Das Lahrer Repair-Café ist eine Erfolgsgeschichte. Mit Hilfe zahlreicher ehrenamtlicher Reparateure bekommen defekte Geräte, Möbel oder auch Fahrräder eine zweite Chance.
Unter dem Motto „Gemeinsam reparieren statt alleine wegwerfen“ lädt das Repair-Café im Bürgerzentrum Stadtmühle nun schon seit zehn Jahren zum Tüfteln ein. Einmal im Monat geht es hier nicht nur gegen die Wegwerfmentalität und für Nachhaltigkeit, es ist auch ein Ort des Zusammenkommens. Von Anfang an dabei waren Edwin Fischer, Hanne Kaiser-Munz und Manfred Kaiser. Die drei sind Teil eines fünfköpfigen Teams, das sich um die Organisation des Repair-Cafés kümmert. Beim Pressegespräch im Bürgerzentrum geben sie einen Einblick hinter die Kulissen. Sie erklären, was sich verändert hat und erzählen, welche emotionalen Geschichten oft hinter den Reparaturen stehen.
Zwischen 25 und 40 Reparaturversuche gibt es je Treffen. Über die Jahre ist dabei eine beeindruckende Bilanz zusammengekommen. „Es gab 2350 Reparaturversuche“, berichtet Fischer. Er hat sorgfältig Protokoll geführt. Was wurde erfolgreich instand gesetzt? Welche Geräte werden besonders häufig vorbeigebracht? Das wissen sie hier genau. Denn bei jedem Treffen wird Buch geführt.
Die gute Nachricht für alle Zweifler und Skeptiker: In den meisten Fällen gelingt den Tüftlern die Reparatur. „Das haben wir ausgerechnet“, erklärt Fischer. Bei 63 Prozent liege die Erfolgsquote im Schnitt. Es gibt jedoch deutliche Unterschiede je nach Art des Objekts. 81 Prozent der vorbeigebrachten Uhren wurden erfolgreich repariert. Niedriger ist die Erfolgsquote bei Elektrogeräten. Aber auch hier gelingt der Reparaturversuch oft. 55 Prozent der Versuche sind bisher erfolgreich gewesen. In Summe bekamen in den zehn Jahren knapp 1500 Geräte ein „zweites Leben“.
Inzwischen kommt auch ein 3D-Drucker zum Einsatz
Viele der Besucher des Repair-Cafés sind schon älter. Sie würden besonders an ihren Geräten hängen, beschreibt es Kaiser-Munz. „Die Leute freuen sich, wenn die Reparateure es hinbekommen.“ Oft sind für alte Geräte auch keine Teile mehr zu bekommen, gibt das Repair-Café-Team zu bedenken. So landete auch schon ein Tonbandgerät aus den 60er-Jahren auf dem Tisch. „Oder alte Radios und Plattenspieler“, gibt Fischer weitere Beispiele. Die Freude darüber, dass das Gerät nach dem Besuch im „Café“ wieder Musik spielen konnte, war bei den Besitzen groß.
„Das merkt man dann auch an der Spendenbereitschaft“, berichtet Kaiser. Die Reparateure helfen kostenlos, nur die anfallenden Materialkosten müssen ersetzt werden. Damit das Angebot erhalten werden kann, wird nach einer Reparatur um eine kleine Spende gebeten. Auch wenn die nicht erfolgreich war, würden die Besucher oft spenden, freut sich das Team über die Wertschätzung.
Rund 20 Menschen sind ehrenamtlich für das Lahrer Repair-Café aktiv, ein Großteil als Reparateure. Die bringen meist ihr eigenes Werkzeug mit, erklärt Kaiser. Der Großteil der Tüftler sei zwar schon älter, aber auch ein paar Jüngere seien zum Reparaturteam hinzugestoßen. Durch deren Fähigkeiten nimmt sich das Repair-Café inzwischen auch Smartphones an, was Anfangs noch nicht der Fall war, so Fischer.
Aber auch die technologischen Möglichkeiten haben sich entwickelt: Regelmäßig kommt ein 3D-Drucker zum Einsatz. So können Ersatzteile konstruiert und gedruckt werden, die auf dem Markt nicht erhältlich sind. Davon hat auch die Stadtmühle selbst schon profitiert. Fischer verweist auf die Stühle im Raum. Schon öfters ging an ihnen eine Klickverbindung aus Plastik kaputt. Der kleine Plastikring, eigentlich ein Centprodukt, sei jedoch nicht erhältlich. Also wurde er selbst gedruckt. „Wir müssten sonst für 90 Euro einen neuen Sitz kaufen“, erklärt Fischer und hat damit ein weiteres Beispiel dafür, warum das Repair-Café eine Erfolgsgeschichte ist.
Das Angebot
Das nächste Repair-Café ist am Samstag, 6. Juni, von 14 bis 17 Uhr in der Stadtmühle. An diesem Tag wird auch das zehnjährige Bestehen gefeiert. Wer etwas zum reparieren hat, meldet sich beim Empfang an und füllt einen „Laufzettel“ aus. Wenn ein Reparaturplatz frei wird, werden die Besucher aufgerufen und sind beim arbeiten mit dabei. Auch das „Café“ kommt nicht zu kurz: Wartezeiten können mit Kaffe und Kuchen überbrückt werden.