Bürgermeister Viktor Lorenz sieht sich ernsten Vorwürfen ausgesetzt: Der Rat vermutet, er habe Alkohol im Wert von knapp 2000 Euro unterschlagen. Der Fall liegt beim Landratsamt.
46 Flaschen Whiskey sorgen derzeit in Appenweier für Diskussionen. Für rund 1940 Euro seien insgesamt 50 Flaschen im Rathaus als Präsente verbucht worden, sagte ein Mitglied des Gemeinderats, das nicht namentlich genannt werden will. Bei vier Flaschen sei bekannt, an wen diese verschenkt wurden. Der Verbleib der restlichen 46 Flaschen habe im Gemeinderat zu Diskussionen geführt.
Bürgermeister bestreitet, dass der Alkohol abhanden gekommen ist
Auf die Nachfrage des Rats, wo sich die restlichen Flaschen befinden, habe Bürgermeister Viktor Lorenz geantwortet, dass diese eingelagert seien. „Eine Verpflichtung, Repräsentationsbestände gegenüber einzelnen Gemeinderäten vor Ort zu ,verifizieren’ oder Lagerorte offenzulegen, besteht nicht“, teilte Lorenz der Deutschen Presse-Agentur mit.
Der Bürgermeister bestreitet, dass die restlichen Spirituosen unauffindbar seien. Die Flaschen seien weder „abhandengekommen“ noch „verschwunden“.
Das Tischtuch zwischen dem Rathauschef und dem Appenweierer Gemeinderat ist schon seit Längerem zerschnitten. Erst im September hatte CDU Fraktionsvorsitzender Klaus Sauer bei einer öffentlichen Sitzung eine Erklärung verlesen, in der das Gremium Viktor Lorenz geschlossen zum Rücktritt aufforderte (wir berichteten). Hintergrund: ein „unsachgemäßer, rüpelhafter und teilweise ehrverletzender Umgang mit Gemeinderäten, Personalräten und Bediensteten“, hieß es damals. Rathausmitarbeiter hätten sich hilfesuchend an den Gemeinderat gewandt. Zudem wurde der Vorwurf geäußert, er hätte über seine Funktion als Bürgermeister Vorteile für ein von ihm betriebenes Fitnessstudio generiert.
Rathauschef fiel laut Rat bereits mehrfach durch Alkoholexzesse auf
Besonders pikant im aktuellen Zusammenhang: Der Appenweierer Gemeinderat warf Lorenz im November in einer Pressemitteilung vor, das Amt und den Ruf der Gemeinde durch „mehrere bekannt gewordene öffentliche Alkoholexzesse“ beschädigt zu haben.
Der Gemeinderat hat nun Beschwerde beim Landratsamt eingelegt. Die Behörde soll klären, wo die restlichen Flaschen sind und ob sich der Verdacht auf Untreue oder Unterschlagung erhärtet.
Das Landratsamt bestätigte am Donnerstag auf Anfrage unserer Redaktion, dass ein Gemeinderatsmitglied Beschwerde eingelegt habe. Um den Fall zu klären sei man „in Kontakt mit dem Bürgermeister“, so Georg Schrempp, Leiter des Kommunal- und Rechnungsprüfungsamts . Der Fall aus der 10 000-Einwohner-Gemeinde ist auch für das Landratsamt ungewöhnlich. Dass die Kommunalaufsichtsbehörde wegen des Verdachts der Unterschlagung eingeschaltet wird, komme nicht häufig vor.