2024 wurde in Bad Wildbad noch der Wettbewerb Enduro-1-Challenge ausgetragen. Nun ist völlig unklar, wie es mit dem Bikepark weitergeht. Foto: Carsten Knöller

Am 31. Dezember gehen die Lichter aus: Der Bad Wildbader Bikepark und der Fahrradladen Adventure Bikes sind dann erst mal Geschichte. Die Betreiber sprechen von einer Überraschung.

Sechs Strecken, insgesamt zehn Kilometer Länge – das zeichnet den Bikepark auf dem Bad Wildbader Sommerberg aus. Zum 31. Dezember wird diese Touristenattraktion den Betrieb einstellen.

 

Das haben die beiden Verantwortlichen Alexander Heselschwerdt und Heiko Rittmann nun bekanntgegeben. „Diese Entscheidung wurde nicht von uns getroffen und kam für uns ebenso unerwartet wie für viele Menschen in der Region“, erklären die beiden.

Auch Fahrradladen Adventure Bikes betroffen

Ebenfalls betroffen davon ist der Fahrradladen Adventure Bikes im ehemaligen Wildbader Hallenbad, der gleichermaßen zum Jahresende schließt.

„Wir hätten weitermachen wollen“, bekräftigen Heselschwerdt und Rittmann in ihrer Mitteilung. Die Entscheidung habe jedoch der Investor getroffen. Dies sei für beide überraschend gekommen.

Heiko Rittmann (links) und Alexander Heselschwerdt Foto: Bernd Mutschler

Die wirtschaftlichen Bedingungen der Fahrradbranche hätten sich zuletzt stark verändert. Fest steht: Im Sommer dieses Jahres berichteten zahlreiche überregionale Medien übereinstimmend, der Boom der Corona-Jahre sei auch in Deutschland vorbei. 2024 verzeichnete die Branche schrumpfende Verkaufszahlen. 3,85 Millionen Rädern wurden verkauft. Im Rekordjahr 2022 waren es noch knapp fünf Millionen gewesen.

Für Heselschwerdt und Rittmann sei der anstehende Schlussstrich ein schwerer Schritt. „Es ist ein Stück Identität“, sagt Heselschwerdt. „Wir haben so viele Menschen kennengelernt, so viele Geschichten erlebt. Dafür sind wir unglaublich dankbar.“

Abschied vom Bikepark fällt besonders schwer

Besonders schwer falle dabei der Abschied vom Bikepark, den sie, wie sie unterstreichen, mit viel Herzblut betrieben hätten. Denn der Park mache nicht nur im Sommer Arbeit; der härteste Teil des Jahres beginne erst nach Saisonende. „Von Dezember bis Februar sind wir regelmäßig oben auf den Strecken, oft bei Regen oder Schnee“, erzählt Rittmann. „Ohne diese Winterarbeit gäbe es keine sichere Saison.“

Anfang des Jahres habe sich zwar der Bikepark-Vertrag mit der Stadt automatisch um fünf Jahre verlängert – Besitzer ist die Stadt, die Betreiber sind die Pächter –, doch wie es weitergehen könnte, ist aktuell noch unklar.

Es solle Gespräche mit der Stadt geben, heißt es in der Mitteilung. Es gehe darum, wie der Park langfristig erhalten werden könnte – vielleicht durch eine Vereinsstruktur, vielleicht durch ein anderes, neues Modell. Klar sei: Der Bikepark habe Bad Wildbad weit über die Region hinaus bekannt gemacht.

Für den Fahrradladen scheint es dafür derzeit keine Hoffnung zu geben. Bis kurz vor Jahresende laufe nun der Ausverkauf.

2021 hatten Heselschwerdt und Rittmann den Bikepark übernommen – Schwierigkeiten folgten bald. „Der Lift hat uns das Genick gebrochen“, sagte Heselschwerdt im Frühjahr 2024 im Gespräch mit unserer Redaktion. Den hatten sie dem Vorbesitzer abgekauft, der habe aber viele Probleme gemacht und sei immer wieder ausgefallen.

„Wir mussten mit positivem Kontostand Insolvenz anmelden“

So mussten sie trotzdem die Raten für den Lift bezahlen, konnten ihn aber nicht nutzen. Die Folge – inklusive Rechtsstreit: „Wir mussten mit positivem Kontostand Insolvenz anmelden“, erklärt Heselschwerdt. Das Insolvenzverfahren wurde zum 1. Februar 2023 eröffnet.

Sie gründeten eine neue GmbH, übernahmen Park und Fahrradgeschäft und starteten noch einmal neu. Doch die Bedingungen waren schwierig. Die Leute hätten einfach nicht das Geld gehabt, um mehrmals zu kommen, berichteten die Pächter vergangenes Jahr. 2023 hatte der Park daher immer nur am Wochenende geöffnet.

„Adventure Bikes hinterlässt Spuren“

Heselschwerdt und Rittmann zeigten sich dennoch optimistisch. Die Hoffnung war offenbar vergebens.

Dennoch sind sie sicher: „Adventure Bikes hinterlässt Spuren“, sagen sie. „Und viele hoffen, dass der Bikesport in Bad Wildbad auch über die Schließung hinaus eine Zukunft haben wird.“