Der Spielwarenhändler Rofu Kinderland hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Auch die Standorte in der Region sind betroffen. Wir verraten, wie es dort weitergeht.
Der traditionsreiche Spielwarenhändler Rofu Kinderland steht vor einer tiefgreifenden Zäsur: Die Unternehmensgruppe mit Sitz in Hoppstädten-Weiersbach hat beim Amtsgericht Idar-Oberstein Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Die Pleite eines der größten stationären Spielwarenanbieter in Deutschland trifft auch mehrere Standorte in Baden-Württemberg.
Insolvenz trotz jahrzehntelanger Expansion
Rofu Kinderland, seit mehr als 40 Jahren im Spielwarenhandel aktiv, betreibt bundesweit mehr als 100 Filialen und beschäftigt rund 2000 Menschen. Trotz dieser Größe geriet das Unternehmen eigenen Angaben zufolge aufgrund eines schwachen Weihnachtsgeschäfts, anhaltender Konsumzurückhaltung, gestiegener Kosten und des zunehmenden Konkurrenzertrags durch den Online-Handel in wirtschaftliche Schieflage.
Mit der Insolvenzanmeldung in Eigenverwaltung will Rofu das Unternehmen restrukturieren, einen Investor gewinnen und die Kette langfristig erhalten. Bei diesem Verfahren bleibt die bestehende Geschäftsführung im Amt, unterstützt von Sanierungsexperten. Die Gehälter der Beschäftigten seien über das Insolvenzgeld für die kommenden drei Monate abgesichert.
Standort Albstadt-Ebingen: Weiter geöffnet, Analyse läuft
Auch in Albstadt-Ebingen hat der Insolvenzantrag bei vielen Kunden und Beschäftigten Fragen aufgeworfen. Die Rofu-Filiale dort bleibt vorerst offen – Kunden können weiterhin wie gewohnt einkaufen. Ein Unternehmenssprecher betonte, dass das Personal weiter im Einsatz sei und nun Umsatz- und Kostenpositionen genau analysiert würden, um operative Sanierungsmaßnahmen zu prüfen.
Die Aussage gilt für alle deutschen Filialen des Unternehmens: Trotz der Insolvenz herrscht Normalbetrieb, während parallel die Restrukturierung vorbereitet wird.
Zimmern ob Rottweil: Tradition trifft Unsicherheit
Im Zimmerner Industriegebiet ist die Rofu-Filiale seit langem ein Anlaufpunkt für Familien aus dem gesamten Kreis Rottweil. Der Gang zur Spielwarenkasse gehört für viele Generationen zur Kindheit – doch nun steht der Standort im Zeichen der wirtschaftlichen Neuausrichtung.
Auch hier bleibt der Laden offen, und die Mitarbeiter sind weiterhin für ihre Kundinnen und Kunden da.
Standort Pfalzgrafenweiler: Keine kurzfristigen Änderungen
Auch der Standort Pfalzgrafenweiler im Kreis Freudenstadt ist von der Insolvenz betroffen. Dort hatte Rofu Kinderland noch vergleichsweise konkrete Zukunfts- und Entwicklungspläne verfolgt. Diese stehen nun jedoch unter Vorbehalt. Wie aus Unternehmenskreisen zu hören ist, werden im Zuge des Insolvenzverfahrens alle bestehenden und geplanten Standorte überprüft.
Entscheidungen über die weitere Entwicklung in Pfalzgrafenweiler sollen erst im Rahmen der laufenden Sanierungs- und Investorenprüfung fallen. Kurzfristige Änderungen im Betrieb gibt es nach aktuellem Stand nicht.
Digitalisierung, Kosten und Konsumlage als Herausforderungen
Die Situation im Unternehmen spiegelt größere strukturelle Probleme im klassischen Einzelhandel wider: Online-Wettbewerb, Kaufzurückhaltung der Verbraucher und erhebliche Betriebskosten setzen stationäre Händler zunehmend unter Druck. Trotz anhaltender Nachfrage nach persönlichen Einkaufserlebnissen suchen viele Familien ihre Spielwaren heute über digitale Kanäle oder bei großen internationalen Händlern.
Ob und in welcher Form Rofu Kinderland künftig im stationären Markt vertreten sein wird, hängt stark vom Ausgang des Investorensuchprozesses und den Sanierungsmaßnahmen ab.
Für Kunden in Albstadt, Zimmern und weiteren bürgernahen Standorten wie Tuttlingen oder Mössingen gilt derzeit allerdings: Die Türen bleiben offen – und Kinder können vorerst weiterhin ihre Lieblingsspiele und Geschenke im Laden aussuchen.
Weitere Infos
Insolvenz in Eigenverwaltung
Die Insolvenz in Eigenverwaltung ist laut § 270 InsO ein Insolvenzverfahren, bei dem das Unternehmen handlungsfähig bleibt und die Sanierung unter Aufsicht eines Sachwalters durchführt. Diese Person hat die wirtschaftliche Lage des Schuldners zu prüfen und die Geschäftsführung sowie die Ausgaben für die Lebensführung zu überwachen. Ziel der Eigenverwaltung ist es, das Unternehmen anhand des Insolvenzplans strukturell und wirtschaftlich zu sanieren.