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Schramberg So wirkt sich die Krise auf die Feuerwehr aus

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Patrick Wöhrle (Mitte) im Gespräch mit Rainer Urner (links) und dem Schramberger Revierleiter Jürgen Lederer. (Archiv) Foto: Wegner

Schramberg - Trotz einiger Lockerungen der Corona-Maßnahmen, die etwas mehr Normalität in den Alltag zu bringen scheinen, ist ein "normales" Leben noch weit entfernt. Patrick Wöhrle spricht über die Veränderungen der Arbeit bei der Feuerwehr - im beruflichen wie freiwilligen Bereich.

Der Einsatzbeamte bei der Berufsfeuerwehr Stuttgart und Abteilungskommandant der Feuerwehr Schramberg erzählt, dass sich vieles komplizierter gestaltet. Die Arbeitsgebiete sind zwar weitgehend gleich geblieben, doch die Abläufe haben sich durch die strengen Hygienemaßnahmen verändert, erzählt Wöhrle. Die Einsatzzahlen seien sogar eher rückläufig. "Das liegt daran, dass in den Industriebetrieben durch den Lockdown weniger los war, dadurch kam es auch seltener zu Bränden."

Weniger Kräfte in den Fahrzeugen

Im Notfall wird nun in verringerter Stärke ausgerückt. Ein Trupp, der neun oder drei Feuerwehrleute umfasste, bestehe nun aus sechs oder nur zwei Einsatzkräften. Das sei notwendig, damit die Abstände in den Fahrzeugen eingehalten werden. Sobald die Einsatzkräfte einsteigen, ziehen sie zu ihrem Schutz und dem ihrer Kameraden eine Mund-Nasen-Maske auf. Am Einsatzort bleiben die Abläufe weitgehend gleich. Doch das Arbeiten mit Maske gestalte sich je nach Einsatz kompliziert. Die Schutzbrille laufe an und das Atmen falle bei körperlicher Anstrengung noch schwerer als sonst.

Keine Treffen in Freizeit

Vor allem die Kameradschaft würde unter der Pandemie leiden, erzählt Wöhrle. Früher habe man sich auch außerhalb der Feuerwehrtätigkeit ab und an mal getroffen, das sei zurzeit aber natürlich nicht möglich.

Praktische Übungen oder Ausbildungen könnten wegen der Auflagen auch nicht stattfinden. Deshalb hat Wöhrle im April eine Whatsapp-Ausbildungs-Gruppe eingerichtet. Darin postet er zweimal die Woche eine Ausbildungsfrage, auf die seine Kameraden dann innerhalb eines Tages eine Lösung suchen. Meist funktioniere das über den Austausch im Chat, wobei sich mit der Zeit eine Lösung herauskristallisiere, an der dann alle mitgewirkt hätten. Am nächsten Tag kläre Wöhrle die Frage anhand von Fotos oder Videos auf. So versucht er zu verhindern, dass seine Kameraden den Kontakt zur Feuerwehr verlieren.

Feuerwehr während Krise den Rücken kehren?

Wöhrle befürchtet, dass vor allem jüngere Mitglieder die neu gewonnene Freizeit so sehr schätzen könnten, dass sie der Feuerwehr den Rücken kehrten. Die Übungen seien in diesem Fall zwar eine annehmbare Alternative, würden aber in keinem Fall die "richtigen" Übungen gemeinsam vor Ort ersetzen. Deshalb hofft Wöhrle, dass bald der reguläre Dienstbetrieb zumindest ansatzweise wieder aufgenommen werden kann.

Zurzeit befindet er sich in den letzen Zügen der Vorbereitung. Die Übungen würden in Kleingruppen von neun Personen und einem Übungsleiter stattfinden. Selbstverständlich werde auf Mindestabstände geachtet und ein Mund-Nasen-Schutz getragen. Zudem gebe es keine Mischung der Gruppen untereinander, sodass bei einer Erkrankung keine Masseninfizierung riskiert werde.

Einige Zeit gebraucht

Wöhrle habe selbst am Anfang einige Zeit gebraucht, um sich an die neuen Regeln zu gewöhnen. So habe er hin und wieder vergessen, seine Maske einzupacken, wenn er das Haus verließ. Mittlerweile habe er sich aber an die neuen Umstände gewöhnt. Seine Maske vergleicht er als täglichen Begleiter sogar mit seinem Handy oder dem Funkmeldeempfänger. "Ich achte jetzt noch stärker auf hygienische Maßnahmen und wasche mir öfters und gründlicher die Hände als zuvor." Außerdem strukturiere er seine Einkäufe besser. Weil viele Abendtermine wie Übungen oder Ausbildungen wegfallen, habe er mehr Zeit sich seinen Hobbys, dem Mountainbike und Rennrad fahren, zu widmen. Zudem gehe er gerne abends mal spazieren.

