Das Waldmössinger Seniorenheim ist insolvent. Foto: Schönfelder

Das Waldmössinger Pflegeheim ist insolvent. Das Rottweiler Amtsgericht eröffnete am Mittwoch das Verfahren.

Binnen kürzester Zeit an die Wand gefahren wurde das erst im Juli 2023 eröffnete Pflegeheim an der Heimbachstraße in Waldmössingen. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Stuttgarter Rechtsanwalt Holger Leichtle bestimmt. Die Kanzlei bestätigte dies. Weitere Aussagen wie zu den Hintergründen der wirtschaftlichen Schieflage und dem weiteren Vorgehen waren noch nicht zu erfahren.

 

Unsere Redaktion fragte zudem Arvid Kunkel als Geschäftsführer der Stegwiesen Pflegezentrum GmbH an. Dieser meldete sich bis Redaktionsschluss nicht zurück.

Probleme von Anfang an

Das Waldmössinger Pflegeheim hat 68 Pflegeplätze und 16 Tagespflegeplätzen. Schon von Anfang an stand das Großprojekt in der Ortsmitte unter keinem guten Stern.

So verzögerten sich die Bauarbeiten durch die Corona-Pandemie als auch Lieferschwierigkeiten von Firmen. Auch die Baugenehmigung ließ auf sich warten – beispielsweise wegen des Hochwasserschutzes.

Als Referenzobjekte wurden immer wieder weitere Pflegeheime des Betreibers Stegwiesen Richtung Bodensee ins Feld geführt. Von dort wurde nichts Nachteiliges berichtet.

Der Betrieb startete hoffnungsvoll. Foto: Archiv Herzog

Immer wieder wurde im Ortschaftsrat und bei Bürgern das Thema Pflegekräfte angesprochen. Der akute Fachkräftemangel war von Anfang an eine enorme Herausforderung.

So unterzeichneten Pflegekräfte bereits Arbeitsverträge. Da das Pflegeheim erst verspätet fertiggestellt wurde, liefen die Verträge bereits, ohne dass die Arbeitskräfte tätig werden konnten. Bezahlt werden mussten sie natürlich trotzdem.

Probleme mit dem Personal

Auch nach dem Beginn des Betriebs gab es ein ständiges Auf und Ab. Mal lief es gut, mal hakte es gewaltig. Immer wieder gab es Probleme mit dem Personal, so ist zu hören. Es gab eine hohe Fluktuation, Arbeitskräfte kündigten rasch wieder.

Außerdem waren die Pflegekräfte offenbar überlastet. So lagen manche Pflegebedürftigen oft viel zu lange in der gleichen Position. Das Essen sei mal warm und mal kalt serviert worden. Teilweise brachten gar Angehörige manche Speisen mit, da diese nicht vorhanden waren.

Es wurde viel investiert. Foto: Schönfelder

Zudem war die Sprachbarriere offenbar ein Problem – viele Pflegekräfte waren der deutschen Sprache kaum mächtig. Die Verständigung mit den Senioren war dementsprechend schwierig bis nahezu unmöglich.

Bemüht waren die Pflegekräfte stets, aber die ganzen Umstände erschwerten die Arbeit und auch die Pflegebedürftigen litten unter der Situation.

Im Ort waren die Pflegekräfte und -bedürftige derweil schon längst integriert. Die Spaziergänge – beispielsweise Richtung Weiherwasen – gehörten schon quasi zum Ortsbild.

Wie es nun weitergeht mit dem nahezu nagelneuen Pflegeheim ist derzeit noch völlig offen.