Amtsleiter Dieter Kleinhans (hier im Türrahmen stehend) zeigt eines der Klassenzimmer im Obergeschoss des Gebäudes Hallerhöhe. Aus seiner Sicht kommt ein Abbruch dieses Gebäudeteils in Frage – gesetzt den Fall, dass es überhaupt zu einer Inbetriebnahme des Hauses als Grundschulstandort kommt. Das soll jetzt nämlich erst noch geprüft werden Foto: Daniela Schneider

Nur eins steht bislang fest: Zum neuen Schuljahr soll die neue Grundschule starten. Aber wie geht das vonstatten? Und vor allem: Wie geht es dauerhaft mit dieser Schule weiter? Eine neue Variante ist jetzt im Spiel, die allerdings auch Besorgnis auslöst.

Kurzfristig hat die Verwaltung das Thema Grundschule Hallerhöhe von den Tagesordnungen der gemeinderätlichen Gremien abgesetzt.

 

Es gibt nämlich erneut eine neue Entwicklung in der Sache. Er habe vergangene Woche aus den Reihen des Gemeinderats „den Auftrag bekommen”, auch zu prüfen, ob die neue Grundschule nicht nur provisorisch, sondern auch dauerhaft in den Containern – oder wie er es lieber nennt: in den „Modulen“ – am Deutenberg untergebracht werden kann, sagte Oberbürgermeister Jürgen Roth bei einem Vor-Ort-Termin auf der Hallerhöhe.

Zu diesem hatte die Stadtverwaltung die Mitglieder des Gemeinderats eingeladen. Hier wollte man zeigen, wie’s in den Räumlichkeiten in dem Gebäude aussieht. Zudem sollten die Räte die Ausweichräume in der Containeranlage sehen, die zwischen Gymnasium und Schulverbund steht.

Vorschlag sorgt für Entrüstung

Diese, so hatte es zuletzt noch seitens der Verwaltung geheißen, sollten dazu genutzt werden, die jetzt zum neuen Schuljahr einzuschulenden Kinder der neuen Grundschule Hallerhöhe für eine gewisse Zeit unterzubringen, während das Bestandsgebäude oben auf der Höhe in Ruhe saniert wird.

Darüber herrschte zuletzt ein Konsens zwischen der Stadt und jenen, die die neue Schule zum Laufen bringen sollen. Federführend ist Fenke Härtel, die Schulleiterin der Neckarschule. Sie ist durch das Staatliche Schulamt Donaueschingen mit der Vorbereitung des Schulbetriebs am Standort Hallerhöhe und mit der Vorbereitung des dortigen Schulbetriebs beauftragt. Unzählige Gespräche und Vorplanungen hatten sie und weitere Beteiligte bislang dafür zu bewerkstelligen, auch im Schulterschluss mit der Stadtverwaltung, versteht sich.

Eltern aufgewühlt und verunsichert

Beim Ortstermin hielt sie nicht hinterm Berg mit ihrer Entrüstung über die neue „Idee“, aus dem Provisorium in der Containeranlage womöglich eine Dauerlösung zu machen. Zudem sei den Eltern bisher noch keine Lösung transparent gemacht worden – die seien sehr aufgewühlt und verunsichert angesichts der ungewissen Lage und oder offenen Frage, wo die Kinder denn nun letztlich unterrichtet werden – zumal der Schuljahresbeginn ja nicht mehr allzu weit ist. Sie appellierte an die Räte, keine vorschnellen Entscheidungen mit Blick auf eine Nicht-Nutzung des Hallerhöhe-Gebäudes zu treffen. Und sie betonte, dass die pädagogischen Aspekte nicht außenvorgelassen werden dürften. Dazu gehört auch, dass es Bedenken gibt, dass die Grundschüler bei der langfristigen Containerlösung zum Beispiel dauerhaft keinen eigenen Pausenbereich hätten. Im Übrigen sei es ohnehin schon schwer, Schulleiterstellen zu besetzen – auch das müsse man bedenken, wenn man eine solche Lösung ins Kalkül ziehe. „Da müssen sie erstmal jemanden finden, der dauerhaft in einem Container tätig sein möchte“, sagte sie. Diese dauerhafte Containerlösung verantworte sie jedenfalls nicht, machte sie deutlich.

Vorwurf: Pädagogen nicht mit einbezogen

Auch die geschäftsführende Schulleiterin für den Bereich Grundschulen, Stephanie Schick, war bei dem Vor-Ort-Termin konsterniert. Dass man die pädagogischen Fachleute in die neue Überlegung bislang noch gar nicht miteinbezogen habe, macht sie fassungslos. Auch sie habe die Provisoriumslösung bislang mitgetragen.

Rede man jetzt aber von einer Dauerlösung in Containern, sei das nicht in Ordnung und vor allem nicht mit denen vorab besprochen, die sich in Sachen Schule auskennen. Dass die pädagogischen Fachleute hier überhaupt (noch) nicht mit einbezogen worden seien, ärgerte sie deutlich spürbar. Dass sie und auch andere Beteiligte sich durch diese neue Entwicklung regelrecht vor den Kopf gestoßen fühlten, das war bei dem Ortstermin beileibe nicht zu übersehen.

