In Calw soll es zu illegaler Prostitution gekommen sein. Foto: Andreas Arnold/dpa

Insgesamt 40 Objekte in acht Bundesländern haben Bundespolizei und Staatsanwaltschaft an diesem Donnerstag durchsucht. Drei Verdächtige wurden verhaftet. Die Beschuldigten sollen Chinesinnen eingeschleust und als Prostituierte beschäftigt haben. Einer der mutmaßlichen Tatorte: Calw. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main nennt auf Anfrage Details.

Rund 800 Beamte der Bundespolizei, acht Steuerfahnder und eine Staatsanwältin haben am Donnerstag 40 Objekte in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern, Schleswig-Holstein, Niedersachen, Thüringen und Bremen durchsucht – darunter auch ein Gebäude in Calw.

 

Das teilten die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main sowie die Bundespolizei am Donnerstag mit. Die Vorwürfe, die im Raum stehen: Schleuserkriminalität und illegale Prostitution. Drei Tatverdächtige wurden festgenommen.

Mutmaßlicher Tatort: ein Massage-Salon

Es geht um den Verdacht des gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern, des Vorenthaltens von Sozialversicherungsbeiträgen und der Steuerhinterziehung im besonders schweren Fall. Er richtet sich gegen neun Beschuldigte.

Zu den Wohn- und Geschäftsräumen sowie Bordellbetrieben, die in den Fokus der Ermittler geraten waren, gehört auch ein Objekt in Calw. Konkret gesagt ein Massage-Salon, in dem illegale Prostitution ausgeübt worden sein soll. Das berichtete ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main auf Anfrage unserer Redaktion.

Frau sollte eigentlich in Calw verhaftet werden

Die Polizei habe die Räume des Massage-Salons durchsucht; dabei seien Mobiltelefone, Tablets und Unterlagen beschlagnahmt worden.

Eine der Beschuldigten, eine 41-jährige Frau, die den Salon mitbetrieben haben soll, sollte dabei auch in Calw verhaftet werden. Wie der Sprecher weiter ausführt, sei die Frau aber nicht dort, sondern stattdessen in Karlsdorf-Neuthard (Kreis Karlsruhe) aufgriffen worden.

Die anderen beiden Festnahmen erfolgten in Düren (Nordrhein-Westfalen), verhaftet wurden dabei ein 42-jähriger Mann und eine 34-jährige Frau. Alle drei Festgenommenen, auch die Frau aus Calw, sind chinesische Staatsangehörige.

Die 34-Jährige und der 42-Jährige sind nach Angaben der Behörden „dringend verdächtig, zwischen Oktober 2022 und Oktober 2024 zahlreiche Frauen aus der Volksrepublik China als Prostituierte beschäftigt und beherbergt zu haben, obwohl diese nicht über Aufenthaltstitel mit Berechtigung zur Aufnahme einer Arbeitstätigkeit verfügten“, heißt es in der Mitteilung.

Die Beschuldigten sollen an fast 500 verschiedenen Orten im gesamten Bundesgebiet in sogenannten Tagesterminwohnungen (Hotelzimmer oder Apartments) chinesische Prostituierte „zur Erbringung sexueller Dienstleistungen aller Art“ eingesetzt haben.

Freier zugeführt, Bargeld entgegengenommen, vor Polizei gewarnt

Die 34-Jährige und der 42-Jährige sollen den Betrieb gemeinsam geführt haben; der 42-Jährige Beschuldigte habe sich darüber hinaus vor allem um „Kundenakquise“ über Online-Portale gekümmert und die Prostituierten „betreut“. Der 34-Jährigen wird vorgeworfen, die Anmietung von Tagesterminwohnungen über bislang nicht identifizierte Dritte in China organisiert zu haben.

Die 41-Jährige wiederum wird beschuldigt, die 34-Jährige im Juli 2024 bei der Verwaltung einer weiteren, kontinuierlich betriebenen Tagesterminwohnung – in Calw – vertreten und unterstützt haben. Sie soll zudem Freier zugeführt, Bargeld entgegengenommen und vor Polizeikontrollen gewarnt haben.

Allen Beschuldigten soll bewusst gewesen sein, dass die Prostituierten nicht über Aufenthaltstitel verfügten – und dass sie auch nicht in Deutschland hätten arbeiten dürfen.

Neben mehr als 50 Mobiltelefonen und weiteren Datenträgern wurden auch zahlreiche Luxushandtaschen und Schmuck sichergestellt.

Die drei Beschuldigten werden am Freitag dem Haftrichter des Amtsgerichts Darmstadt vorgeführt.