Er arbeitet dort, wo das Internet erfunden wurde, am Cern in Genf. Doch Robin Hofsaess aus Villingen hat nicht nur für Teilchenphysik ein Faible, sondern auch für Spaghetti.
Der 33-Jährige sitzt im Wohnzimmer seiner Eltern in Villingen, in Sichtweite einer schwarzen Dokumentenmappe mit seiner Doktorarbeit in experimenteller Teilchenphysik.
Erst vor wenigen Tagen bekam er seine Urkunde als Dr. rer. nat., Doktor der Naturwissenschaften. Seit einem Jahr arbeitet er als Post-Doktor am Kernforschungszentrum Cern in Genf in der Schweiz und gibt dort auch ehrenamtliche Führungen.
Hofsaess ist einer von gut 14 000 Gastwissenschaftlern, Technikern und Ingenieuren aus der ganzen Welt, die in der Einrichtung in der Nähe des Genfer Sees arbeiten, zusammen mit 2500 Festangestellten.
Wenn der charismatische junge Mann mit dem Pferdeschwanz davon erzählt, was er denn beruflich so macht, dann fliegen einem Begriffe wie Elementarteilchen generell und Myonen im Besonderen nur so um die Ohren, und „die fliegen überall herum“.
Auch im Wohnzimmer seiner Eltern? Auch dort. Er erzählt mit Leidenschaft von physikalischen Gesetzen, um sie im Gespräch mit der Redaktion in elegantes oft humorvolles Nichtphysikerdeutsch zu übersetzen.
Legendärer Arbeitsplatz
Sein Arbeitsplatz ist in vielfacher Hinsicht legendär: Das Internet wurde, salopp formuliert, dort erfunden. Cern-Wissenschaftler betreiben Teilchenforschung, deren Erkenntnisse in die Medizintechnik, neue Krebstherapien etwa, und die Industrie fließen. Hofsaess’ Aufgabe: Die Entwicklung von Software, um die Leistungsfähigkeit von Computern für Rechenzentren der Hochenergiephysik zu bestimmen und im nächsten Schritt zu verbessern.
IT war ebenfalls Bestandteil seines Studiums. Zudem geht es um die weitere Erforschung unseres Universums und die Frage: Wo kommen wir her, wo gehen wir hin?
Wie kam er nach Genf?
Wie kam er zur Physik und wie nach Genf? Das Fach habe ihn immer fasziniert: Physik sei in unserem Alltag allgegenwärtig. Bestes Beispiel: Warum fliegen Spaghetti beim Brechen nicht nur in zwei Teilen über den Küchentisch? Dies sei auch eine Frage der Spannung in jeder einzelnen Pasta. Natürlich kennt er den Trick, wie es eleganter geht.
Übung hat er, denn in WG-Zeiten waren die langen, dünnen Nudeln ’das’ Essen. Nach Genf kam er über das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), wo er studierte und seine Promotion schrieb. Das KIT pflegt enge Kooperationen mit Genf, zudem ist das Rechenzentrum in der badischen Fächerstadt eines von zwölf Hauptrechenzentren, mit dem die Schweizer vernetzt sind.
Seine Entschleunigung
Wie entschleunigt ein bald Mittdreißiger privat, der wegen seines neuen Jobs am Cern in 54 Tagen seine Doktorarbeit in seinem Resturlaub zusammenschrieb: Radfahren, Bergwandern, Musik (gerne Hardrock und Metal), aber auch an Gitarre und Klavier und dann mit klassischer Musik.
Und so nebenbei baut er noch sein Haus für sich und seine Frau in einem VS-Stadtbezirk um. Um sich dann am Wochenanfang wieder auf den 350 Kilometer weiten Weg nach Genf zu machen. Für mindestens noch ein Jahr. Und dann: Egal, was kommt, „die Türen in Karlsruhe stehen immer offen“.
Übrigens: Öffentliche Führungen am Cern in Genf gibt es auch ohne Anmeldung. Wer sich das gesamte Zentrum und nicht nur das Museum anschauen möchte, kann sich anmelden über www.visit.cern.