„Wissen schon lange, dass man etwas tun muss“

Eigentlich sollte der Termin vor Ort ja zeigen, wie es im Bestandsgebäude konkret aussieht. Dieter Kleinhans, Leiter des städtischen Amtes für Gebäudewirtschaft und Hochbau, insistierte insbesondere mit Blick auf die sanierungsbedürftigen Klassenräume im Obergeschoss: „Dass man hier etwas tun muss, wissen wir schon lange.“ Das Gebäude sei im Untergeschoss massiv gebaut, der Aufbau sei eine Art Containerbau, in den man „so, wie es jetzt ist, nicht rein“ könne. Im aktuellen Haushalt habe man eine Million Euro für eine Ertüchtigung gehabt. Zuletzt hatte im Raum gestanden, weitere 3,5 Millionen (im nächsten Haushalt) aufzuwenden, um eine Generalsanierung vorzunehmen. Das habe die Lage noch mal verändert. Aus Kleinhans’ Sicht wäre angeraten, den unteren, massiven Teil des Gebäudes stehen zu lassen und den oberen Bereich abzureißen, um auf den unteren Grundstock dann einen Bau zum Beispiel in Holzbauweise draufzusetzen. Dafür stehen die 4,5 Millionen Euro im Raum. Kleinhans betonte vor Ort: „Wenn, dann müssen wir es richtig machen – oder gar nicht.“

Eine vierte Variante und die Schulbezirke

Und genau dieses „Gar nicht“ ist neben der Option der Sanierung also nun eine neue Variante. Bernd Ellinger, Schulleiter des Schulverbunds am Deutenberg, gab derweil aus eigener Erfahrung zu bedenken: „Die Container sind ein gutes Provisorium für eine gewisse Zeit. Ein dauerhaftes Schulgebäude sind sie aber nicht. “ Und das meint auch Simone Spengler vom Staatlichen Schulamt Donaueschingen. Sie sei „allerhöchst irritiert“ über das Vorgehen und könne nur vor der dauerhaften Containerlösung warnen. Die Eltern lehnten das „komplett ab.“ Wichtig sei es, nicht nur das Gebäude in Augenschein zu nehmen, sondern „auch den Kontext“.

Es gelte, sehr reiflich zu überlegen und zu prüfen – „im Sinne der Kinder und der Schulfrieden an allen Schulen.“

Beim Vor-Ort-Termin am Deutenberg schauten sich die Stadträte auch die Klassenzimmer in den Containern an. Foto: Daniela Schneider

Sie brachte für eine längerfristige Entwicklung auch noch einen „vierten Weg ins Spiel“: Bei der Neckarschule Module aufstellen, diese ausbauen zu einem Ganztagsangebot in Wahlform und dafür die Schulbezirke neu definieren – ob das in Frage kommt, soll nun ebenfalls geprüft werden.

Für die neuen Grundschüler von der Hallerhöhe zeichnet sich derweil ab: Sie werden im September in die Container einziehen – ob nur für eine gewisse Zeit oder auch dauerhaft, darüber muss der Gemeinderat nun in einer Sitzung im Mai entscheiden.

Die neue Grundschule: Wie man startete und wo man jetzt steht

Die neue Grundschule nimmt ihren Betrieb im Schuljahr 2025/26 mit zwei ersten Klassen auf und soll in den folgenden Schuljahren sukzessive aufgebaut werden. Das war geplant:
Ursprünglich war geplant, die Erstklässler in einem ertüchtigten Bereich des Bestandsgebäudes Hallerhöhe zu unterrichten. Der Ausweichplan:
Aus dem direkten Einzug wird jetzt aber laut Verwaltung aus mehreren Gründen nichts: Erstens sind für eine regelrechte Sanierung, wie man sie nun befürwortet, im aktuellen Haushalt zu wenig Mittel eingestellt und zweitens müsste die Sanierung im laufenden Betrieb stattfinden – zwischen kleinen Grundschülern und Schülern des Schulverbunds, die hier derzeit noch im Ausweichquartier sind. Deshalb hatte die Verwaltung vorgeschlagen, dass die neuen Grundschüler im September vorerst nun doch nicht in das Bestandsgebäude, sondern in frei werdende Räume in den Schulcontainern am Deutenberg einziehen sollen. In der Zwischenzeit wollte man dann das Bestandsgebäude – ohne laufenden Schulbetrieb – sanieren, sodass die Kinder dann – nach erfolgter Sanierung zum Schuljahr 2027/2028 – dort einziehen könnten. Das „Denkmodell“:
Kurzfristig wurde nun aber auch noch ins Spiel gebracht, aus der Containerlösung eine dauerhafte zu machen. „Die Idee ist: Wir machen kein Provisorium, sondern eine Verstetigung. Das ist ein Denkmodell. „Denken dürfen wir ja,” meint OB Jürgen Roth dazu. Man spreche hier von Millionenbeträgen, die an anderer Stelle für „andere Projekte im sozialen Bereich“ Chancen eröffneten. Dieses Vorgehen sei nun zu prüfen und dafür wolle man auch das Angebot der Pädagogen beherzigen, deren Sachverstand dabei auch „mitzunehmen“, das habe er „gerne zugesagt.“