Rund 500 Teilnehmer protestierten in Rottweil gegen die verschlechterten Bedingungen für Beleghebammen. Foto: Siegmeier

Rund 500 Menschen haben in Rottweil gegen die neuen Vertragsregelungen für Beleghebammen protestiert. Die Hebammen zeigten sich überwältigt von der großen Unterstützung.

„Es ist der Wahnsinn. Und wir sind sehr berührt“, so die Rottweiler Beleghebammen, die am Samstag bei der von Mamas initiierten Protestaktion am Schwarzen Tor und in der Innenstadt vertreten waren.

 

Während die einen im Kreißsaal die Stellung hielten, um werdenden Mamas den gewohnten Service zu bieten, waren die anderen vor Ort und sichtlich gerührt von den vielen Menschen, es waren wohl gut 500 – die sich am Samstagmorgen vor dem Schwarzen Tor versammelt hatten. Kurzfristig hatten Mütter die Protestaktion organisiert die Beteiligung war beeindruckend.

Grund für den Protest der Hebammen und die geschlossene Kündigung der Rottweiler Beleghebammen, die deutschlandweit Nachahmer sucht – lediglich in Nordrhein-Westfalen hat ebenfalls ein komplettes Team gekündigt – war die Änderung des Hebammenhilfevertrages zum 1. November, der Beleghebammen finanziell deutlich schlechter stellt.

Medienrummel bei Protestaktion war groß

Deutschlandweit kündigen Beleghebammen deswegen ihren Dienst auf – als Team allerdings nur zwei deutschlandweit. So war auch der Medienrummel bei der Veranstaltung entsprechend hoch. Fernsehsender aus ganz Deutschland – SWR, Bayerischer Rundfunk, ntv und RTL – waren über unseren Artikel auf die Situation aufmerksam geworden und interviewten Hebammen und Protestierende.

Die beteiligten Familien hatten sich eine Menge einfallen lassen. Kleine Schilder mit „Geburtsort: Stadt Rottweil. Hebamme...“ zierten Kinderrücken und -wagen. Aber nicht nur junge Familien, sondern auch zahlreiche Großeltern, Vertreterinnen des DGB und weitere Unterstützer hatten sich am Samstag hinzugesellt, um ihre Solidarität zu bekunden.

Zwei Babys kamen in der Nacht zur Welt

Während in der Stadt die gut 500 Protestanten vom Schwarzen Tor in einer stillen Demo am Kapuziner vorbei durch die Stadtgrabenstraße auf die Hochbrücke und von dort zum Straßenkreuz zogen, hatten auch die Kolleginnen im Kreißsaal der Helios-Klinik alle Hände voll zu tun: In der Nacht auf Samstag kamen zwei Babys zur Welt. Während der Protestaktion waren im Kreißsaal zwei Frauen unter der Geburt, war aus dem Kreißsaal zu erfahren. Zudem hat eine der Hebammen sechs Wochenbettvisiten gemacht, eine Frau auf der Station mitbetreut und eine Frau mit Schwangerschaftsproblemen aufgenommen. Es war also ordentlich was los.

Immer wieder tauchte die Frage auf, warum gerade jetzt protestiert werde, obwohl die Änderungen seit längerem bekannt seien. „Man braucht auch Mut, um im Kleinen anzufangen. Viele haben auch erst jetzt verstanden, was da eigentlich gerade passiert“, sagte Kathrin Schneider, die die Aktion mitinitiiert hatte und selbst Mama von dreijährigen Zwillingen ist. Auch sie hat in der Helios-Klinik entbunden und ist heute noch glücklich, dass sie trotz einer Zwillingsgeburt in dieser familiären Atmosphäre ihre Kinder habe zur Welt bringen dürfen.

„Schwangerschaft und Geburt sind eine ganz besondere Lebensphase für die ganze Familie, da braucht man gute Begleitung“, sagt eine andere Mama, eine dritte ist hocherfreut, dass sich auch einige Männer zur Demo hinzugesellt haben. „Wenn Männer gebären müssten, dann hätten wir die Misere nicht“, ist sich eine weitere Mama sicher, die dies damit begründet, dass Hebammen einfach keine Lobby hätten.

Verkehr kommt zum Erliegen

Am Friedrichsplatz kam aufgrund der Aktion mitunter der Verkehr zum Stocken. Auch eine Hochzeitsgesellschaft im Oldtimerbus landete plötzlich mitten in der Demo und sprach den Hebammen Mut zu.

Gegen 11 Uhr löste sich der Protestzug dann langsam auf, aber die Marktleute und auch die Einzelhändler waren voll des Lobes über die hervorragende Frequenz in der Innenstadt.