Durch seinen Schichtdienst in Stuttgart, zweimal die Woche für 24 Stunden, kann er den Großteil seiner Zeit in Schramberg verbringen. Dann versucht er, Liegengebliebenes aufzuarbeiten und Papierkram zu erledigen, der zurzeit verstärkt auftrete. Die Bearbeitung der Whatsapp-Gruppe nehme auch Zeit in Anspruch. Zudem, erzählt er, müssten in zweiwöchigem Rhythmus die Geräte im Feuerwehrhaus gewartet werden. Im Normalfall würde dies bei den abendlichen Übungen stattfinden und werde nun vermehrt durch die Gerätewarte geleistet.

Keine existenziellen Sorgen

Aufgrund seines Berufs muss sich Wöhrle derzeit keine existenziellen Sorgen machen. Er könne sich jedoch vorstellen, wie kompliziert die Situation zurzeit bei Familien mit kleinen, zu beaufsichtigenden Kindern und älteren Menschen aussehe. Besonders habe ihn in die Unterstützung der Stadt Schramberg erfreut, die durch ihre Informationspolitik auf der Homepage sowie auf Facebook über Änderungen in den Verordnungen zeitnah und ausführlich informiert habe.

Auch die Initiative "Schramberg hilft", die ältere Menschen unterstützt, hält er für eine großartige Idee. Wöhrle ist überzeugt, dass man sich Gedanken machen sollte, "inwieweit es sinnvoll wäre, sich auf zukünftige Pandemien vorzubereiten". Dass Desinfektionsmittel und Schutzmasken zu Beginn nur schwer bis gar nicht erhältlich gewesen seien, habe ihn schockiert.

Hoffnung auf Feuerwehrfest 2021

Diese Überlegungen seien auch für die Schramberger Feuerwehr von Bedeutung. Zurzeit gebe es im Feuerwehrhaus keine nutzbaren Duschen, zudem sei eine sogenannte Schwarz-Weiß-Trennung des Gebäudes aus gesundheitlichen Gründen wünschenswert. Dies würde bedeuten, dass die Einsatzkräfte mit Ruß verschmutzte Gegenstände, Geräte und Kleidung vom Einsatzort in den schwarzen Zonen lassen könnten, um im Anschluss in die weißen Zonen überzugehen. Zu diesen zähle auch die Wohnung oder das Haus.

Das Schramberger Feuerwehrfest im Juni musste abgesagt werden. In der Mannschaft habe man jedoch schon Ideen für Alternativen geäußert, die nochmals thematisiert werden sollten. Wöhrle hofft, dass dann 2021 das Fest wieder stattfinden kann.

Die Pandemie bringe jedoch nicht nur negative Aspekte mit sich, sondern eröffne auch Chancen und Möglichkeiten, findet er. Kreative Übergangslösungen wie die Ausbildung über Whatsapp könnten als Ergänzung in den Alltag nach der Pandemie übernommen werden. "Auch die Landesfeuerwehrschule in Bruchsal hat ihre Fortbildungen und Seminare in Webinare umgewandelt. Das finde ich gut."

Vieles später übernehmen

Zwar ersetzten solche Lösungen den regulären Ablauf von Aus- und Weiterbildungen nicht, sie seien jedoch eine gute Ergänzung. Zudem falle bei einem Webinar der Anfahrtsweg weg und es könnten Inhalte angeboten werden, die es so bisher noch nicht gegeben habe. "Ich kann mir vorstellen, dass davon einiges für die Zeit nach Corona übernommen wird", so Wöhrle.

Er selbst freue sich dann am meisten darauf, wieder alles Mögliche unternehmen zu können, ohne sich im Vorfeld überlegen zu müssen, ob das zurzeit erlaubt sei und unter welchen Umständen. "Ohne Mundschutz einkaufen zu gehen oder sich ganz zwanglos mit Freunden und den Kameraden zu treffen, das wäre toll." Patrick Wöhrle hofft, dass die Menschen trotz der Lockerungen rücksichtsvoll blieben und eine zweite Pandemie-Welle vermieden werden kann.

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