zwischen Männern und Frauen.

Schwäbischer Knitz

Und nicht nur das: Beobachtungen aus Stadt und Land, Politik und Gesellschaft verpackte er in Witze und Lieder, die er mit Handharmonika und Gitarre selbst begleitete – und natürlich mit dem Knitz der Schwaben.

Bruder auch der Onkel?

Dass es bei Schwäbischen bemerkenswerte Variationen gibt, bewies das Bronnweiler Weible von der Alp – da wo die „Bronkels“ wohnen – dort sei nämlich der Bruder meist auch gleichzeitig der Onkel, behauptete der „Heckeschiesser“-Stuttgarter Wager provokant.

„Wellensittich-Zeiten“

Sie politisiere gerne, behauptete Friedel Kehrer in verbaler Lauerstellung und schoss vermeintlich liebliche und milde Worte wie Pfeile in die Köpfe der Zuschauer. Man lebe schließlich in „Wellensittich“-Zeiten: „Sie wählen, dich, oder sie wählen dich nicht“.

Markus Zipperle, Wulf Wager und Friedel Kehrer auf den „Brettern, die kein Geld bedeuten“ in der Szene 64 Foto: Baumgartner

Sie stellte mütterliches Verständnis zur Schau für „die Originale“ Habeck, Baerbock und Kretschmann: Der Kanzlerkandidat sei nämlich gezwungen, horrende Summen auszugeben, damit wenigstens ein gescheites Porträtfoto herauskäme, die Außenministerin brauche für jedes Häärle einen eigenen Friseur und der Landesvater habe um den Landtag Rasen eingesät, damit es nicht so klappere, wenn er das Geld zum Fenster rausschmeiße. Mit glockenheller Sopranstimme verzauberte die Liedermacherin einmal mehr, als sie eine Lanze für den Dialekt brach: „Schwäbisch ist doch schee und wunderbar“.

Ein „z“ zuviel

„Saugosch“ Markus Zipperle entschuldigte sich zunächst mit seiner krankhaften „Verbalinkontinenz“ für die folgenden, humorvollen Frechheiten: „Ich kann’s oifach net hebe, wenn i uff de Bretter stehe, die koi Geld bedeute“. Er nahm auf’s Korn, was ihm im Alltag vor die Flinte kam: „Badenzer darf man nicht sagen. Man sagt schließlich auch nicht Heilbronzer“.

Hafer- und Bananenblues

Ihm ist das Talent fürs Witze erzählen unter vollem Körpereinsatz offenbar in die Wiege gelegt. Witzig erzählte Geschichten, bei denen der Weg dahin bereits zur Pointe gehört. Überraschende Wendungen sind seine Spezialität. Wie beim Schwank von der Verkehrskontrolle: „Haben sie Alkohol?“, fragte der Polizist und der betrunkene Fahrer quittierte: „Betteln kannst du woanders.“ Das Publikum liebte den „Hafer- und Bananenblues“, des Stimmengebers der Kultfiguren Äffle und Pferdle.

Zugabe gefordert

Ohne geforderte Zugabe kam die Kleine Besetzung nicht von der Bühne und mit „Mir miasad schbara“ setzten die schwäbischen Mundartkabarettisten einen humorvollen Schlusspunkt.