Der vorläufige Insolvenzverwalter Dirk Pehl hat die Mitarbeiter von BBS am Freitagvormittag bei einer Betriebsversammlung über die wirtschaftliche Lage informiert. Für den Felgenhersteller aus Schiltach sieht es demnach düster aus.
Der vorläufige Insolvenzverwalter des Felgenherstellers BBS Autotechnik, Dirk Pehl von der Kanzlei Schultze und Braun, hat am Freitagvormittag die Mitarbeiter bei einer Betriebsversammlung über den aktuellen Stand des Verfahrens informiert.
Die Versammlung sei „kurz und schmerzlos“ verlaufen, berichtet ein langjähriger Mitarbeiter von BBS im Gespräch mit unserer Redaktion. Schnell sei klar geworden, dass die Situation nicht gut ausschaue. Immerhin gab es auf einige drängende Fragen der Belegschaft nun Antworten: Wird ihnen Insolvenzgeld in Aussicht gestellt? Was ist mit den Markenrechten und dem Kauf der Felgenfabrik in Werdohl durch BBS?
Von den Ergebnissen berichtet die Kanzlei nun in einer Pressemitteilung: „Der wichtigste Punkt aus Sicht der Mitarbeiter ist natürlich, dass das Insolvenzgeld beantragt ist. Eine Entscheidung der Agentur für Arbeit erwarte ich in der kommenden Woche. Aus meiner Sicht gibt es keine rechtlichen Hürden, die gegen eine Gewährung von Insolvenzgeld in dieser Situation sprechen“, sagt Pehl. Mit dem Insolvenzgeld erhalten die Mitarbeiter für bis zu drei Monate ihre Nettolöhne und -gehälter in voller Höhe – bis zur Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung – ausbezahlt. „Abgesichert wären in dieser Form die Monate Juli bis einschließlich September“, sagt Pehl.
Geschäftsführung hält sich bedeckt
Kontakt zur Geschäftsführung konnte der vorläufige Insolvenzverwalter bisher nur kurz herstellen. „Wir hatten ein kurzes Telefonat am 26. Juli, relativ zeitnah nach dem Insolvenzantrag und meiner Bestellung zum vorläufigen Verwalter. Ein persönliches Treffen vor Ort bei BBS, das wir in diesem Telefonat vereinbart hatten, hat die Geschäftsführung jedoch nicht wahrgenommen“, berichtet Pehl. Weiteren Kontakt habe es seitdem nicht gegeben. „Ich finde das bedauerlich und würde mir mehr Engagement der Geschäftsführung wünschen, um schnell Klarheit über die Situation bei BBS schaffen zu können“, sagt Pehl laut Mitteilung.
Auch Anfragen unserer Redaktion bei der für BBS zuständigen PR-Agentur sind nach wie vor unbeantwortet geblieben.
Markenrechte liegen nicht bei BBS
Zum Thema Markenrechte betonte der vorläufige Insolvenzverwalter, dass diese nicht bei der BBS Autotechnik liegen. Nach der Übernahme durch die neuen Investoren hatte es einen Streit zwischen BBS und Altgesellschafter KW Automotive um die Markenrechte gegeben, der im Juni eigentlich für beendet erklärt worden war. Wie nun bekannt geworden ist, wurde ein geplanter Rückkauf der Markenrechte durch BBS jedoch nicht vollzogen. Die Vermutung liegt nahe, dass die Rechte noch bei KW-Geschäftsführer Klaus Wohlfahrt liegen, was die Kanzlei jedoch weder bestätigen noch dementieren konnte.
Kauf der Fabrik in Werdohl geplatzt
Ebenso sei der Kauf der Fabrik des ebenfalls insolventen Felgenherstellers Superior Industries im nordrhein-westfälischen Werdohl durch die BBS Autotechnik rechtlich nicht zustande gekommen, weil BBS die notwendigen Voraussetzungen dafür nicht mehr schaffen konnte.
Investoren zeigen offenbar Interesse
Pikant: Informationen der Lokalzeitung „Süderländer Volksfreund“ zufolge habe jedoch die IS Holding, die BBS nach der vierten Insolvenz im vergangenen Dezember übernommen hat, signalisiert, dass sie in den Kaufvertrag, den BBS jetzt nicht mehr erfüllen könne, einsteigen wolle. „Unklar ist nur noch, wie das geschehen soll“, zitiert die Zeitung Jens Lieser, Insolvenzverwalter von Superior Industries.
„Wir stehen noch am Anfang“
Der vorläufige Insolvenzverwalter Pehl prüfe derzeit die wirtschaftliche Situation der BBS Autotechnik sowie mögliche Perspektiven, heißt es in der Mitteilung weiter. „Wir stehen dabei aber noch am Anfang und stehen in einer sehr herausfordernden Situation. Daher können wir zu konkreten Perspektiven noch keine Aussagen treffen“, sagt Pehl.
Für den Felgenhersteller BBS ist es bereits die fünfte Insolvenz. Die nun von dem vorläufigen Insolvenzverfahren betroffene BBS Autotechnik hatte den Geschäftsbetrieb erst mit Beginn des Jahres 2024 aus dem vierten Insolvenzverfahren heraus übernommen.