Daniel Lurk ist beim Offenburger Cannabis-Club für den Anbau zuständig. Foto: Wolf

Während viele Vereine noch auf ihre Lizenz warten, darf der Offenburger Cannabis-Club seit Jahresanfang die berauschenden Hanfpflanzen für seine Mitglieder anbauen. Unsere Redaktion war nun beim Ernten dabei.

In einem ehemaligen Kasernengebäude in Offenburg wird seit Anfang des Jahres Cannabis angebaut. Von außen ist davon nichts zu bemerken. Nur ein kleines Schild an der Einfahrt weißt auf den Offenburger Cannabis-Club (OCC) hin. Nach langer Planung und dem Ringen mit der Bürokratie steht für den Verein die erste legale Cannabisernte an. Gründungsmitglied Thilo Illgner führt unsere Redaktion durch die Anlage.

 

Auch wenn das Gebäude unscheinbar wirkt, es ist schwer gesichert. „Die Polizei hat ein Sicherheitskonzept erstellt“, erklärt Illgner. Die Eingangstüren wurden durch spezielle Sicherheitstüren ersetzt, es gibt eine Alarmanlage mit direkter Verbindung zum Polizeirevier, und vor den Fenstern im ersten Stock wurden Gitter angebracht. Ohne die Sicherheitsmaßnahmen hätte der Verein keine Lizenz zum Anbau vom Regierungspräsidium Freiburg bekommen, so Illgner.

Pflanzen wachsen unter Kunstlicht

Um zu der Plantage zu gelangen, geht es in den ersten Stock. Am Ende eines langen Ganges liegen die Anbauräume. Beim Öffnen der Tür schlägt einem der süßliche Geruch der blühenden Hanfpflanzen entgegen. Die Augen müssen sich erst an das grelle Licht gewöhnen. Zahlreiche Lampen erhellen den Raum. Sie gaukeln den Pflanzen Sonnenlicht vor. Im Hintergrund brummt und plätschert es. Ventilatoren sorgen für reichlich Wind. Die Pflanzen, von denen ein Drittel bereits abgeerntet wurde, stehen in einer Anlage aus Rohren. Erde sucht man hier vergeblich.

„Es ist ein hydroponisches System“, erklärt Daniel Lurk. Er führt die Regie über den Anbau. Durch die Kunststoffrohre, in denen die Wurzeln der Pflanzen hängen, wird Wasser gepumpt. Zusätzlich wird die Anlage digital überwacht.

Anbau unter strengen Sicherheitsvorkehrungen

Per Handy könne jederzeit etwa Temperatur oder Luftfeuchtigkeit gemessen werden, erklärt Illgner. Gärtner Lurk ist mit dem Ergebnis zufrieden, im ersten Durchgang ist nichts schief gegangen. In einem Nebenraum werden bereits die nächsten Pflanzen herangezogen. Mit der Ernte geht es anschließend in den Trocknungsraum in den Keller – auch er ist besonders gesichert. Dort werden die Blätter entfernt und die Blüten zum Trocknen aufgehängt.

Neben dem Eigenanbau sind die Vereine derzeit die einzige legale Quelle für das THC-haltige Rauschmittel. Ziel der Legalisierung war es auch, den Schwarzmarkt einzudämmen. Illgner glaubt daran nicht: Es gäbe schlicht zu wenige Vereine, um die Nachfrage zu decken. „Das Gegenteil ist passiert“, glaubt er. Nach der Gesetzesänderung im April 2024 sei die Nachfrage nach Cannabis gestiegen, so seine Beobachtung. Bedienen würde diese Nachfrage hauptsächlich der Schwarzmarkt. „Erst die Clubs und dann den Besitz und Konsum freizugeben, wäre besser gewesen“, findet er. Der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen geht davon aus, das ungefähr 4,5 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 59 Jahren in den letzten zwölf Monaten Cannabis konsumiert haben.

Zweifel an der Bekämpfung des Schwarzmarktes

Noch in diesem Monat sollen die 280 Mitglieder des OCC erstmals ihre Cannabisblüten bekommen. Neben einem Mitgliedsbeitrag von 15 Euro fallen pro Gramm Marihuana zwischen 7,30 und 9,20 Euro an. Damit läge man unter dem gängigen Schwarzmarktpreis von zehn Euro, so Illgner. Mit dem eingenommenen Geld werden die Investitionen abbezahlt, laufenden Kosten gedeckt und Mitarbeiter bezahlt. Gewinnorientiert dürfen die Clubs jedoch nicht arbeiten. Regelmäßig müssen die Anbauvereine ihre Zahlen an die Behörden melden.

Pläne der neuen Regierung

CDU und CSU sind Gegner einer Cannabislegalisierung. Im Koalitionsvertrag haben sich die Union und SPD aber lediglich auf eine „Evaluierung“ geeinigt. Thilo Illgner vom Offenburger Cannabis-Club rechnet nicht mit einem erneuten Verbot.