Nach gut fünfeinhalb – teils äußerst turbulenten – Jahren kehrt Cornelia Lanz der Stadt den Rücken. Das bedeutet erneute Veränderungen in der Verwaltungsstruktur.
Cornelia Lanz hat in Lahr schon einige Schlagzeilen produziert – diese dürfte eine der letzten werden: Die 44-Jährige hat sich mit den Verantwortlichen der Stadt auf die Aufhebung ihres Dienstverhältnisses geeinigt. Entsprechende LZ-Informationen bestätigte die Amtsleiterin am Dienstag auf Nachfrage: „Ich orientiere mich beruflich um.“ Konkreter wolle sie aktuell nicht werden. Wie lange Lanz Lahr noch erhalten bleibt, steht auch aufgrund von Resturlaub noch nicht exakt fest – es wird wohl Richtung Spätsommer gehen.
Ein Schritt, der für einiges Aufsehen sorgen dürfte, obschon er nicht ganz überraschend kommt. Lanz ist Anfang 2025 – zu diesem Zeitpunkt zum dritten Mal schwanger – mit ihren beiden erstgeborenen Kindern zu ihrem Mann nach Heidelberg gezogen. Seit dem Ende ihrer Elternzeit arbeitet sie hybrid, also teils im Homeoffice, teils vor Ort in Lahr. Ein Unterfangen, das sich nicht ganz einfach gestaltet, wie sie einräumt: „Bei meinem neuen Job bin ich dauerhaft näher bei der Familie, das ist mir natürlich sehr wichtig.“
2023 kam es zur Versetzung – und großem Ärger
Cornelia Lanz war Ende 2020 als neue Kulturamtschefin mit großen Ambitionen nach Lahr gekommen. Zweieinhalb Jahre später folgte die große Ernüchterung – und eine Episode, die nicht in die glorreichsten der jüngeren Rathausgeschichte eingehen wird: Im Frühling 2023, kurz bevor Lanz aus einer Elternzeit zurückkehrte, wurde ihr vonseiten der Stadtspitze eröffnet, dass sie nicht mehr in ihrer gewohnten Rolle tätig sein werde.
Öffentlicher Schlagabtausch
Stattdessen hatte man kurzerhand das Amt für Stadtgeschichte und Archivwesen aus der Taufe gehoben, das die ausgebildete Opernsängerin fortan führen sollte. Die Verwaltung begründete den Schritt damals mit „Differenzen und unterschiedlichen Auffassungen in der strategischen Ausrichtung der Kulturarbeit“. Lanz widersprach vehement, woraufhin sich ein öffentlicher und teils juristischer Schlagabtausch entwickelte. Am Ende akzeptierte die Amtsleiterin ihre Versetzung – und die Wogen glätteten sich.
Aufgabe sollte größer werden
Mehr noch: Im Januar wurde bekannt, dass Lanz’ Aufgabengebiet im Laufe dieses Jahres noch einmal größer werden sollte, konkret: die Mediathek vom Kultur- ins Geschichts- und Archivamt wandern. Als ein Grund wurde das bis dato herrschende Ungleichgewicht bei der Personalverantwortung genannt: In Lanz’ Ressort gibt es nur ein gutes Dutzend Mitarbeiter, deutlich weniger als in den anderen Ämtern des Dezernats II (siehe Info).
Schöneboom: „vernünftige Entscheidung“
Dessen Leiter Guido Schöneboom schaut im Gespräch mit der LZ nüchtern auf Lanz’ nahenden Abschied: „Ich halte die Entscheidung für vernünftig, wenn man seinen Lebensmittelpunkt mit Mann und drei Kindern 150 Kilometer von Lahr entfernt hat.“ Auch wenn der Aufhebungsvertrag noch nicht unterschrieben ist, Steine wird man der hoch dotierten Amtsleiterin sicher nicht in den Weg legen, so ist der Erste Beigeordnete zu verstehen. Zumal ihr Weggang eine spürbare Entlastung im angespannten Haushalt bedeuten dürfte.
Amt wird wohl wieder abgeschafft
Schöneboom plant jetzt – in Absprache mit der städtischen Personalabteilung – eine neuerliche Veränderung seines Dezernats. Am wahrscheinlichsten ist eine Rückkehr zur alten Struktur. Es sei „naheliegend“, dass das Amt für Stadtgeschichte und Archivwesen wieder abgeschafft und dessen Aufgaben auf die übrigen drei Ämter verteilt werden, so der Bürgermeister, der gleichsam betont, nichts überstürzen zu wollen: „Wir werden uns in den nächsten Wochen zusammensetzen und die Situation ganz in Ruhe analysieren. Es gibt keinen Grund für einen Schnellschuss.“
Lanz: „in beiderseitigem Einvernehmen“
Cornelia Lanz geht derweil nicht im Groll, wie sie beteuert: „Es ist eine Trennung in beiderseitigem Einvernehmen, ganz versöhnlich.“
Die bisherige Struktur
Das Dezernat II von Bürgermeister Guido Schöneboom umfasst vier Ämter: das Amt für Soziales, Bildung und Sport, das Senja Dewes führt, das Ordnungsamt mit Lucia Vogt an der Spitze, das Kulturamt um Tobias Meinen sowie (noch) das Amt für Stadtgeschichte und Archivwesen in den Händen von Cornelia Lanz. Insgesamt sind im Dezernat II rund 400 Mitarbeiter tätig.