Der erste Ruster Stolperstein ist Mathilde Dreifuß gewidmet. Foto: Decoux

Der erste Stolperstein in Rust gilt der Erinnerung an Mathilde Dreifuß. Dieser wurde in der Hindenburgstraße verlegt. Dreifuß wurde am 10. August 1942 nach Auschwitz deportiertund ermordet.

Man stolpere mit Kopf und Herz und nicht mit dem Fuß, erklärte Gunter Demnig, nachdem er in Rust den ersten Stolperstein verlegt hatte. An dem ehemaligen Wohnhaus von Mathilde Dreifuß in der Hindenburgstraße 26 hat der Künstler in einer Feierstunde am Samstagnachmittag den Stolperstein präsentiert. Er soll an Dreifuß, geboren am 4. Oktober 1885, 1940 nach Gurs deportiert und 1942 in Auschwitz ermordet, erinnern.

 

Man mache ihm häufig den Vorwurf, dass er Stolpersteine des Geldes wegen und sehr routiniert verlege, sagte Demnig. Klar könne er Steine mittlerweile aus dem Effeff sogar im Dunkeln verlegen, doch es ginge ihm bei dieser Aktion um das Schicksal und die Geschichte, die hinter jeder Person stehen, erklärte Demnig und erzählte berührende Familienschicksale, die ihm in den vielen Jahren seiner Stolpersteinverlegung begegnet sind.

Die Initiative für seine Aktion müsse auch immer von den Orten selbst kommen, betonte Demnig. Jeder, der die Inschrift auf einem verlegten Stolperstein lesen möchte, müsse sich mit dem Oberkörper nach unten bewegen, was Demnig als Verneigung vor der Person verstehen möchte.

Der Musikverein begleitete die Verlegung musikalisch. Foto: Decoux

Ein Trio des Musikvereins umrahmte musikalisch die Stolperstein Verlegung und Karl-Heinz Debacher brachte dazu zwei Berches-Brote mit, die er anschnitt und unter den Gästen verteilte.

Berches ist die jüdische Bezeichnung für das Schabbatbrot, was Segen bedeutet, so Debacher. Bei diesem traditionellen jüdischen Brot handelt es sich um Weißbrot in Form eines Zopfes, das die Bäckerei Möhringer in Altdorf auf Anfrage gebacken hatte.

Karl-Heinz Debacher (rechts) Foto: Decoux

Bürgermeister Kai-Achim Klare sprach von einem bedeutenden Tag für Rust und einem besonderen Moment, der an die dunkelste Zeit unserer Geschichte erinnert.

Die kleinen Gedenktafeln aus Messing erinnern an die Schicksale von Millionen Menschen, die von den Nazis verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Sie geben den Menschen ein Gesicht.

Bürgermeister Kai-Achim Klare (von links), Karl-Heinz Debacher und Gunter Demnig gedachten bei der Stolperstein-Verlegung Mathilde Dreifuß. Foto: Decoux

Mathilde Dreifuß war ledig und bis zu ihrer Deportierung nach Gurs als Verkäuferin bei der Firma Haßler tätig. Über das Zwischenlager Drancy wurde sie am 10. August 1942 nach Auschwitz gebracht und ermordet.

Namen von Vergessenen werden wieder in die Öffentlichkeit gerufen

Mathilde Dreifuß wird durch diesen Stolperstein geehrt, so Klare, der Demnig dafür dankte, dass er den Namen vieler vergessener Menschen wieder ins Gedächtnis der Öffentlichkeit ruft und ihnen damit eine würdige Erinnerung schafft.

Mathilde Dreifuß ist eine von vielen Millionen Opfern des NS-Regimes, deren Leben brutal zerstört wurde. „Wir werden den Stolperstein als Mahnmal bewahren und in die Zukunft tragen. Er dient als Appell an die kommenden Generationen, sich stets für Frieden, Toleranz und Menschlichkeit einzusetzen“, betonte der Bürgermeister.

100.000 Stolpersteine

Gunter Demnig hat mittlerweile rund 100 000 Stolpersteine in 32 Ländern verlegt. Den ersten seiner Art im Dezember 1992 vor dem Historischen Rathaus in Köln, um an die verfolgten Sinti und Romas in der NS Zeit zu erinnern.