Das Kinzigtal ist bei Touristen beliebt. Hier ist ein Ausblick bei Hausach zu sehen. Foto: Reinhard

Die Schwarzwald-Tourismus GmbH hat mit der „Schwarzwald Marie“ eine Künstliche Intelligenz auf den Markt gebracht. Die virtuelle Assistentin soll beim Entdecken helfen.

Der Schwarzwald wird bei Touristen aus dem In- und Ausland als Urlaubsregion geschätzt. Die Schwarzwald-Tourismus GmbH, die die Region vermarket, berichtet immer wieder über neue Besucherrekorde. Um den Touristen Tipps an die Hand zu geben, hat der Verband eine mit künstlicher Intelligenz (KI) generierte Reise-Assistentin geschaffen: die „Schwarzwald-Marie“. Per Chat kann man der „Marie“ Fragen zu Reisezielen, Besucherandrang oder auch Wanderwegen stellen. Bei Branchenkennern kommt das Projekt an: Die „Schwarzwald Marie“ ist eines von fünf für den Deutschen Tourismuspreis nominierten Projekte (siehe Info). Aber hält der Chatbot auch, was er verspricht? Wir haben „Marie“ auf die Probe gestellt.

 

Wo finde ich die KI-Reiseführerin?

Um der „Schwarzwald Marie“ Fragen zu stellen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Das Programm gibt es zunächst als App für Apple- und Android-Geräte. Wer kein Smartphone hat, kann auch über den Web-Browser unter www.frag-schwarzwaldmarie.info das Angebot kostenlos nutzen.

Was soll die KI können?

Per Chatnachricht können sich die Nutzer bei der „Schwarzwald Marie“ nach Veranstaltungen, Gaststätten oder Ausflugszielen erkundigen. Das Programm verspricht auch aktuelle Infos zu Bus- und Bahnverbindungen.

Wie schlägt sich die „Schwarzwald Marie“ in der Praxis?

Bei unserem Test nutzen wir die Web-Version der „Marie“. Auf der linken Seite befindet sich das Chat-Fenster, auf der rechten Bildschirmseite blickt dem Nutzer eine im Wald sitzende junge Frau entgegen. Das Bild ist künstlich generiert und soll eine moderne „Schwarzwald Marie“ symbolisieren. Sie stellt sich als „persönliche Freizeitplanerin“ vor.

Wir starten mit einer Frage zu einer der beliebtesten Freizeitaktivitäten der Region – dem Wandern. Welche Wanderwege es rund um Haslach gibt, wollen wir wissen. Die KI-Marie erkundigt sich zunächst, welche Art Wanderung wir suchen. Die Entscheidung fällt auf „familienfreundlich“. Die „Marie“ macht sich auf die Suche und erklärt: „Die besten Schwarzwald-Tipps brauchen manchmal ein paar Sekündle“. Aus den „Sekündle“ wird bei manchen Fragen aber auch gerne mal ein „Minütle“.

So präsentieren die Entwickler die KI-generierte „Schwarzwald Marie“. Foto: Schwarzwald-Tourismus

Immerhin, die KI-Assistentin hat dann doch drei Ausflugstipps parat: den „Panoramaweg Süd“, einen „Spaziergang im Kinzigvorland“ und die „Familientour von Tiergarten nach Haslach“. Bei letzterem Vorschlag offenbart die KI Schwächen: Sie hat den Oberkircher Ortsteil Haslach mit der Stadt im Kinzigtal verwechselt. Klickt man auf einen der jeweiligen Vorschläge, so gelangt man auf die Internetseite der Schwarzwald-Tourismus, auf der die jeweilige Tour mit Infos und Wanderkarte vorgestellt wird.

Die versprochene Hilfe beim finden von ÖPNV-Verbindungen bleibt mit Blick auf das Kinzigtal aus. Eine Busverbindung von Haslach nach Mühlenbach – die es auch gibt – kennt die „Schwarzwald Marie“ schlicht nicht. „Es gibt aktuell keine direkte Busverbindung“, glaubt „Marie“ fälschlicherweise zu wissen. Zumindest in der Kinzigtalregion können sich Touristen in Sachen ÖPNV nicht auf die „Schwarzwald Marie“ verlassen. Die Entwickler weißen vorab auf solche Probleme hin: „Die Antworten sind KI generiert und möglicherweise fehlerhaft“, steht unter dem Chat.

Was fehlt der „Schwarzwald Marie“?

Wer im Kinzigtal beziehungsweise dem Schwarzwald ortskundig ist, merkt schnell: Viele Orte kennt die KI-Assistentin nicht. Die „Marie“ schlägt den Nutzern zwar Optionen vor, so manche – eigentlich bekannte – Adresse bleibt hingegen unerwähnt. Gefragt nach Museen im Umkreis von 30 Kilometern von Haslach, nennt die KI-Reiseführerin nur ein Museum. In dem Fall das Heimat- und Kleinbrennermuseum in Steinach. Adressen wie das Museum für Mineralien und Mathematik in Oberwolfach bleiben unerwähnt. Wer seine Reise mit der „Schwarzwald Marie“ plant, verpasst vielleicht den ein oder anderen spannenden Ort. Jeder, der ein größeres Angebot an Vorschlägen oder genauere Infos zu Verbindungen und Co möchte, ist derzeit bei den herkömmlichen Suchmaschinen besser aufgehoben.

Wird die KI-Reiseführerin weiterentwickelt?

„Unsere ,Schwarzwald Marie’ lernt ständig dazu“, erklärt die Schwarzwald-Tourismus. So gibt es die Möglichkeit, den Entwicklern Feedback zu geben. Auch bei Falschinformationen bitten die Betreiber um Rückmeldungen. „Damit wir unsere ,Schwarzwald Marie’ entsprechend schulen können“, begründet der Verband.

Der Deutsche Tourismuspreis

Die „Schwarzwald Marie“ ist für den Deutschen Tourismuspreis in der Kategorie Publikumspreis nominiert. Bis zum 5. November wird online abgestimmt. Die Jury des vom Deutsche Tourismusverband organisierten Preises erklärte: „Die „Schwarzwald Marie“ ist die KI-generierte Markenbotschafterin des Schwarzwalds. Als empathischer Reise-Concierge begleitet sie die Gäste durch alle Phasen ihrer Reise. Der Chatbot liefert maßgeschneiderte Empfehlungen – in Echtzeit, mehrsprachig und barrierefrei.“ Die Sieger werden am 19. November bekannt gegeben.