Die Jugend-musiziert-Preisträger überzeugten samt und sonders ihr Publikum.Die Jugend-musiziert-Preisträger überzeugten samt und sonders ihr Publikum. Foto: Roland Stöß

Vier Tage lang machten 1300 junge Menschen Musik im Rahmen des Wettbewerbs „Jugend musiziert.“ Nach dem dritten Tag gaben einige der Preisträger eine Kostprobe ihres brillanten Könnens ab.

Was diese musikalischen Edelperlen beim „Konzert der Preisträger“ mit Instrumenten und Stimme darboten, trieb die Zuschauer in der Calwer Aula von den Sitzen. Am Ende gab es Standing Ovations.

 

Das Konzert war von höchster Vielfalt geprägt. Sie kamen aus Stuttgart, Freiburg, Esslingen, Heidelberg, Winterbach, Vaihingen, Plankstadt, Schwetzingen und Ötisheim nach Calw. man spürte, dort hat man das eine oder andere Talent gehört, welches in naheliegender Zukunft national wie international Rang, Namen und Ruhm erwerben wird.

Zunächst goss Hermann Wilske, der Präsident des Landesmusikrates Baden-Württemberg, reichlich Lob über die Gastgeberstädte Calw, Nagold und Wildberg, in denen der Wettbewerb samt den beteiligten Menschen große Wertschätzung erfuhr: „So etwas funktioniert nur, wenn hinter allem ein guter Geist die Verantwortung trägt. In Calw wäre das der Oberbürgermeister Florian Kling.“ Zur Person Kling wusste Hermann Wilske , dass der Schultes „27 Tätigkeiten und Ehrenämter innehat.

Die elfjährige Violinistin Polina Sophia Duvow möchte einmal in der Carnegie Hall auftreten. Foto: Roland Stöß

Florian Kling nutzte die Gelegenheit die Gäste zum Calwer Frühlingsfest am Sonntag einzuladen. Den Wettbewerb „Jugend musiziert“ habe man in den Festkalender der 950-Jahr-Feier integriert, „weil es uns wichtig ist, die wichtige Säule Calws, nämlich die über die Region hinaus strahlende Musikschule, zu präsentieren.“

Zuflucht oder Ausweg?

Kling sieht, dass „wir in einer krisengeschüttelten Zeit leben. „In unserer verunsicherten Gesellschaft gibt es eine Sehnsucht nach Hoffnung.“ „Ist die Musik nun eine Zuflucht oder ein Ausweg aus dieser Welt?“ Die Antwort lautet: „Musik stellt sich mutig diesen schwierigen Umständen.“ Die jungen Menschen, die hier spielen, seien „Zukunftsstifter, die nicht tagein, tagaus auf ihrer Couch im Doomscrolling (exzessives Konsumieren negativer Nachrichten – Anmerkung der Redaktion) beheimatet sind, sondern die erleben, was man erreichen kann, wenn man auf ein Ziel zuarbeitet“, so Kling.

Polina Sophia Duvow aus Freiburg ist ein solches Beispiel, was es heißt, ein Ziel anzustreben. Präsident Wilske entlockte der in rot gekleideten Elfjährigen das Ziel ihrer musikalischen Träume: Sie, die mit drei Jahren das Violinspiel begonnen hat, möchte dies eines Tages in der Carnegie-Hall New York tun. Alle Zuschauer spürten, als sie Polina die Scherzo-Tarantelle von Henry Wienawski auf den Saiten wirbeln sahen, irgendwann wird man sagen können: „Die Geigerin hab ich 2025 kleines Mädchen in der Calwer Aula gesehen.“

Fulminantes Trio zum Auftakt

Los ging der Konzertabend mit dem fulminanten Trio für Violine, Violoncello und Klavier. Letizia Claudi, Greta Kefer und Helena Belgardt heizten mit wilden Tempi die Stimmung im Konzertsaal auf Betriebstemperatur

Begleitet von Tianya Cui am Klavier, spielte Trompeterin Julia Wiedemann ein Sonate von Karl Pilss. Foto: Roland Stöß

Da wollten Julia Wiedemann auf ihrer Trompete, begleitet von Tianya Cui am Klavier, nicht nachstehen und sorgte mit einer Sonate von Karl Pilss auf den Rängen des Konzertsaals für Staunen ob der jugendlichen Flinkheit auf Tasten und Ventilen.

Als nächster genialer Vertreter der blasenden Zunft erwies sich Luca Noemi Schnitzer mit seinem Saxofon. Er und Andrii Tarasiuk neckten das Publikum mit Dirius Mihauds „Scaramouche.

Auch die Stimme kommt zu Ehren

Das älteste Instrument ist bekanntermaßen die menschliche Stimme. Diese gekonnt einzusetzen, gelang Emily Lucy Joy Corbett mit einem eigenen Lied sowie dem Quincy-Jones-Hit „Miss Celie’s Blues“.

Während hier Paul Zivkov auf dem Klavier begleitete, tat das gleiche Erika Shimoda bei der in der Calwer Musikschule ausgebildeten Marie Scheffel. Paganinis „La Campanella“ glich zeitweise einem geigerischen Zauberritt.

Ana Trifkovic, Nicolas Thurso, Louis Lachmann und Sofia Mourgas spielten Debussys „Arabesque“. Foto: Roland Stöß

Dass die Gitarre auch auf die klassische Art ein Publikum in Trance versetzen kann, bewiesen Ana Trifkovic, Nicolas Thurso, Louis Lachmann und Sofia Mourgas mit Debussys Arabesque.

Alle Genannten boten jeweils große Qualität, und jeder Künstler war als ein eigener, markanter Höhepunkt wahrzunehmen. Wer glaubte, eine Steigerung sei nicht mehr möglich, wurde vom Trio Maya Strokov (Viola), Clara Kever (Violoncello) und Valeria Wand (Klavier) eines Besseren belehrt. Sie waren der krönende Abschluss eines denkwürdigen Musikabends.