An der Frage, ob sich die Strecke zwischen Kandern und Weil am Rhein für einen S-Bahn-Betrieb eignen würde – hier ein Nahverkehrszug am Bahnhof Kandern im Jahr 2019 – scheiden sich die Geister auch bei den Unternehmern im Kandertal. Foto: WZ-Archiv

Mit dem „Nein“ aus Weil am Rhein zur Finanzierung der Kandertalbahn steht auch die Frage nach dem Sinn einer S-Bahn erneut im Raum. Was denken Unternehmer im Kandertal?

Einer, der sich bereits seit Längerem öffentlich dazu bekennt, Befürworter einer S-Bahn im Kandertal zu sein, ist Friedrich Resin. Zusammen mit weiteren Unternehmern, etwa Wolfgang Würzburger (Weil am Rhein), Alfred Munz oder der Firma Arnold (Kandern) ist er auf der Internetseite der Interessengemeinschaft pro Kandertalbahn als Unterstützer aufgeführt.

 

Es sei aus seiner Sicht absolut sinnvoll, die S-Bahn auszubauen, sagt der Inhaber und Geschäftsführer des Büroausstatters Resin mit Sitz im Regionalen Gewerbepark Dreiländereck.

Die Bevölkerung im Kandertal wachse, viele würden in Basel arbeiten.

Hinzu komme: Wenn man sich umschaue – der Verkehr und die großen Parkplätze im Gewerbegebiet seien sichtbare Zeichen eines nicht zufriedenstellend ausgearbeiteten Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV).

„Busse stehen regelmäßig im Stau“

Busse seien keine ideale Lösung, sie würden regelmäßig im Stau stehen, etwa in Haltingen. „Ich bin der Meinung, eine Bahn würde eine starke Verbesserung bringen“, sagt der Unternehmer, dessen Mitarbeiter zum größten Teil aus den umliegenden Orten, aus Weil am Rhein, Kandern und Efringen-Kirchen kommen.

Seines Wissens werde der Bau der Bahn fast vollständig vom Land Baden-Württemberg bezahlt. Die nun für die Anliegerkommunen damit einhergehenden Kosten seien allerdings in der Tat hoch – „das ist teuer“.

Verständnis für Sorgen der Anlieger

Auch wenn er die Sorgen der unmittelbaren Bahn-Anlieger, etwa in Binzen, verstehe, halte er eine S-Bahn dennoch für sinnvoll. Auch andernorts, etwa in Basel, würde die Tram-Bahn durch dicht bebautes Gebiet fahren.

Technisch sei es heute möglich, die Bahn auch batteriebetrieben fahren zu lassen, so dass keine Oberleitung und entsprechende Masten notwendig seien.

Teilweise würde die S-Bahn eng an Wohnhäusern entlangfahren, etwa hier in Haltingen Foto: Beatrice Ehrlich

Grundsätzlich dauere die Entscheidung, die Reaktivierung der Kandertalbahn auf den Weg zu bringen, schon viel zu lang. Die aktuelle Debatte um die Finanzierung der Planungsphasen I und II und die Beteiligung der Anliegerkommunen daran hält er für ein politisches Manöver mit dem Ziel, das Projekt zu verhindern.

„Den Fokus eher auf andere Dinge richten“

„Ich finde, das ist zu teuer“, sagt Heike Gümpel auf die Frage zu ihrer Meinung betreffs einer S-Bahn im Kandertal. Sie führt seit 2019 den Industriebetrieb BSD in Rümmingen, der Präzisionsdrehteile herstellt und deutschlandweit ausliefert.

Mit dem Bau der Strecke wären zu große Eingriffe in die umgebende Natur verbunden, findet sie.

Außerdem kann die gelernte Speditionskauffrau, die seit zehn Jahren in Kandern wohnt, sich nicht vorstellen, dass die Nachfrage hoch genug wäre, dass sich der Betrieb einer solchen Bahn lohnen würde.

Mit Auto und Bus gut versorgt

Sie selbst fahre gern im Auto. Ihre Tochter, die ebenfalls in Kandern wohnt, nutze den Bus und sei damit sehr zufrieden: „Sagen wir es so: Wir haben schon ein gewisse Infrastruktur, und wir haben ja auch in Kandern viele Geschäfte, in denen wir einkaufen können.“

Wenn sie eines Tages selbst auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sei, würde sie in erster Linie nach Lörrach fahren wollen, wo sie herstammt. Da würde eine Kandertal-S-Bahn sie nicht weiter bringen, meint sie.

Für ihre zehn Mitarbeiter sei das eher keine Notwendigkeit, sagt Gümpel. Sie wohnen in Binzen, Weil, Steinen und Schopfheim und kämen zumeist mit dem Auto.

Auch betrieblich würde ihr eine solche Bahn nicht weiterhelfen. Ihre Rohmaterialien bekommt sie mit Lastwagen hauptsächlich aus dem Schwarzwald angeliefert. Und da BSD sehr kleine Drehteile herstelle, bewege sich ihr Auslieferungsverkehr lediglich in Päckchengröße.

Missstände in Schulen und auf Straßen

Gümpel findet, es sei wichtiger, Geld in die Hand zu nehmen, um bestehende Missstände schneller zu beheben. „Wenn ich sehe, wie kaputt die Straßen sind oder beispielsweise die sanitären Anlagen in der Grundschule in Kandern, dann muss ich sagen: Wir haben so viele Baustellen.“ Man müsse den Fokus eher auf andere Dinge richten, meint sie.

Und nicht zuletzt: Wenn es sich wirklich lohnen würde, dann wäre die S-Bahn längst gebaut worden, ist Gümpel überzeugt, die bei einer entsprechenden Umfrage bereits aktiv ihr Veto gegen die Reaktivierung eingelegt hat.

„Bahn ist immer besser als Bus“

Markus Hügel, der seit 1992 das gleichnamige Gartenbauunternehmen in Rümmingen führt, ist überzeugter Befürworter der Kandertalbahn. „Ich sehe darin eine absolute Chance für unsere Region“, sagt der Unternehmer, der für die CDU auch im Kreistag sitzt. Viele in der Region würden nach Basel pendeln. „Bahn ist immer besser als Bus“, ist er überzeugt.

Das Kandertal sei eine Zuzugsregion, wenn man jetzt die Chance habe, die Infrastruktur entsprechend anzupassen, solle man diese nutzen. Erst recht, wenn dies „zu 90 Prozent“ gefördert werde. Man müsse das Kandertal als Entwicklungsachse sehen. „Ich finde das gut und richtig – fürs ganze Kandertal.“

Hügel denkt dabei vor allem an seine rund 60 Mitarbeiter, darunter Auszubildende, von denen viele mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Aber auch er selbst könnte sich vorstellen, einst mit der S-Bahn von seinem Wohnort Kandern zum Betrieb nach Rümmingen zu fahren.