Fußball-Fans aus Freudenstadt müssen sich zur WM einen anderen Ort zum Mitfiebern der Spiele suchen – denn auf dem Marktplatz findet kein Public Viewing statt. Was die Stadt dazu sagt.
Public Viewing gehört für viele Menschen genauso zur Fußball-Weltmeisterschaft wie die Spiele selbst. Für viele ist das gemeinsame Anschauen auch erst der Grund, sie zu verfolgen. Auch in Freudenstadt zog die Liveübertragung regelmäßig hunderte bis tausende auf den Marktplatz – zuletzt bei der Europameisterschaft 2024.
Damit soll in diesem Jahr Schluss sein. Denn bei der WM in einem Monat wird es kein Public Viewing mehr geben. Das bestätigt Volker Rath, Pressesprecher der Stadt Freudenstadt, auf Anfrage unserer Redaktion. Doch was steckt hinter dieser Entscheidung? Unsere Redaktion hat nachgefragt.
„Notwendige Ressourcen fehlen“
Organisiert worden sei das Public Viewing bislang von der Freudenstadt Tourismus. „Doch die sind in diesem Jahr durch den Neustart im Tal X sowie die zahlreichen anderen Veranstaltungen auf dem Marktplatz voll verplant“, erklärt der Pressesprecher. „Insofern fehlen für ein Public Viewing zur Fußball-WM 2026 die notwendigen Ressourcen.“
Dabei sagte Oberbürgermeister Adrian Sonder ursprünglich, die „finanziellen Ressourcen“, die für das Tal X gebraucht werden, würden weitere Finanzen und Angebote der Stadt nicht beeinträchtigen. Denn eigentlich sollte der Neustart des Erlebnisraums Tal X aus dem überschüssigen Finanztopf der Gartenschau 2025 bezahlt werden.
Carolin Schölzl, Geschäftsführerin des Tal X und Freudenstadts Tourismusdirektorin, begründet die Entscheidung gegen ein Public Viewing zum einen mit „zu wenig Personal“. Zum anderen teilt sie unserer Redaktion mit, dass die Ausstrahlung zu kostenintensiv sei – deswegen sei bereits gar nicht im aktuellen Haushaltsjahr damit gerechnet worden. So habe allein die Ausstrahlung der Europameisterschaft 2024 auf dem Marktplatz einen mittleren fünfstelligen Betrag gekostet.
Public Viewing ist Tourismus-Aufgabe
Als weiteren Grund nennt sie, dass ein Public Viewing in diesem Jahr „nicht ,tourismusorientiert’“ wäre. Hintergrund sei, dass die Veranstaltung in das Aufgabenfeld der Freudenstadt Tourismus falle.
Und da die Veranstaltung zuletzt bei der Europameisterschaft 2024 stattgefunden habe, als die dänische Nationalmannschaft zu Besuch in Freudenstadt gewesen sei, habe sich das Public Viewing dadurch auch für den Tourismus deutlich angeboten.
Aber ist nicht ein Angebot, welches sich in erster Linie an die Bürger Freudenstadts richtet, Grund genug für ein Public Viewing? Auf diese Frage antwortet Schölzl: „Klar, das wäre für die Einwohner wirklich schön, aber personell könnten wir es aufgrund der Kosten und anderen Veranstaltungen einfach nicht stemmen.“
Außerdem sagt sie, die Stadt sei nicht dazu verpflichtet, eine Liveübertragung zu veranstalten. „Es gab auch schon andere WM-Jahre, in denen hier nichts stattfand“, erinnert sich die Geschäftsführerin.
Ein Großteil der WM-Spiele findet in diesem Jahr aufgrund der Zeitverschiebung spät abends und nachts statt. Für viele Städte und Kommunen war die späte Uhrzeit ausschlaggebend, ein Public Viewing abzusagen.
Anders sieht es in Freudenstadt aus: Offenbar war der späte Anstoß für die Stadt kein Grund, auf eine Liveübertragung zu verzichten. Denn wie Schölzl mitteilt, sei für die Stadt von Anfang an klar gewesen, dass kein Public Viewing auf dem Marktplatz stattfinden werde.