Auf der Abschluss-Runde stürzen sich die Schüler buchstäblich in die Menge – die Mitschüler heben die Arme und geben den Weg frei. Foto: Christoph Holbein

Im Rahmen der Schulsozialarbeit am Gymnasium in Meßstetten haben Schulsozialarbeiterin Melanie Liedtke und Lehrerin Anja Haug einen erlebnispädagogischen Nachmittag mit der Klasse 7b verbracht. Das Thema lautete: Ziele benennen und setzen.

Anja Haug lässt die Klingel ertönen, das laute Stimmengewirr der 19 Mädchen und Jungen, die im Stuhlkreis sitzen, verstummt.

 

Workshop eins zum sozialen Lernen hat begonnen. An diesem Nachmittag stehen Übungen und Spiele zum Thema Ziele auf dem Programm. Für ihre Klasse nennen die Schüler ihre Ideen: weniger Beleidigungen im Umgang miteinander, eine stärkere Gemeinschaft, gegenseitiges Vertrauen, zusammenzuhalten, sorgsam mit dem Eigentum der anderen umgehen, sich gegenseitig helfen.

Anderen die Klammer an der Kleidung stibitzen und die eigenen behalten – das ist das Ziel beim Wäscheklammerspiel. Foto: Christoph Holbein

Die 13-Jährigen gehen für die erste Spielstation nach draußen auf den Schulhof. Es geht um Bewegung und das Aufzeigen von Grenzen beim Wäscheklammerspiel, bei dem jeder die Aufgabe hat, seine drei Klammern – befestigt an der Kleidung – zu bewachen und anderen deren Klammern zu stibitzen. Dann heißt es, das eigene Gehirn wachschütteln mit dem „Gehirnwecker“: In der Zweier-Gruppe zählen die Gegenüber abwechselnd auf drei, ersetzen dann die Eins durch Klatschen, später die Drei durch einen Hüpfer und zum Schluss noch die Zwei durch einmal Drehen.

Auf der Mauer aneinander vorbeikommen ist gar nicht so leicht. Foto: Christoph Holbein

Auch das nächste Spiel fordert alle Sinne. Nebeneinander auf einer schmalen Mauer stehend hat die Gruppe das Ziel, es gemeinsam zu schaffen, ohne dabei zu sprechen, sich nach den eigenen Hausnummern zu sortieren, wobei niemand von der Mauer herunter darf. Dazu beraten sich die Mädchen und Jungen, bevor sie starten, kurz.

Manchmal muss man klammern, um nicht runterzufallen. Foto: Christoph Holbein

Es geht darum, sich zuzuhören, um Ruhe, Konzentration, Zusammenarbeit und nonverbale Kommunikation, den Abbau von Berührungsängsten, Teamwork, gegenseitiges Halten und Unterstützen. Nach mehreren Versuchen schaffen es die Schüler.

Erst die Taktik – dann der Wettbewerb

Die nächste Aufgabe lautet, gemeinsam aus einzelnen Teilen eine Kugelbahn zu bauen, auf der eine Murmel bis ins Ziel, in einen Karton, rollt. Jeder Jugendliche hat dabei ein Teil.

Nach kurzer Beratungszeit, während der die Protagonisten ihre Taktik besprechen, geht es ans Werk. Es braucht einige Anläufe, aber am Ende klappt es: Die Murmel landet im Karton. Und beim Wettbewerb Mädchen gegen Jungen haben die Jungen die Nase vorne, weil die Mädchen Millimeter vor dem Ziel scheitern.

Gemeinsam die Murmel in den Karton bringen – das ist das Ziel. Foto: Christoph Holbein

Zurück im Gemeinschaftsraum, bewerten die Schüler im Stuhlkreis, was besonders gut geklappt hat und was nicht so gut funktioniert hat. Die Siebtklässler haben erkannt, dass nur abgestimmtes Vorgehen sie weiterbringt, ein Ausprobieren der Grenzen – und dass mangelnde Ernsthaftigkeit und zu viel Lautstärke stören, dass Absprachen und Regeln wichtig sind. Der Umgangston macht es, das Wahrnehmen und Annehmen anderer Vorschläge, das Zuhören: „Fair Play ist wichtig“, sagt Laura und spricht für die anderen. Es gehe um konstruktive Kritik.

Was wollen die Jugendlichen erreichen? Am Ende des Nachmittags formulieren sie ihre persönlichen Ziele Foto: Christoph Holbein

Am Ende des Nachmittags formulieren die Jugendlichen ihre persönlichen Ziele, überlegen sich, wie sie das erreichen und was sie dafür benötigen – in der Schule, im Privaten, im Verein oder in der Freizeit – und schreiben das für sich auf. Wer möchte, darf seine Ziele den anderen kundtun: ein Buch zu schreiben, aus der Gruppe ein Team zu machen, die kleine Cousine öfter zu sehen, besser im Turnen zu werden.

Auf dem Schulhof findet das Abschlussspiel statt. Foto: Christoph Holbein

Der Workshop endet mit einem Abschluss-Spiel auf dem Schulhof, bei dem sich die Schüler in die Fluten stürzen und durch die Reihe der ausgestreckten Arme rennen, die sich jeweils rechtzeitig heben und eine Gasse freigeben.

Schulsozialarbeiterin Melanie Liedtke und Lehrerin Anja Haug ziehen eine zufriedene Bilanz. Foto: Christoph Holbein

„Es war herausfordernd und sehr produktiv“, bilanzieren Haug und Liedtke. Sie hoffen, damit den Kindern soziale Kompetenz vermittelt zu haben, um sie weiterzubringen.

Schulsozialarbeit – Erlebnispädagogik

Soziales Lernen:
 In den Klassen sieben am Gymnasium in Meßstetten bietet die Schulsozialarbeit Erlebnispädagogik an. Dazu gibt es zwei Blöcke, einen vor- und den zweiten nachmittags. In der Klasse acht ist dafür ein gesamter Tag vorgesehen. Das Projekt läuft anstelle von regulärem Unterricht seit Jahren in den Klassen sieben und acht.

 

Die Schüler sind zu einem besseren Team zusammengewachsen. Foto: Christoph Holbein

Inhalte und Themen
bauen aufeinander auf. Im Zentrum stehen das Miteinander, die Kooperation und die Kommunikation. In Absprache mit den jeweiligen Klassenlehrern wird dabei auch die aktuelle Situation in der Klasse beleuchtet.

 

Wichtig im Leben: das Gegenüber Foto: Christoph Holbein

Ziel
ist es, den Respekt füreinander zu stärken, den Umgang miteinander von schroffem Ton zu befreien.

 

Zusammenhalten – das ist auch wichtig, um die Murmelbahn zu verbinden. Foto: Christoph Holbein

Alle 14 Tage
ist Schulsozialarbeiterin Melanie Liedtke für eine Unterrichtsstunde in der Klassenlehrerstunde der Klasse, um dort spielerisch gemeinsam etwas zu erreichen und zu motivieren.

 

Beim Murmelspiel haben die Jungs die Nase vorn. Foto: Christoph Holbein

Prävention:
In der Klasse acht gibt es Angebote zu den Themen Medien, Drogen und Demokratiebildung. Die Zehntklässler bereiten zum Thema Drogen eine Doppelstunde vor und informieren die Achtklässler an verschiedenen Aktionstischen. Zudem sind Vorträge für Eltern im Angebot. Informationen werden geliefert zu den Bereichen Sucht, Gewalt, Gesundheitsförderung.