Stagediving 2.0 auf rosa Flamingos bei Querbeat Foto: Anja Bertsch

Ein langes Wochenende voll Party-, Tanz- und Feierfieber brachte der Sommersound in die Stadt. Drei Abende mit völlig unterschiedlichen Stimmungen – und durchweg mit guter Laune.

Harter Partysound der Großstadt-Gang Culcha Candela am Freitag, ausgelassen tanzbarer Brass-Pop von Querbeat aus Köln und den Wehrer Brass Buebe am Samstag, und zum Finale am Sonntag dann der gefällige Italo-Charme von Giovanni Zarrella: Mit den drei Konzerten am Wochenende sprach das Open Air-Festival völlig unterschiedliche Besucher an – die trotzdem eines gemeinsam hatten: die Begeisterung im jeweiligen Sommersound-Moment.

 

Harte Energie, hart feiern

Harte Beats, harte Energie, hart feiern: Mit voller Wucht schlug das Berliner Kult-Kollektiv Culcha Candela auf dem Schopfheimer Marktplatz auf und brachte das etwa 2500-köpfige Feiervolk vom ersten Beat an zum Beben. Musikalisch geben Culcha Candela ihren Fans eine Mischung aus Hip-Hop und Dancehall, mal ein paar Afro-Rhythmen mit dabei, mal ein bisschen Reggae-Offbeat oder Latino-Vibes – immer tanzbar, und immer aufs Ganze.

Lässige Sexyness

Im Zentrum die vier Jungs von Culcha Candela – nach über 20 Bühnenjahren auch schon in ihren Vierzigern angekommen, aber kein bisschen müde: DJ Chino con Estilo und die drei Sänger Itchyban, Johnny Strange und Don Cali. Dazu Percussion und eine Kombo athletischer Tänzerinnen-Sängerinnen.

Der ganze Marktplatz eine Feierzone Foto: Anja Bertsch

Alles zusammen explosive Energie und lässige Sexyness, die den Marktplatz zum Brodeln bringen.

„Das Leben ist ne Party“

Klare Botschaft in jedem Move, in jedem Groove, in jeder einzelnen Textzeile – und in der zur Sommerhymne taugenden Neuerscheinung denn auch final auf den Punkt gebracht: „Das Leben ist ne Party!“ Neben vielen anderen Stücken  finden sich im Repertoire an diesem Abend natürlich das auf den aktuellen Anlass angepasste „Berlin/Schopfheim City Girl“, „Hamma“ und „Monsta“, auf die die Fans allerdings bis zur Zugabe warten müssen.

Risse im Bild

Wer genau hinhorcht, entdeckt im ein oder anderen Text den kleinen Bruch im vermeintlich alles wegballerenden Partyexzess. „Schöne neue Welt“ zum Beispiel markiert die „Das Leben ist geil“-Attitüde als Tanz auf dem Vulkan für den, der’s hören will.

Culcha Candela Foto: Anja Bertsch

Für alle anderen und auf jeden Fall trotzdem gilt: „Lasst uns das Leben genießen!“, verbunden mit einer mit augenzwinkernder Großstadtarroganz vorgebrachten Liebeserklärung an die Fans und den Moment in Schopfheim: „Liebe geht raus aus Berlin an alle Dorfkinder!“

Leichtfüßiger Sound

Deutlich lockerer ging es am Samstagabend beim Auftritt der Kölner Brass-Pop-Truppe „Querbeat“ zu, sowohl mit Blick auf den deutlich leichtfüßigeren Sound als vor allem auch auf den Platz im Publikumsbereich. Der Stimmung tat da aber keinen Abbruch, im Gegenteil: Den knapp 1000 Besuchern blieb ausgiebig Raum fürs ausgelassene Tanzen, sodass sich der Marktplatz im Lauf des Abends zusehends in ein quirliges Tollhaus verwandelte.

Querbeat Foto: Anja Bertsch

Einzig dem von Querbeat eingeführten Stage-Diving 2.0 – junge Frauen auf riesig-rosanen Gummi-Flamingos schweben vom Publikum getragen über den Platz – hätte etwas mehr Gedränge und damit Fundament gutgetan...

Das knappe Dutzend Musiker aus Köln gibt dem längst als eigenes Genre etablierten Party-Brass poppige Elemente bei – melodiöse Passagen, Synthieklänge und einen Sänger (Jojo Berger), der auch die ruhigeren Töne nicht scheut. Zumindest zwischendurch. Auch bei Querbeat nämlich dominieren Partygen und Powerplay, die sich eins zu eins auf das begeisterte Publikum übertragen.

Pumpende Grooves

Angeheizt wird das von pumpenden Grooves und knackigen Riffs der neun Bläser, von den Ansagen des Frontmanns oder dem Moment, in dem die Hälfte der Band auf einmal mitten im Publikum auftaucht und von hier aus die feierende Meute ringsum weiter antreibt.

Die Band inmitten der Fans Foto: Simone Rotzler

Mehr als eine Alibi-Funktion hatte an diesem Abend die Vorband: Die Brass Buebe aus Wehr haben sich längst ihre Fanbase erspielt und heizten dem Publikum schon mal ordentlich ein.

Giovanni Zarrella setzte am Sonntag mit einem durch und durch sympathischen Auftritt einen gelungenen Schlussakkord unter das diesjährige Sommersound Open-Air mit seinen insgesamt fünf Bühnenabenden.

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