Ende des Radwegs – noch. Denn, wo heute auf der Heerstraße noch Autos parken, führt bald der Radweg durchgängig zum Schulzentrum und weiter zum Wasserturm. Foto: Alt

Rad statt Auto – die Heerstraße wird in Sachen Radverkehr und Sicherheit zum Vorzeigeprojekt. Dafür bleibt die Königstraße ein Problemfall.

Ein Netz ist nur dann ein Netz, wenn die einzelnen Fäden auch zueinander führen. Das gilt auch für das Radwegenetz, das den Rottweiler Mobilitätsbeauftragten Horst Bisinger besonders fordert.

 

Denn – nicht überall kommt er voran. Und deshalb war am Mittwochabend in der Sitzung des Umwelt-, Bau- und Verkehrsausschusses auch niemand so richtig zufrieden, mit dem, was Bisinger und Moritz Jordan von der IGV vorstellten.

Vor allem die Königstraße bleibt ein Provisorium. Hier ist man ohne eine Reduktion des Verkehrs quasi handlungsunfähig. Für einen Radstreifen ist einfach kein Platz und auf Parkplätze, Grünflächen, Platz für Fußgänger und die breite Flaniermeile an den Ärztehäusern vorbei will man nicht verzichten.

„Das ist eine verzwickte Sache“, konstatierte Jürgen Mehl (SPD+FFR). Er machte deutlich, das man nur weiterkomme, wenn man die starre Haltung beim Individualverkehr ablege. Tempo 30 etwa gebe auch Radfahrern auf der Königstraße mehr Sicherheit. Und möglich sei das.

Auch alternative Strecken, wie die Ruhe-Christi-Straße, hatten die Experten geprüft. Fazit: ungeeignet. Tja, und die Körnerstraße ist als Fahrradstraße eben eher als Direktverbindung zum Aquasol und zu den Sportplätzen attraktiv. Oder wie es OB Christian Ruf formulierte: „Ich fahre doch nicht über die Körnerstraße mit dem Rad ins LRA.“

Lückenschluss in der Heerstraße

Dennoch sei man insgesamt auf einem guten Weg. Zum städtischen Vorzeigeprojekt avancierte die Heerstraße. Dort, wo der Radweg nämlich auf Höhe der Realschule aufhört, soll er künftig weitergeführt werden. Und zwar als echter Radstreifen, der nicht von Auto und Co. überfahren werden darf.

Dafür müssen die 32 Parkplätze am Straßenrand weichen. Bisinger, der die Strecke selbst mir dem Rad ausprobiert hatte und dabei zum Schluss kam „man braucht dort zu Stoßzeiten nicht mit dem Fahrrad zu fahren“, hatte auch für das Parkplatzproblem eine Lösung parat.

So sollen sieben Parkplätze bergab auf der gegenüberliegenden Seite eingerichtet und der Parkplatz zwischen Nell-Breuning- und Edith-Stein-Schule erweitert werden. 33 Parkplätze soll es hier geben. Die Kosten – etwa 150 000 Euro – stehen bereits im Haushaltsplan. Und grün wird es auch. „Wir Pflanzen mindestens zehn Bäume in das Ding rein“, versprach Bisinger.

In der Königstraße bestimmen Autos das Bild. Das bleibt auch so. Foto: Alt

Mit der Planung trägt die Stadt der Forderung aus dem Jugendhearing Rechnung, in dem Schüler eine sichere und durchgehende Radverbindung zum Schulzentrum gefordert hatten. Auch im MOVERS Schulradwegprozess war dies als Mangel aufgeführt worden.

Lösungsansätze für die Ortsteile

Nach der Umsetzung ist es nun Möglich, durchgängig mit dem Fahrrad auf der Heerstraße bis zur Kreuzung Charlottenhöhe zu kommen – und weiter bis nach Hausen oder Zimmern.

Über einen möglichen Lückenschluss darf man sich auch in den Ortsteilen freuen. So könnte die Anbindung Feckenhausens über den Jungbrunnen möglich werden. Der Ausbau einer Rückegasse im Wald zwischen Neukirch und Hardthaus birgt eine Lösung für eine dortige Weiterführung des Radwegenetzes. Und für die Radverbindung Neukirch – Vahingerhof bahnt sich auch ein Rezept an.

Ewald Grimm, der die Ortsteile im Blick hatte, brachte es auf den Punkt: „Man muss es möchten“. Den Flickenteppich auf Teufel komm raus zu beseitigen, davon hielt Fraktionskollegin Monika Hugger indes wenig. Zu viel Improvisation stelle „wahrscheinlich niemanden zufrieden.“ Was auch OB Ruf mit Ausnahme der Heerstraße so wahrnahm.

Sperrung Friedrichsplatz

Felicitas Bott (SPD+FFR) wollte endlich Lösungen sehen: „Wie lange wollen wir denn noch warten“, fragte sie im Hinblick auf dei Hängepartie in der Königstraße.

Sie griff Rufs Idee eines Pop-up-Radwegs auf, den sich dieser während der Sperrung des Friedrichsplatzes vorstellen könnte. Denn während der Sanierung sei auch mit einer Reduzierung des Verkehrs in der Königstraße zu rechnen. So könnten sich neue Räume für den Radverkehr entwickeln – ein zweiter Verkehrsversuch sozusagen und das mit der Landesgartenschau im Nacken.