Fühlte sich wohl in der Kulturscheune Rabe: der italienische Pianist Pietro Ceresini, der ein üppig zusammengestelltes virtuoses Klavierrecital gab. Foto: Jürgen Scharf

Musikalisch intensiv und mitreißend war das Klavierrecital des italienischen Pianisten Pietro Ceresini in der Kulturscheune Rabe in Kleinkems.

Für Hausherr Christian Rabe versprach der Auftritt des italienischen Pianisten einen Höhepunkt in der Geschichte seiner Kulturscheune. Und in der Tat zeigte sich Pietro Ceresini beim Klavierrecital am Freitag als ein international konzertierender Virtuose und Wettbewerbspreisträger mit Klavierpranke und einem gänzlich unfasnächtlichen Programm mit Bravourstudien.

 

Da konnte das überraschend zahlreiche Publikum, das Klaviermusik der Fasnachtsmusik vorzog, einmal eine stupende pianistische Technik mit Oktavenraserei, aufregenden Handwechseln und anderen Parametern der Klaviertechnik wie Akkordspiel, Arpeggien und Tremolo bewundern.

Der Pianist, der in Freiburg an der Musikhochschule Klavier unterrichtet – wohl dem, der bei ihm die Tastenkunst erlernen kann, – verfügt über das richtige Temperament für die Opernparaphrasen von Busoni und Thalberg und das brillante Laufwerk für die Etüdensammlung von Liszt, die er an diesem Abend auf dem etwas trocken klingenden Flügel präsentiert.

Er beginnt seinen ambitionierten Klavierabend mit einer Bach-Toccata in e-Moll (BWV 914) und zeigt, was ein solches Werk in einem Pianisten wie ihm auslösen kann: Freude am Drauflosspielen.

Klarer Klavierton

Hat er doch eine glänzende Tastenrhetorik und Anschlagsbrillanz für ein musikalisch intensives Spiel bis hin zur Fuge, die das Stück abschließt. Mit seinem klaren Klavierton gelang Ceresini eine beeindruckende Übertragung von Bach auf den modernen Flügel und dessen Klang.

Ferruccio Busoni, dessen 160. Geburtstag die Klavierwelt dieses Jahr begeht – mit ein Grund für den Gastpianisten, Busoni aufs Programm zu setzen – war sowohl ein Verehrer von Altmeister Bach wie auch von Franz Liszt, diesem Klaviervirtuosen schlechthin.

Busonis Carmen-Fantasie ist für diesen avantgardistischen Komponisten noch sehr zugänglich und hörerfreundlich. Das Publikum dürfte etliche der berühmten Melodien dieser Oper von Bizet erkannt haben, die Busoni mit raffinierten pianistischen Elementen zu einer freien Kammerfantasie verarbeitet hat.

Diesem kompositorisch anspruchsvollen Werk stellte Ceresini die nicht überladene, sondern aufs melodisch Wesentliche reduzierte, bewusst nicht virtuose Opernfantasie des damaligen Klavierstars Sigismund Thalberg über die Arie „Casta Diva“ aus Bellinis Oper „Norma“ gegenüber – ein spannender Vergleich.

Pianistisch hervorragende Technik

Der Italiener Ceresini ließ dieser Arie das nötige Belcanto auf dem Klavier zukommen, wenn man auch vielleicht Maria Callas mit diesem Romantik-“Schlager“ im Ohr hatte.

Von Thalberg zum Zeitgenossen Liszt war es nur ein kleiner Schritt, aber von dieser einfachen Transkription zu den Bravourstudien ein weitaus größerer. Diese pianistisch teils schon zirzensischen Paganini-Etüden, die Liszt von der Geige blendend auf das Klavier übertragen hat, spielt Ceresini mithin grandios, mit kraftvollem Passagenwerk.

Seine pianistisch hervorragende Technik kommt ihm bei diesen höchst virtuosen fingerakrobatischen Stücken wie der „Oktaven-Etüde“ oder der fast nur mit der linken Hand gespielten „Tremolo-Etüde“ sehr entgegen. Am bekanntesten geworden ist die Nummer 3 („La Campanella“), wo es im Diskant mächtig glöckchenhaft klingelt.

An den Tasten immer Herr der Lage

Der Pianist bewältigt die enormen klavieristischen Anforderungen mühelos, bleibt an den Tasten immer Herr der Lage, auch bei den rasant hingezirkelten Läufen, Sprüngen, Tonleitern und Überkreuzungen der Hände.

Wer für diese Stücke eine so angemessene Klaviertechnik hat wie Pietro Ceresini, der kann diese Musik überzeugend darbieten, ohne oberflächlich zu werden.

Das Publikum in der Kulturscheune Rabe war elektrisiert und bekam als lyrische Zugabe das Chopinsche Regentropfen-Prelude und als zweite Draufgabe, um dem Klavierabend noch einen barocken und italienischen Rahmen zu geben, das Siciliano aus der zweiten Flötensonate von Bach in der Bearbeitung von Wilhelm Kempff zu hören.

Jonglage mit Rose als Dankeschön

Also ein Programm voller Querbezüge mit den großen Antipoden Liszt/Thalberg. Letzerem ließ Ceresini ebenso verdienstvoll Ehre widerfahren wie Niccolo Paganini, der in Parma begraben ist, der Stadt, aus der Ceresini stammt.

Kulturmacher Christian Rabe, von Haus aus Musiker und Clown, jonglierte zur Freude der Zuschauer mit einer Rose als Dankeschön für den Auftritt seines Stargastes und mit einem Hut als Hinweis auf die Hutsammlung.