Das Schwarzwald-Baar-Klinikum meldet, dass die Geburtshilfe auch weiterhin gesichert ist. Die Hebammen wechseln ins Angestelltenverhältnis.
Seit Oktober 2021 sind die Hebammen als sogenannte „Dienstbeleghebammen“ im Schwarzwald-Baar-Klinikum freiberuflich tätig.
Das ändert sich nun wieder: Das gesamte Hebammenteam hat den Dienstbeleghebammenvertrag gekündigt und gleichzeitig das Klinikum darum gebeten, wieder zum Angestellten-Verhältnis zurückkehren zu dürfen.
Hintergrund dafür ist der neue bundesweit gültige Hebammenhilfevertrag, der zu einem geringeren Verdienst der freiberuflichen Hebammen und zu noch mehr Bürokratie-Aufwand führt.
Das Schwarzwald-Baar Klinikum bietet allen Hebammen eine Festanstellung an und übernimmt das komplette Team. Das geht aus einer Mitteilung des Klinikums hervor.
Kritik am Hilfevertrag
Die Geburtshilfe in dem Krankenhaus bleibe damit „auf gewohnt hohem Niveau gesichert“.
Hebamme Xenia Hummel wird stellvertretend für alle Dienstbeleghebammen im Schwarzwald-Baar Klinikum so zitiert: „Nach unserer Einschätzung stellt der neue Hebammenhilfevertrag, der vom Spitzenverband der Krankenkassen mit den Hebammenverbänden ausgehandelt wurde, entgegen deren Darstellung keine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, der Vergütung oder der Versorgungssituation dar.“
30-köpfiges Team
Da sie mit erheblichen Verdienstausfällen und gesteigertem Bürokratie-Aufwand konfrontiert seien, werde das etwa 30-köpfige Team die freiberufliche Tätigkeit wieder aufgeben und zurück ins Angestellten-Verhältnis wechseln.
„Wir haben Verständnis dafür, dass die Hebammen auf die geänderten Bedingungen reagieren”, meint Matthias Geiser, Geschäftsführer des Schwarzwald-Baar-Klinikums. „Gleichzeitig ist es uns wichtig, die gewohnt sehr gute Betreuung der werdenden Mütter und Babys sicherzustellen. Wir haben gemeinsam nach einer guten Lösung in dieser Situation gesucht und freuen uns, diese mit unserem Festanstellungs-Angebot auch gefunden zu haben.“
„Eine Hängepartie“
Der Geschäftsführer äußert sich auch zu den Beweggründen für diese Entscheidung: „Obwohl die Hebammen die Thematik politisch adressierten, haben weder die Krankenkassen noch die Gesundheitspolitiker reagiert. Daraus ist eine Hängepartie entstanden, die so nicht länger fortgesetzt werden konnte. Dazu kommt, dass unter solchen Bedingungen auch an Personalgewinnung nicht mehr zu denken war. Das ist jetzt wieder anders: Schön ist, dass das Hebammen-Team in den kommenden Monaten noch um drei Hebammen wachsen wird. Weitere Bewerbungen nehmen wir auch gerne noch entgegen.“
Großes Einzugsgebiet
Das Schwarzwald-Baar-Klinikum gehört eigenen Angaben zufolge zu den geburtenstärksten Kliniken in Baden-Württemberg. Im vergangenen Jahr kamen demnach 2338 Kinder im Klinikum auf die Welt.
Als ausgewiesenes Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe erfülle die Neu- und Frühgeborenen-Kinderintensivstation am Schwarzwald-Baar Klinikum sehr hohe Qualitätskriterien.
Im Klinikum können alle schwerkranken Früh- und Neugeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1250 Gramm versorgt werden. Das Einzugsgebiet des Schwarzwald-Baar Klinikums ist entsprechend groß und reicht über die Grenzen des Schwarzwald-Baar-Kreises hinaus.