Klaus Bächtle (links) und Jasmin Palmer stellten Bürgermeister Marco Gauger die Kriminalstatistik von 2025 vor. Foto: Ulrike Knöller

Bei der Vorstellung der Kriminalstatistik wurde von einem Plus von 12,6 Prozent berichtet. Was ist voriges Jahr alles passiert?

Jedes Jahr wird im Verwaltungs-, Sozial- und Tourismusausschuss Bad Wildbad die polizeiliche Kriminalstatistik des Vorjahres vorgestellt.

 

Anders als die Jahre zuvor stellte nicht der Revierleiter des Bad Wildbader Polizeipostens, Klaus Bächtle, die Statistik vor, sondern die Chefin des Polizeireviers Calw, Jasmin Palmer. Seit dem Juni 2025 hat die 35-jährige Polizeioberrätin diese Funktion inne. Die zweifache Mutter lobte die unkomplizierte, pragmatische Zusammenarbeit mit der Stadt: „Am Ende müssen wir zusammenhalten“.

492 Fälle Während im Land und im Kreis Calw die Straftaten leicht zurückgegangen sind, sind sie in Bad Wildbad etwas angestiegen. Die Bäderstadt verzeichnet ein Plus von 12,6 Prozent. Im Jahr 2025 waren 492 Fälle aufzunehmen (Vorjahr 437). Eine Aufklärungsquote von 65 Prozent zeigt sich zwar geringer als 2024, aber die Anzahl der gelösten Fälle ist praktisch gleich.

„Wir werden immer Straftaten und Ordnungswidrigkeiten haben, wo Menschen sind, da menschelt’s“, stellte die engagierte Polizistin fest. Den Anstieg führte Palmer unter anderem auf den Tourismus zurück. Tatverdächtige sind nach wie vor überwiegend im Erwachsenenbereich festzustellen.

Der Polizeiposten in Bad Wildbad ist nicht mehr rund um die Uhr besetzt. Foto: Ulrike Knöller

Mehr Anzeigen Im Bereich der Körperverletzungsdelikte ist ein Anstieg von 68 Fällen auf 83 Fälle zu beobachten. Dies ist laut Palmer ein allgemeiner Trend. Auch im Diebstahl gibt es einen Anstieg von 79 auf 102 Fälle. Dies liege daran, dass mehr angezeigt werde, unter anderem auch durch Einsatz von Ladendetektiven im örtlichen Einzelhandel.

Große Datenmengen

Vermögens- und Fälschungsdelikte sind ebenfalls um 17 Fälle auf 112 Straftaten angestiegen. Dies betrifft zunehmend Internetbetrug, „alles, was im Netz läuft“.

Palmer führte an, dass man mittlerweile KI zur Aufklärung einsetze, da die zu untersuchenden Datenmengen sehr groß werden. Trotzdem sei man oft einen Schritt hinterher. Die Täter sind oft unbekannt, die Anzeige wird aber vor Ort gestellt.

Nur ein Wohnungseinbruch Positiv zu vermerken ist, dass es 2025 nur einen einzigen Wohnungseinbruch zu vermelden gab. Auch die Rauschgiftdelikte sind mit nur vier Fällen rückläufig.

86 Sachbeschädigungen gab es im Jahr 2025 zu vermelden, ein Anstieg um 32 Fälle gegenüber dem Vorjahr. 35 Aggressionsstraften wurden aufgenommen, was einen leichten Anstieg um drei Fälle bedeutet.

Palmer zeigte auf, dass dies ein gesellschaftliches Problem sei, die Menschen egoistischer werden.

Positive Entwicklung Bei der häuslichen Gewalt sind mit 43 Vergehen zwölf Taten mehr als 2024 angezeigt worden. Seit 2022 werden diese Fälle statistisch erfasst, es gibt mehr Maßnahmen zum Opferschutz. Palmer stellte klar: „Das ist eine positive Entwicklung. Vorher gab es mindestens gleich viele Fälle. Jede dritte Frau in Deutschland wird Opfer häuslicher Gewalt. Die Opfer haben mehr Möglichkeiten, andere Ansprechpartner, dadurch wird mehr angezeigt. Da kommt mehr ans Tageslicht.“

Große Info-Flut

Rita Locher (FWV) meinte: „Laut Statistik leben wir ja in einer heilen Welt, aber das Sicherheitsgefühl der Einwohner spricht andere Worte als die Zahlen.“

Palmer erklärte, es gebe ein objektives und ein subjektives Sicherheitsgefühl. Objektiv sprechen die Zahlen, subjektiv kommt die große Info-Flut ins Spiel: „Man bekommt alles mit, das macht die Menschen unsicher.“

Unfälle Bei der Verkehrsunfallstatistik waren in der Bäderstadt 224 Unfälle aufgenommen worden, ein Plus von 1,8 Prozent zum Vorjahr. Eine Unfalltote war dabei zu verzeichnen. Im gesamten Kreis Calw waren die Unfälle rückläufig, es ist dabei aber mit neun Toten ein trauriger Anstieg um 50 Prozent erfasst worden.

Mehr Motorradunfälle

Sechs Radunfälle mit vier leichtverletzten Personen wurden aufgenommen. Während im Kreis Calw die Pedelecunfälle um 34, 6 Prozent und einem Todesopfer angestiegen sind, ist in der Bäderstadt lediglich eine einzelne leichtverletzte Person zu Schaden gekommen.

18, meist selbst verschuldete, Unfälle mit dem Motorrad, doppelt so viele wie 2024, gab es in Bad Wildbad 2025 – wobei es fünf Schwerverletzte, aber keinen Toten zu beklagen gab.

Flüchtlingsunterkunft Mathias Fey (AFD) interessierte sich für die Situation in der Flüchtlingsunterkunft Calmbach in der Beermiss. Klaus Bächtle erklärte: „Aus meiner Sicht ist die Situation in der Gemeinschaftsunterkunft unproblematisch. Ich bin mit der Entwicklung dort sehr zufrieden.“

Mehr Präsenz

Palmer machte deutlich, dass die Bürger das Gefühl hätten, es wäre mehr Polizei vor Ort zu sehen. Dadurch, dass der Polizeiposten nicht mehr 24/7 besetzt ist, gibt es mehr Präsenz in Bad Wildbad: „Es fährt immer eine Streife in diesem Bereich, auch, um zügig da zu sein, weil es natürlich eine weite Strecke von Calw nach Bad Wildbad ist.“