Alles muss weichen: Der Neubau (links) und das alte Haus Waldeck werden derzeit abgerissen. Erst vor wenigen Wochen ging eine neue Heizungsanlage in Betrieb. Foto: Heiko Hofmann

Ende September ging bei einer Flüchtlingsunterkunft in Nagold die neue Heizungsanlage in Betrieb. Zwei Monate später wird das Gebäude abgerissen.

Die Sache ist aber auch kompliziert. Während der bereits begonnene Abriss des mehr als 130 Jahre alten Hauses Waldeck schon seit längerer Zeit beschlossene Sache ist, sollte der erst 2015 erstellte Holz-Neubau eigentlich erhalten bleiben.

 

„Der Landkreis plante, das Gebäude neben dem Haus Waldeck weiterhin zu nutzen, da die dort untergebrachten Personen dringend eine Unterkunft benötigten“, teilt Nagolds Pressesprecherin Julia Glanzmann auf Anfrage der Redaktion mit.

Doch bekanntlich kam es anders: Der Kreis informierte die Stadt, dass der Neubau nicht mehr benötigt werde. Und die Stadt beschloss den Abbruch beider Gebäude, des Altbaus und des Neubaus, um so Platz für die Renaturierung des Kreuzertals zu schaffen.

Erst vor wenigen Wochen ging die neue Anlage in Betrieb

Das sorgt nun für Irritationen. Denn erst vor wenigen Wochen – die Stadt spricht von Ende September 2025 – ging eine neue Heizungsanlage für den Neubau der Flüchtlingsunterkunft in Betrieb. Zudem bekam das Gebäude eine neue Wasser- und Stromversorgung gelegt. Installiert wurde diese Anlage in einer ebenfalls neu aufgestellten Doppelgarage.

Das sorgt nicht nur bei einer Leserin aus der Nachbarschaft für Kopfschütteln. „Gerade vor wenigen Wochen ist die brandneue Heizungsanlage in der Doppelgarage für den Neubau fertig geworden“, schreibt sie an die Redaktion. Die dafür notwendigen Arbeiten hätten viele Wochen in Anspruch genommen.

Die 2015 erbaute Flüchtlingsunterkunft wird abgerissen. In der Doppelgarage (rechts) befindet sich die neue Heizungsanlage. Foto: Heiko Hofmann

Weiter schildert die Anliegerin: „Es musste ein Fundament erstellt, die Doppelgarage mit Sonderfahrzeugen geliefert werden, wochenlang waren Heizungsbauer, Elektriker und Co. beschäftigt, und es wurden Erdarbeiten zur Verlegung von Leitungen getätigt, die durch den halben Garten verliefen.“

Die Investitionen liegen bei 130.000 Euro

Ungläubig stellt die Leserin die Frage in den Raum: „Und jetzt wird das alte Heim Waldeck, das relativ neue Asylantenheim und die eben fertiggestellte Heizung in der Doppelgarage wieder abgerissen?“

Ja, genauso ist es. Das Wort „Abriss“ versucht die Stadt Nagold zwar zu vermeiden. Doch im Prinzip bestätigt sie auf Nachfrage der Redaktion: „Die Garage inklusive Heizungsanlage, Wasserversorgung, Stromanschluss sowie zugehörigen Fundamenten und Hausanschlüssen wurde für einen Gesamtbetrag von etwa 130.000 Euro errichtet. Die Fertigstellung der Baumaßnahme erfolgte Ende September 2025. Der Abbruch sowie die Entrümpelung der Anlagen begannen Anfang November 2025.“

Die Doppelgarage zieht an einen anderen Standort um

Dabei ist der Stadt wichtig, festzustellen, dass die Doppelgarage nicht abgerissen, sondern umgesetzt werde. Und Ähnliches gilt auch für die neu verbaute Technik: „Die Doppelgarage wird nach dem Abbau an einem anderen Standort wieder errichtet und somit weiterhin genutzt. Auch alle übrigen installierten Anlagen, insbesondere die Heizungs-, Strom- und Wasserversorgung, sind für eine Wiederverwendung vorgesehen.“

Ende September eingeweiht, im November schon wieder abgebrochen – die Stadt Nagold begründet diese seltsame Vorgehensweise mit den veränderten Plänen. Denn ursprünglich wollte der Landkreis ja den Neubau weiter als Flüchtlingsunterkunft nutzen. „Für diese Interimslösung war zunächst von einer Nutzungsdauer von etwa fünf bis sieben Jahren auszugehen“, teilt Nagolds Pressesprecherin mit.

Die Versorgung erfolgte bis jetzt über das Haus Waldeck

Das Problem dabei: Der Neubau wurde bis dato über das alte Haus Waldeck mit Strom, Heizung und Wasser versorgt. Der Altbau aber sollte ja abgerissen werden. Also plante und installierte die Stadt eine neue „Notversorgung“ in der ebenfalls neu aufgebauten Doppelgarage. „Als Interimslösung“, wie Glanzmann feststellt. Deshalb sei darauf geachtet worden, dass die errichtete Garage sowie die technischen Anlagen für Heizung, Strom und Wasserversorgung später wiederverwendet werden könnten.

Denn: In nächster Zeit würden bei der Stadt weitere Baumaßnahmen anstehen und mehrere Heizungsanlagen seien dort am Ende ihrer Lebensdauer. Also „wurden die Interimslösungen bewusst so gewählt, dass sie künftig anderweitig eingesetzt werden können“.

Versetzung des Neubaus wurde geprüft

Während laut Angaben der Stadt also die Doppelgarage und die Technik woanders neu eingesetzt werden können, gilt das für den zehn Jahre alten Neubau nicht. Dabei ist Wohnraum bekanntlich knapp in dieser Stadt, vor allem zu sozial verträglichen Preisen.

Dazu teilt Nagolds Pressesprecherin mit: „Es wurde geprüft, ob das Gebäude aufgrund seiner Bauweise abgebaut und an anderer Stelle wiederverwendet werden könnte.“ Doch nach „eingehender Prüfung“ musste festgestellt werden, „dass ein solcher Wiederaufbau mit vertretbarem Aufwand leider nicht realisierbar ist.“ Fazit: „Daher wird das Gebäude nun konventionell abgerissen.“