Acht Jahreszeiten und ein Beben in der Trinkhalle: „Vivaldi & Piazzolla - Seasons in Beat“ begeistert in Bad Wildbad.Wie lief das außergewöhnlichen Crossover-Projekt ab?
Es war ein Abend der Superlative, ein Wagnis zwischen den Jahrhunderten und schließlich ein Triumph der künstlerischen Vision: Beim dritten Eröffnungskonzert des Schwarzwald Musikfestivals am Sonntag erlebte das Publikum in der Trinkhalle eine Weltneuheit, die mit stehenden Ovationen gefeiert wurde. Unter dem Titel „Vivaldi & Piazzolla – Seasons in Beat“ verschmolzen Barock, Tango und Urban Sound zu einem hochenergetischen Gesamtkunstwerk.
Mut zur Innovation
Die Idee hinter diesem außergewöhnlichen Crossover-Projekt stammt von Mark Mast, dem Intendanten und Dirigenten des Festivals. Seit 28 Jahren prägt er das kulturelle Leben der Region und bewies einmal mehr seinen Mut zur Innovation. Mast verband nicht nur zwei Komponisten, zwischen deren Werken rund 250 Jahre liegen, sondern brachte mit dem Geiger Tassilo Probst und dem Beatboxer Robeat zwei Ausnahmekünstler zusammen, die in dieser Form noch nie gemeinsam auf der Bühne standen.
Im Zentrum des Geschehens standen zwei junge Virtuosen ihrer Zunft. Der erst 23-jährige Probst, von Altmeister Daniel Hope bereits als herausragendes Talent mit einzigartigem Klang geadelt, bestach durch eine technisch meisterhafte und zugleich federleichte Phrasierung. Ihm gegenüber stand mit Robeat (Robert Wolf) ein Weltmeister der Stimmenkunst. Als „menschliches Schlagzeug“ untermalte er die klassischen Linien mit komplexen Beats, Scratches und Bassrhythmen, so dass dabei ein an eine Bigband erinnernder Sound entstand.
Robeat übernahm zudem die Rolle des Rezitators bei den Vivaldi-Sonetten. Doch er las sie nicht nur, er setzte sie stimmlich in Szene. Ob das Murmeln der Bäche im Frühling, das Summen von Fliegen im Sommer oder das Zähneklappern in der eisigen Kälte des Winters: Durch die Stimmkunst wurden die Naturphänomene für das Publikum fast physisch spürbar. Sogar die heimische Vogelwelt, vom Uhu bis zur Turteltaube, ließ er täuschend echt in den barocken Klanggarten einfliegen.
Große Wertschätzung
Das Programm verwob Antonio Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ (1725) kunstvoll mit Astor Piazzollas „Las Cuatro Estaciones Porteñas“. Während Vivaldi die europäische Natur abbildet, fängt Piazzolla das Lebensgefühl in den Straßen von Buenos Aires ein. Das Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie schlug dabei die Brücke zwischen der barocken Eleganz und der Leidenschaft des Tango Nuevo.
Dass mehr als die Hälfte der Besucher bereits zu den Konzerteinführungen erscheint, wertete Mark Mast als Zeichen großer Wertschätzung für das Festival, bei dem die Stadt den perfekten Rahmen für diese Weltpremiere bot.
Am Ende des Abends dankte das Publikum den Künstlern mit tosendem Beifall und stehenden Ovationen und erklatschte sich zwei Solo-Zugaben der beiden Ausnahmekünstler. „Seasons in Beat“ hat bewiesen, dass Tradition und Moderne sich nicht ausschließen, sondern gemeinsam eine neue, mitreißende Energie freisetzen können, wenn sie von Künstlern dieses Kalibers präsentiert werden. Ein Abend, der noch lange nachhallen dürfte.
Nebenbei: Das Konzert wurde bereits am 9 . Mai in Schiltach vom SWR Kultur mitgeschnitten die Ausstrahlung erfolgt in der Radiosendung „Mittagskonzert“ auf SWR Kultur am 19. Juni ab 13 Uhr und ist im Anschluss online unter SWRkultur.de verfügbar.