Oberbürgermeister Roland Tralmer eröffnete die Ausstellung mit queerer Kunst der Gegenwart im Kunstmuseum.
Die Adjektive „wichtig“ und „richtig“ sowie ein klares Bekenntnis: Oberbürgermeister Roland Tralmer hat die erste Museumsausstellung im Zollernalbkreis gewürdigt, die sich mit queerer Kunst der Gegenwart befasst. Diese ist im Kunstmuseum zu sehen.
Der OB berichtete offen, er sei in den Tagen zuvor mehrfach darauf angesprochen worden, „ob es das jetzt braucht, dass die Stadt Albstadt eine Ausstellung für Minderheiten macht“. Tralmer betonte nachdrücklich: „Wer so denkt, der geht fehl.“ Man lebe zunehmend in intoleranten Zeiten, konstatierte der Oberbürgermeister: „Eine Stadt wie Albstadt setzt sich offen und unvoreingenommen mit Kunst in all ihren Facetten auseinander.“ Zum Wesen der Kunst gehöre es, dass sie sich gleichermaßen an alle Menschen richte. „Deswegen ist es richtig und wichtig, diese Ausstellung zu eröffnen“, betonte der OB.
Der Grund, er liegt für Tralmer auf der Hand: weil diese queere Lebensrealitäten sichtbar mache. „Diese Sichtbarkeit ist essenziell für eine offene, vielfältige Gesellschaft“, betonte der OB. Damit trage die Schau mit dem Titel „Intimität“ zu einer diversen Gesellschaft bei, in der Vielfalt nicht nur toleriert, sondern auch respektiert und wertgeschätzt werde.
Zu sehen sind im Kunstmuseum Werke von Dylan Hurwitz, Doron Langberg, Navot Miller, Lukas Moll, Hannah Römer, Tanja Selzer und Logan T. Sibrel – filigrane, hauchzarte Bleistiftzeichnungen und großflächige, farbenfrohe Ölgemälde gleichermaßen. Tralmer lobte die Arbeit des Museumsteams, das mit Herzblut und Kompetenz agiere. „Es handelt sich hier um die erste Museumsausstellung im Zollernalbkreis, die sich der queeren Gegenwartskunst widmet“, merkte er an.
Das Kunstmuseum ist für den OB ein „kultureller Leuchtturm“. Dieser strahle weit über die Region hinaus. Tralmers Dank galt dem gesamten Team und vor allem Melanie Löckel: „Mit Sensibilität und sicherem Gespür hat sie herausragende künstlerische Positionen zusammengeführt.“
Die Kuratorin, der diese Schau besonders am Herz gelegen hatte, führte selbst in die Ausstellung ein. Inmitten dieser überbordenden künstlerischen Fülle – an plakativen, knalligen Farben, geraden, fast schon geometrischen Formen, vielfältigen Stilrichtungen und Techniken – beschrieb sie, warum der Titel „Intimität“ so vielschichtig sei. Diese zeige sich nicht nur in Zärtlichkeiten, sondern auch im stummen Verständnis, in freundschaftlichen Beziehungen, vertrauten Gesten und gemeinsam verbrachten Momenten.
In den vergangenen Jahren hat sich laut Melanie Löckel eine queere Kunstszene etabliert, die intime Einblicke in zwischenmenschliche Beziehungen und Lebensrealitäten sichtbar macht. „Die Kunstschaffenden brechen mit normativen Vorstellungen“, resümierte sie. Dadurch forderten die Betrachtenden zum Perspektivwechsel auf: zum genau Hinzuschauen und der Einnahme neuer Blickwinkel.
Ein besonderes – wohlgemerkt akustisches „Sahnehäubchen“ – war bei der Vernissage die musikalische Umrahmung: Valentin Riegger fasziniert die Gäste mit experimentellen Sounds und seiner E-Gitarre.
Parallel zur Ausstellung gibt es eine Kooperation des Kunstmuseums mit dem Kinder- und Jugendbüro. Diese möchte die queere Community in Albstadt sichtbar machen. Unter dem Motto „Art & Beats“ finden am Freitag, 28. November, und am Samstag, 31. Januar, Abendveranstaltungen für queere Menschen und „Allies“, also ihre „Verbündeten“, statt. Sie bieten für alle Interessierten ab 16 Jahren Musik und kreative Workshops. Die Ausstellung im Kunstmuseum ist bis Sonntag, 12. April, zu sehen.