Premiere auf der Brücke über der A81: Markus Maier, Dirk Vairo und Christine Drössel von der Verkehrspolizei Zimmern kontrollieren per Drohne. Foto: Otto

Was machen die denn da? Dass die Polizei auf einer Brücke über der A81 samt großer Drohne zu sehen war, hat für Aufsehen gesorgt. Wir waren vor Ort und klären auf.

Polizeikontrollen ist man an der A81 im Kreis Rottweil gewohnt. Doch dieses Bild ist neu: Polizeibeamte stehen am Mittwoch auf einer Brücke nahe dem Autobahnanschluss Zimmern – eine große Drohne ist über ihnen im Einsatz. Im Netz kursiert die Frage: Was machen die da genau?

 

Auf unsere Nachfrage beim Polizeipräsidium Konstanz heißt es: Wir können direkt an die Kontrollstelle kommen. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Nach einer längeren Fahrt durch den Wald kommen wir an der schmalen Brücke nördlich der A81-Auffahrt Zimmern an.

Und dort erfahren wir von Kontrollstellenleiter Markus Maier, seiner Kollegin Christine Drössel sowie Drohnenpilot Dirk Vairo von der Verkehrspolizei des Präsidiums Konstanz mit Sitz in Zimmern, dass es sich hier um eine echte Premiere handelt: die erste Lkw-Abstandsmessung auf der Autobahn per Drohne in Baden-Württemberg.

Pilotprojekt in Baden-Württemberg

„Das ist ein Pilotprojekt“, berichtet Markus Maier. Bereits vor drei Jahren habe er das mit Blick auf andere Bundesländer, wo Drohnen hierzu bereits im Einsatz sind, initiiert. Mit der Umsetzung habe es allerdings jetzt doch etwas gedauert. Nicht zuletzt wegen der Datenschutzbestimmungen. Denn einfach fliegen und alles filmen, das dürfe eben auch die Polizei nicht.

Abstand bei Lkws im Visier

Jetzt aber konnte am Mittwoch der erste richtige Kontrolleinsatz starten. Im Blick hat man von der Brücke aus die dortigen Abstandsmarkierungen am Fahrbahnrand der A81 in Richtung Singen.

50 Meter Abstand mindestens müssen Lkws einhalten. Wenn Lastwagen herannahen, die zu dicht auffahren, nimmt die Drohne sie ins Visier. Bei Verstößen wird aus der Vogelperspektive ein Video aufgezeichnet, das Drohnenbild ist auf dem Bildschirm im Polizeibus zu sehen, wie Maier zeigt.

13 Verstöße registriert

Pilot Dirk Vairo steuert das Fluggerät souverän – mit Abstand zur Fahrbahn – an der A81 entlang. Dabei hält sich auch die Polizei an die üblichen Flugverbotszonen, wie er sagt. Und die Drohne hat in den letzten zwei Stunden schon etliche Abstandssünder ertappt. 13 Verstöße seien bereits registriert worden, berichtet Markus Maier.

Die betreffenden Lkws werden den Kollegen auf den Motorrädern gemeldet, die an der Autobahnauffahrt in Position stehen. Die leiten die Lkw-Fahrer schließlich auf den Parkplatz Eschachtal. „Wir übermitteln das Video direkt dorthin, so dass die Fahrer die Bilder auch gleich selbst sehen können“, erklärt Maier. Das sei gar nicht schlecht für den Lerneffekt.

Wie er berichtet, wird die Verkehrspolizei Zimmern nun im Zuge des Pilotprojekts jeden Monat eine solche Kontrolle durchführen. Am Ende des Jahre erfolgt dann ein detaillierter Bericht ans Landesinnenministerium zur Auswertung, dann wird entschieden, wie es weitergeht.

Bericht ans Innenministerium

Das Equipment sei übrigens bereits vorhanden gewesen. Wie Pilot Dirk Vairo erklärt, der beim Verkehrsdienst Mühlhausen-Ehingen stationiert ist, habe man die Drohne bereits rund zwei Jahre. Sie kommt bei Vermisstensuchen, Unfallaufnahmen, Observationen, bei der Spurensuche oder bei Großveranstaltungen zum Einsatz. Die Bilder können dann jeweils direkt an die Leitstelle übertragen werden.

Jetzt fliegt die Drohne also auch an der A81. Bei Verstößen gegen die 50-Meter-Abstandsregel droht bei Lkws über 3,5 Tonnen übrigens ein Bußgeld von 80 Euro und ein Punkt, bei Gefahrguttransporten und Bussen werden 120 Euro und ein Punkt fällig.

Und allein die Berichterstattung über die neuen Kontrollen, so Maier, rufe vielleicht nun wieder dem einen oder anderen in Erinnerung, den Sicherheitsabstand zum Vordermann einzuhalten.