Erneut verzögern sich die Arbeiten für schnelles Internet in Neuried. Wann weitergebaut wird, bleibt offen. Die Deutsche Glasfaser hält sich mit Infos zurück. Es gibt Kritik.
Wie in vielen Gemeinden verzögerte sich auch in Neuried der Glasfaserausbau. Nun der nächste Rückschlag: Die Bauarbeiten werden vorübergehend ausgesetzt. Wann es weiter geht bleibt offen. Über den Schritt des Unternehmens Deutsche Glasfaser informierte die Gemeindeverwaltung vor wenigen Tagen – begleitet mit Kritik in Richtung Deutsche Glasfaser. Insbesondere bei der Kommunikation soll es haken.
„Die Deutsche Glasfaser ist alleiniger Auftraggeber des Tiefbaus und Planer für weitere Ausführungen. Mehrere Versuche der Verwaltung, hier eine positive Antwort zur Wiederaufnahme der Arbeiten sowie zur Aufschaltung ans Netz zu erhalten, sind bisher erfolglos“, heißt es in dem von der Gemeinde veröffentlichten Schreiben.
Die Mitteilung im Amtsblatt habe vor allem das Ziel gehabt, die Bürger transparent darüber zu informieren, dass der Ausbau derzeit ins Stocken geraten ist. „Viele Menschen vor Ort fragen verständlicherweise nach dem aktuellen Stand, weshalb uns eine offene Kommunikation wichtig war“, erklärt Bürgermeister Tobias Uhrich auf Anfrage unserer Redaktion.
Gespräche mit dem Subunternehmen
Bekanntlich setzt die Deutsche Glasfaser bei ihren Projekten auf Subunternehmer. Für die Tiefbauarbeiten in Neuried ist das Unternehmen Geodesia zuständig. Die Gemeinde vermutet zwischen der Deutschen Glasfaser und „Geodesia“ Differenzen. „Weiter wurde in Erfahrung gebracht, dass die Kommunikation zwischen der Deutschen Glasfaser und ,Geodesia’ ins Stocken geraten ist und interne strukturelle Probleme derzeit nicht gelöst werden können“, heißt es in dem Schreiben. Neuried bedauere das, da seitens der „Geodesia“ die Zusagen und Ziele erreicht und planmäßig ausgeführt worden seien.
Darauf angesprochen, erklärt die Deutsche Glasfaser: „Aktuell befindet sich Deutsche Glasfaser in intensiven Gesprächen mit dem beauftragten Baupartner ,Geodesia’. Es gehe darum, die Ausbauplanung für den weiteren Projektablauf zu koordinieren, so Pressesprecherin Nora Lippelt. Zu den angesprochenen „strukturellen Problemen“ äußert sich das Unternehmen nicht.
Rathauschef Uhrich betont, dass es ihm nicht um Schuldzuweisungen gehe. „Für mich steht nicht die öffentliche Diskussion über Zuständigkeiten oder mögliche Differenzen zwischen beteiligten Unternehmen im Vordergrund. Die Gemeinde Neuried wird sich deshalb nicht an öffentlichen Schuldzuweisungen gegenüber einzelnen Firmen beteiligen.“
Bereits im Jahr 2021 beschloss der Gemeinderat, den Glasfaseranbau in den Ortsteilen mit der Deutschen Glasfaser anzugehen. Ursprünglich hätte der Ausbau spätestens 2024 beendet sein sollen. Aber schon früh kam Kritik am Vorgehen der Deutschen Glasfaser auf. Dem Unternehmen warf man ein „Hinhalten“ vor. In der Bürgerschaft sorgte der schleppende Ausbau seither immer wieder für Frust. Im Rahmen von Frageviertelstunden hakten Anwohner wiederholt nach. Kritisiert wurde unter anderem ein Mangel an Infos und Transparenz.
Erst im Februar versprach Joe Diehl, Regionalmanager der Deutschen Glasfaser, bei einer Gemeinderatssitzung, dass der Breitbandausbau in Neuried im ersten Quartal 2027 fertiggestellt sein soll. Man habe aus früheren Fehlern gelernt und wolle vor allem die Kommunikation mit den Bürgern verbessern, erklärte der Regionalmanager damals.
Mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen scheint dieses Ziel wieder in Ferne zu rücken. Alternativen zum Ausbau sieht Uhrich jedoch nicht: „Eine leistungsfähige Glasfaserinfrastruktur ist für unsere Gemeinde von großer Bedeutung – sowohl für private Haushalte als auch insbesondere für Unternehmen und Gewerbetreibende.“ Eine unzureichende digitale Infrastruktur stelle zunehmend einen Standortnachteil im ländlichen Raum dar. Die Gemeinde setze sich dafür ein, dass es „zeitnah belastbare Perspektiven“ gebe. „Bis dahin bleibt uns aktuell in Teilen nur die weiteren Entwicklungen abzuwarten und gleichzeitig den Austausch mit allen Beteiligten aufrechtzuerhalten“, erklärt Uhrich abschließend.
Der Tiefbau vor Ort sei gut zur Hälfte abgeschlossen, betont, die Deutsche Glasfaser und verweist auf 47 Prozent fertiggestellte Anschlüsse. Wann aber weitergebaut wird, kann das Unternehmen nicht beantworten. Man werde umgehend informieren, wenn es „verbindliche Planaussagen“ feststehen, so Unternehmenssprecherin Lippelt.
In anderen Gemeinden
In Ettenheim gab jüngst das Unternehmen „Unsere grüne Glasfaser“ (UGG) den Ausbau im Stadtgebiet auf. In Friesenheim wurde der UGG Verzögerungen beim Ausbau vorgeworfen.