Eine abgestorbene Tanne, abgebildet in einer Informationsbroschüre „Wald“ zum Umweltschutz in Baden-Württemberg von 1983 Foto: Stadtarchiv Hausach

Gelbe Nadeln, kahle Äste und große Unsicherheit bestimmten vor 40 Jahren den Blick auf den Schwarzwald. Auch in Hausach wurden schwere Schäden festgestellt.

Das „Waldsterben“ und die Angst um den Schwarzwald waren das beherrschende Umweltthema vor 40 Jahren. „Die Bäume von innen gelb werdend und mit dürren Ästen behangen, bieten ein trostloses Bild“, so beschreibt Forstdirektor Ganter, Leiter des Forstamts Hausach, das Krankheitsbild insbesondere von Tannen und Fichten rund um den Brandenkopf. Die Schäden seien inzwischen „so offensichtlich, daß sie jeder Laie erkennen kann“, führt er nach einer Waldbegehung mit Bürgermeister Manfred Kienzle, Waldbesitzern und Gemeinderatsmitgliedern weiter aus. Die Diagnose war eindeutig: Das Waldsterben hat auch den Hausacher Stadtwald erreicht.

 

Das Thema Waldsterben beherrschte die umweltpolitische Diskussion in den 1980er-Jahren. So auch in der Gemeinderatsitzung von Hausach am 27. Juni 1983. Die Waldbegehung habe ergeben: „Der Wald ist zu 95 bis 100 Prozent krank, das Fazit ist einfach erschütternd.“ In Anwesenheit von Forstdirektor Ganter und Forstoberinspektor Gereke verabschiedete dann der Gemeinderat einstimmig eine Resolution gegen das Waldsterben, wie sie bereits eine Woche zuvor im Ortenau-Kreistag beschlossen worden war.

Auch die Ursachen wurden in den Fokus gerückt

Bestimmten zunächst Zustandsbeschreibung und Schadenserfassung die Diskussion, weitete sich der Blick zusehends auf die Ursachen des Waldsterbens. Die Ursachenforschung ergab ein breitgefächertes Spektrum mit Luftverschmutzung als Kernproblem. Als hauptverantwortlich dafür wurden Schwefeldioxide, Stickoxide, Kohlenwasserstoffe und Schwermetalle benannt, zusammengefasst unter dem Stichwort „saurer Regen“.

„Die eigentliche Ursache“ sei der Mensch, „der das Empfinden für die Verbundenheit mit der Natur dem Glauben an die wissenschaftlich-technische Machbarkeit aller Dinge geopfert hat“, heißt es in einer Informationsbroschüre der Interessengemeinschaft „Rettet den Wald“ von 1983. Die Aussage dieser Interessengemeinschaft des mittleren Kinzigtals spiegelte den zunehmenden Technik-Skeptizismus und den Zeitgeist jener Jahre wider. Und doch waren es letztlich wissenschaftlich-technische Maßnahmen mit der das Waldsterben bekämpft wurde.

Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs war eine Gegenmaßnahme

Als einfache Methode galt die vorbeugende Düngung des Waldes mit Kalk. Der Emissionsschutz – also die Reduzierung von schwerem Heizöl, die Entschwefelung von Brennstoffen sowie die Rauchgasentschwefelung – wurde verstärkt. Bereits in einem Schreiben vom 22. Juni 1983 hatte das Regierungspräsidium Freiburg auf die „Möglichkeiten der Fernwärmeversorgung und der zunehmenden Verwendung von Erdgas“ zwecks Emissionsverminderung hingewiesen.

Weiterhin wurden auf Energieeinsparung und Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs gesetzt. Schließlich wurde das bleifreie Benzin eingeführt sowie die Ausrüstung von Kraftfahrzeugen mit Abgas-Katalysatoren durchgesetzt. Begleitet wurden die Maßnahmen von Initiativen und lokalen Organisationen, Informationskampagnen aber auch Protesten.

In der Region gab es zahlreiche Aktionen

Beispielsweise erging im Oktober 1983 der „Freudenstädter Appell zur Rettung des Waldes“ durch den BUND und andere Bürgerinitiativen. Im Januar 1984 zog eine Demonstration gegen das Waldsterben und für die Katalysatorpflicht für Neuwagen durch Hausach. Auch die lokale Privatwirtschaft beteiligte sich. So bot die „Alpirsbacher Naturhilfe“, initiiert vom Alpirsbacher Klosterbräu-Chef Carl Glauner, ab Februar 1984 eine Vortragsreihe für Bürgermeister zum Thema „Waldsanierung“ an. Im Mai 1984 eröffnete die Kinzigtäler Interessengemeinschaft „Rettet den Wald“ außerdem die Ausstellung „Waldsterben“ in der Schalterhalle der Sparkasse Haslach.

Die Maßnahmen zur Bekämpfung des Waldsterbens zeigten schließlich Wirkung. Rund 20 Jahre später, im Jahr 2003, erklärte die damalige Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast das Waldsterben für beendet.

Die Lage heute

Was sagen die heute verantwortlichen Fachleute dazu? Revierförster Georg Fletschinger, der kürzlich zusammen mit Forstbezirksleiter Mario Herz im Gemeinderat die Hausacher Forstwirtschaftsbilanz vorstellte, führt auf Nachfrage aus, die Sichtweise sei heute eine andere: Er würde heutzutage nicht von „Waldsterben“ sprechen, auch wenn tatsächlich noch einzelne Bäume absterben. Aber er sehe einen „massiven Umbau“ infolge des Klimawandels, so Fletschinger. Fichte, Tanne und Douglasie, mit denen als Wirtschaftsbäume bislang 90 Prozent des Geldes in der Waldwirtschaft erzielt werden, hätten langfristig keine Zukunft. In 100 Jahren werde der hiesige Wald aussehen wie im Tessin, der Toskana oder in Südfrankreich, prophezeite er.