Das Cybercrime-Zentrum und das Landeskriminalamt melden Erfolg. Ein Jugendlicher soll für die Schmierereien in Bad Herrenalb verantwortlich sein – und für weitere Straftaten.
Anfang des vergangenen Jahres sorgten Schmierereien im Bad Herrenalber Klosterviertel für Aufregung. „No Lives Matter“ wurde da unter anderem an eine Garagenwand gesprüht, dazu ein Hakenkreuz (das später notdürftig übersprüht wurde) und die Abkürzungen „NLM x MSK“. Mittlerweile haben die Behörden einen Verdächtigen festgenommen.
„Auf der Grundlage einer Mitteilung der britischen Behörden sowie von NCMEC-Hinweisen aus den Vereinigten Staaten von Amerika ist es dem bei der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe eingerichteten Cybercrime-Zentrum und dem Landeskriminalamt Baden-Württemberg gelungen, einen Jugendlichen aus Württemberg zu ermitteln, der im Verdacht steht, dem Community-Netzwerk „No Lives Matter“ anzugehören“, teilen das Cybercrime-Zentrum und das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg in einer gemeinsamen Pressemeldung mit.
Hinweise aus Großbritannien und den USA
Das NCMEC ist die Abkürzung für „National Center for Missing & Exploited Children“, auf Deutsch Nationales Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder. Es handelt sich dabei um eine private gemeinnützige Organisation, die 1984 vom Kongress der Vereinigten Staaten gegründet wurde.
Das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg (LfV) antwortete bereits im August des vergangenen Jahres auf die Anfrage unserer Redaktion: „Die ‚No Lives Matter‘-Gruppierungen und Online-Netzwerke sind dem LfV grundsätzlich bekannt. Uns liegen aber keine Erkenntnisse zu in Baden-Württemberg ansässigen Akteuren im Kontext ‚No Lives Matter‘ vor.“ Diese Gruppierungen und Netzwerke seien „ein internationales Phänomen. Diesbezügliche Inhalte sind auf anonymen Image-Boards sowie Telegram- und Discordgruppen offen im Internet zu finden und lassen in der Regel keinen Rückschluss auf einen regional agierenden Personenzusammenschluss zu.“
Wohnung des Jugendlichen durchsucht
Das scheint sich mittlerweile geändert und die Erkenntnisse zu einer Durchsuchung geführt zu haben. „Die Wohnung des Jugendlichen wurde bereits vergangene Woche unter anderem wegen des Tatverdachts des Verschaffens und Besitzes kinderpornografischer Inhalte und einer Straftat nach dem Waffengesetz durchsucht“, heißt es in der Mitteilung von Cybercrime-Zentrum und LKA weiter.
Es bestehe der Verdacht, „dass der Jugendliche für Graffitischmierereien in Bad Herrenalb, die unter anderem die Bezeichnung ,No Lives Matter’ enthalten, verantwortlich ist“.
Dem Jugendlichen liege „zudem zur Last, im Jahr 2025 von einem im europäischen Ausland wohnenden damals 13-jährigen Mädchen kinderpornografische Inhalte übersandt bekommen zu haben und das Mädchen unter Anwendung von Drohmitteln dazu aufgefordert zu haben, ihm weitere solche Aufnahmen zu übersenden. Darüber hinaus wird ihm eine Straftat nach dem Waffengesetz vorgeworfen.“
Selbstverletzung und Missbrauch von Tieren
Es bestehe der Verdacht, dass die Mitglieder des Online-Netzwerks nihilistische und akzelerationistische Ideologien verfolgen. Demnach werbe „No Lives Matter“ für verbrecherische Handlungen und fordere zu Selbstverletzungen und Missbrauch von Tieren auf. Das Ziel der Community sei eine Abschaffung aller gesellschaftlichen Standards.
Die Online-Plattform „Volksverpetzer“ bezeichnet „NLM“ als „dezentrales, online organisiertes Terror-Netzwerk mit satanistisch-nihilistischem und neonazistischem Hintergrund“. Die Gruppe propagiere offen menschenverachtende Ideologien, „ihre Anhänger bezeichnen sich als radikale Menschenhasser, die ‚Gewalt, Terrorismus und die Zerstörung der Menschheit‘ befürworten“. „NLM“ glorifiziere den Tod und rufe „zu wahllosen Tötungsaktionen auf, um die Menschheit zu ‚läutern‘“. Laut „Volksverpetzer“ würden „etwa Messerattacken, Brandanschläge, Amokläufe und Auftragsmorde von NLM-Ideologen als erstrebenswerte Taten dargestellt“.
Sicherheitsbehörden weltweit verfolgen „NLM“
Sicherheitsbehörden weltweit verfolgten „NLM“ demnach mittlerweile mit hoher Priorität. Das US-Justizministerium stufe diese und andere Gruppierungen intern als „Tier One – Terrorismusbedrohung – also höchste Gefahrenstufe“ ein.
Zuletzt hatten das LKA und Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) vor den Kanälen und Chat-Gruppen der sogenannten Terrorgram-Szene gewarnt. Ihr verbindendes Element sei weniger eine Ideologie als die Faszination für extreme Gewalt, für Terror und gesellschaftlichen Zusammenbruch.
Ob der Jugendliche aus Bad Herrenalb, einer umliegenden Gemeinde oder aus einem anderen Ort stammt, ist nicht bekannt. „Mit Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen sowie die Persönlichkeitsrechte der Beteiligten“ gaben die Behörden keine weiteren Auskünfte. Ein Haftbefehl sei nicht erlassen worden.