Der Rotary-Club VS-Mitte verteilte 50 Geschenk-Taschen an Lastwagenfahrer auf einem Rastplatz an der A81. Für sie galt über die Weihnachtsfeiertage ein generelles Fahrverbot.
Zweiter Weihnachtstag, 12.30 Uhr in Villingen-Schwenningen: Ein Hauch von Bratenduft weht durch die Wohnung; die Enkel testen ihre Weihnachtsgeschenke; die Familie ist zusammen.
Zehn Kilometer entfernt klopft es an der Tür. Dimitri schaut ungläubig aus dem Fenster und fragt sich, was die Leute mit den roten Mützen im Schilde führen. Die Tür gehört zu einem 30-Tonner Lastwagen auf dem Rastplatz Räthisgraben an der A81.
Dimitri musste seine Fahrt am Heiligabend um 24 Uhr hier unterbrechen. Für alle gewerblichen Lastwagen über 7,5 Tonnen gilt über die Weihnachtsfeiertage ein generelles Fahrverbot. Weiter geht es erst am 26. Dezember ab 22 Uhr.
Bis dahin ist der karge Parkplatz sein Zuhause. Er kann viel schlafen und viel telefonieren, besonders mit seiner Familie. Irgendwelche Maschinenteile hat er geladen, die nach Mannheim müssen. Danach soll er zurück nach Kaunas in Litauen, da ist der Sitz der Spedition, für die er fährt.
Eine Herzensangelegenheit der Präsidentin
Die roten Mützen gehören zu einigen Mitgliedern des Rotary-Clubs Villingen-Schwenningen-Mitte. Die jetzige Präsidentin Liane Künstler kommt selbst aus einer „Truckerfamilie“ und kennt die Arbeitsbedingungen der Lastwagen-Fahrer nur zu gut. Deshalb war es ihr eine Herzensangelegenheit, mit ihrem Club das Rotary-Projekt der Trucker-Weihnacht zu unterstützen und auf einigen Parkplätzen der A81 50 Taschen mit Naschereien und kleinen Geschenken zu verteilen.
Die Geschenke hat Thomas Wagner als Koordinator dieser Aktion einigen Sponsoren abgerungen; die Süßigkeiten wurden dazugekauft. „Es ist schön zu sehen, dass man den Jungs auch mit Kleinigkeiten eine Wertschätzung vermitteln kann“, so sein Fazit.
Familie lebt in der Ukraine nur knapp 30 Kilometer bis zur Frontlinie
Ohne sie würde so manche Lieferkette nicht funktionieren. Mit Geschenken auf dem Rastplatz hat Dimitri nicht gerechnet. Er wird gleich mit seiner Frau telefonieren und ihr davon erzählen. Seine Familie lebt in Dnipro in der Ukraine, das seien nur knapp 30 Kilometer bis zur Frontlinie. „Es ist halt alles sehr schwierig in diesen Zeiten. Ende Januar bin ich wieder kurz zuhause; … man wird sehen.“
Im Nachbar-LKW bewegen sich die Vorhänge, und wenig später kommt Roman aus der Kabine. Er fährt für eine polnische Spedition und muss nur nach Posen. Seinen Truck hat er mit einem Filz-Weihnachtsbaum dekoriert und freut sich sichtlich über die Erdnüsse. Als Gegengeschenk gibt es zwei Mandarinen. Manchmal kann Freude zu Weihnachten schenken einfach sein.