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Pforzheim Die großen Kinos bleiben geschlossen

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Das Cineplex in Pforzheim muss nach wie vor seine Türen geschlossen halten. Wie lange geht das noch gut? Foto: Krämer

Pforzheim - Obwohl die Landesregierung die Corona-Verordnung weiter lockert, bleiben die großen Pforzheimer Kinos geschlossen. Ihre Lage ist prekär, sagt Betreiber Michael Geiger.

Ein Kinobesuch ist eigentlich ein Vergnügen. Doch wo es sonst nach Popcorn duftet und gespannte Erwartung auf den neuesten Blockbuster in der Luft liegt, herrscht jetzt Trostlosigkeit. Seit 18. März sind die Pforzheimer Kinos Rex und Cineplex geschlossen. Für Michael Geiger, dessen Familie seit 70 Jahren Filmtheater in der Goldstadt betreibt, hätte es nicht schlimmer kommen können. Seit drei Monaten bleiben die Leinwände in seinen insgesamt zwölf Kinosälen dunkel, die rund 50 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Die Lage bezeichnet Geiger als "sehr fatal".

Nur 25-prozentige Auslastung möglich

Dabei lockert das Land Baden-Württemberg weiter die Regeln: Seit dem 1. Juni dürfen Veranstaltungen mit weniger als 100 Personen wieder stattfinden. Die Lockerung zielt vor allem auf den Kulturbetrieb ab. Theater, Konzerthäuser, Opern und eben Kinos sollen wieder öffnen können – wenn sie dafür sorgen, dass Abstands- und Hygienevorgaben eingehalten werden. Genau das ist die Krux in Geigers Fall. Hält sich der Unternehmer an die Abstandsregeln, dann ist lediglich eine 25-prozentige Auslastung seiner Kinos möglich. Die Konsequenz: "Es macht für uns keinen Sinn aufzumachen."

Das meiste Geschäft machen die Pforzheimer Kinos am Wochenende. Um die niedrigeren Besucherzahlen unter der Woche zu kompensieren, müssen samstags und sonntags 80 Prozent aller Plätze belegt sein. Wenn das nicht möglich ist, "bricht es mir das Genick", sagt er.

Keine neuen Filme

Das nächste Problem ist, dass die Filmverleihe gar keine neuen Filme herausbringen. Sie wollen ihre Blockbuster nicht vor leeren Reihen zeigen. Geiger vergleicht die Situation der Kinos mit der eines Autohauses, das keine neuen Wagen geliefert bekommt. Warum sollte dann ein Kunde überhaupt kommen, um sich Autos anzuschauen? Derzeit seien die Kinos auf dem Stand von Dezember und Januar, was neue Filme betrifft. Auch die Produktion der Streifen ruht. Selbst die, die fertig seien, würden derzeit nicht synchronisiert.

Seit dem 8. Mai veranstaltet die Kinobetreiberfamilie Geiger, auch Sohn Nicolas ist mit im Geschäft, gemeinsam mit dem Kommunalen Kino Pforzheim ein Autokino auf dem Messplatz. Auch dort macht sich aber inzwischen bemerkbar, dass die meisten Besucher die Blockbuster wie "Joker" bereits gesehen haben. Zudem werden die Tage länger, die Vorstellungen müssen wegen der Helligkeit immer später beginnen, nämlich um 22 Uhr. Unter der Woche ist das vielen Filmfans zu spät. Das Autokino sei deshalb gerade einmal kostendeckend. Noch bis Mitte Juni soll es das Angebot geben, dann werde es sich nicht mehr lohnen, meint Geiger.

Januar und Februar waren noch erfolgreich

Dabei ist Pforzheim für Kinos eigentlich ein gutes Pflaster. Das vergangene Jahr sowie Januar und Februar 2020 seien erfolgreich gewesen fürs Rex und das Cineplex. So wäre es wohl weitergegangen: Für Ostern war die Weltpremiere des neuen "James Bond" geplant, auch ein Film der "Fast and Furious"-Reihe stand kurz vorm Start. "Wir hätten dieses Jahr ein gutes Jahr gehabt." Nun sind sämtliche Uraufführungen verschoben. Im Fall von "007" vorerst auf November.

"Eben hab ich gehört, dass die ’Met’ in New York ihr ganzes Herbstprogramm bis auf Weiteres eingestellt hat", erzählt Geiger. Das ist die nächste schlechte Nachricht, denn die Übertragungen aus der Metropolitan Opera sind gut besucht. 80 bis 130 Personen erleben die Aufführungen im Kinosaal jedes Mal mit.

Reichen die Rücklagen?

Für Juli sind bisher noch zwei neue Filme angekündigt. Der Actionthriller "The ­Tenet" von Regisseur Christopher Nolan und Disneys "Mulan", der eigentlich schon im März zu sehen sein sollte. Ob es soweit kommt? Kinobetreiber Geiger hat da seine Bedenken. Lang allerdings kann er die Durststrecke nicht mehr überbrücken. In den vergangenen drei Jahren habe die Familie zwei Millionen Euro in ihre Kinos investiert. Trotzdem habe er Rücklagen. Nur sind die bei null Einnahmen über Monate hinweg irgendwann aufgebraucht. Und dann? Der Ufa-Filmpalast in Stuttgart ist wegen Corona bereits insolvent und wird nicht wieder öffnen, sagt Geiger. Er will nicht, dass es in Pforzheim genauso kommt.

Aber irgendwie, meint er mit Blick auf die Politik, "haben sie das Kino alle vergessen". Vom Land habe er etwas Unterstützung bekommen. Doch die reichte für einen Monat. "Ich brauche dringend Mittel vom Bund", fordert er. Geiger hat sich deshalb, vor den derzeitigen Beratungen der Großen Koalition in Berlin, an Gunther Krichbaum, den CDU-Bundestagsabgeordneten für Pforzheim und den Enzkreis, gewendet. Der Kino-Chef hofft, dass es wenigstens diesmal eine gute Nachricht für ihn gibt.

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