Das Unternehmen baut sein europaweites Netz mit Robotern aus. Unsere Redaktion hat am Sitz auf dem Flugplatz den Weg eines Artikels von der Bestellung bis zur Lieferung nachverfolgt.
Seit der Logistikknotenpunkt im Lahrer Industriegebiet 2015 eröffnet wurde, hat sich dort viel getan – vor allem in Sachen Automatisierung. Betritt man die riesige Anlage, ist man von deren schierer Größe beeindruckt – mehr als 130.000 Quadratmeter umfasst sie.
Bei einer Führung durch den Standort erklärt Führungskraft David Gebhard unserer Redaktion den Weg eines Artikels von der Bestellung bis zu dessen Lieferung zum Kunden vor die Haustüre. Dynamische Lagerhaltung sei hier das Zauberwort. Die Software, die der Moderiese benutzt, wird in dessen Berliner Tech-Hubs selbst hergestellt, darunter das intelligente Warenwirtschaftssystem „Zalos“. Dieses erkennt, wo im Lagersystem eine eingegangene Bestellung liegt und vermittelt die Daten an „Picker“ – Warenkollektoren, die menschliche oder im speziellen Fall des Lahrer Logistikzentrums auch nichtmenschliche Mitarbeiter sein können.
Den Zalando-Mitarbeitern sollen repetitive Aufgaben erspart bleiben
Zalando Lahr setzt für das Einsammeln von Bestellungen in dessen Lagersystem auf KI-gestützte Bilderkennung: Spezielle „Shoe-Pick-Roboter“ der Firma Magazino aus München sammeln Schuhkartons mit ihren Greifern ein, um den menschlichen Mitarbeitern repetitive Aufgaben zu ersparen und die Prozessgeschwindigkeit zu steigern. Die rund 1700 Standortbeschäftigten laufen je nach Beschäftigungsart im Logistikzentrum bis zu zwölf Kilometer am Tag, berichtet Gebhard auf der Führung durch den Standort – da sei Automatisierung willkommen.
Der neue Stern am Himmel der Automatisierung im Lahrer Standort seien jedoch die KI-gestützten Roboter der polnischen Firma No Magic. Im Herbst 2025 wurden sie erstmals in den Arbeitsablauf des Standorts integriert. Die Roboterarme übernehmen das Greifen, Scannen und Einsortieren von Artikeln und entlasten so die Logistik-Teams bei der Arbeit.
„Die Fehlerquote ist extrem gering“, erzählt Gebhard. Das einzige Manko der autonomen Arme sei, dass diese ab und an Probleme mit dem Sortieren von Artikeln wie Schuhboxen hätten. Sei dies der Fall, so versucht es der KI-gesteuerte Roboter noch zwei Mal, danach wird ein Produktionsmitarbeiter benachrichtigt. Das System verfügt über die Fähigkeit, intelligent zu lernen und Fehler, die es einmal gemacht hat, beim nächsten Mal zu vermeiden.
Herzstück des Gebäudekomplexes ist ein hoch in der Luft über den Köpfen der Mitarbeiter schwebendes Schienennetz, der sogenannte „Bag-Sorter“. Aufgabe der Anlage ist es, die Artikel, nachdem sie gesammelt wurden, zu einzelnen Bestellungen zu sortieren.
Technischer Ausbau ändert nichts an der Zahl der Angestellten
Jeder Artikel wird in eine Tasche gelegt und von dort aus zwischengelagert, sortiert und automatisch zu den Packstationen transportiert. Die Lagerkapazität der Anlage fasst rund 800.000 Taschen, so Gebhard. Ursprünglich sei sie vor allem zum Sortieren der Ware gedacht gewesen, allerdings wurde die Anlage von Zalando so angepasst, dass sie auch als Zwischenlager für „Schnelldreher“ dient.
Das sind Produkte, die aufgrund hoher Nachfrage schnell und in großen Mengen verkauft werden. Im nächsten Schritt landet ein Artikel im „Wannen-Lager“ und wird von hier aus zu einem Pack-Arbeitsplatz befördert.
Der technische Ausbau und die Nutzung von KI in den Systemen ändern nichts an der Zahl der menschlichen Angestellten – ganz im Gegenteil, wie Gebhard bei dem Rundgang erzählt. „Menschen sind in dem Prozess nach wie vor unersetzbar“, betont er und führt weiter aus, dass der technische Ausbau und die Integration und Weiterentwicklung der KI als Unterstützung der Mitarbeiter dienen.
Anne Frohnmayer, als Corporate Communications Managerin für die internen und externen Kommunikationsmaßnahmen des Unternehmens zuständig, betont die nach wie vor bestehende Bedeutung der menschlichen Arbeit bei Zalando: „Die interne Kommunikation findet in bis zu acht Sprachen statt. Besonders stolz sind wir auf unsere Inklusionsprojekte, wie die Kooperation mit den Lahrer Werkstätten und das Gehörlosenprogramm“, so Frohnmayer. Aufgrund der Nähe zur Grenze höre man viel Französisch im Inneren des Zentrums. „Das ist natürlich super, wenn man sprachen lernen will, da kriegt man viel mit“, scherzt David Gebhard.
Zalando Lahr
Die Fläche des Lahrer Logistikstandorts erstreckt sich auf circa 130.000 Quadratmeter. 2016 folgte etwa ein Jahr nach Entstehung des Standorts der Versand des ersten Pakets aus dem Knotenpunkt. Zalando beschäftigt in Lahr rund 1700 Mitarbeiter aus mehr als 60 Nationen. Das Unternehmen stellte seinen Betrieb 2021 vollständig auf nachhaltige Kartonage und Papiertüten um.